Ortverband Bündnis 90/Die Grünen Stahnsdorf: „Verlegung der Kreistagssitzung ist feige“
Der Landkreis Potsdam-Mittelmark plant, bei der Förderung der Familienzentren 500.000 Euro einzusparen. Das entspricht knapp 40 Prozent der bisherigen Gesamtförderung der Familienzentren in den 19 Kommunen des Landkreises. Laut einer Pressemitteilung des Ortsverbands Stahnsdorf von Bündnis 90/Die Grünen gefährden die ab dem 1. Januar 2027 geplanten Kürzungen über Jahre gewachsene Strukturen und damit wichtige Begegnungs- und Beratungsangebote im Landkreis.
Geplant ist eine Reduzierung der Mittel von bislang 1,277 Millionen Euro auf 777.100 Euro. „Aufgrund dieser massiven Gefährdung der sozialen Infrastruktur hatten die betroffenen Familienzentren und Bürger für die entscheidende Beratung am 8. Oktober eine Protestaktion vor dem Weinberg-Gymnasium Kleinmachnow angekündigt. Kurz vor dem Termin hat Landrat Marko Köhler nun die Sitzung des Kreistags kurzfristig ins Kulturhaus Locktow verlegt. Für die Grünen im Ortsverband Stahnsdorf ist dies ein inakzeptabler politischer Schachzug. Die Verlegung der Sitzung wird als gezielter Versuch gewertet, der angekündigten Protestaktion der betroffenen Familienzentren und Bürgern aus dem Weg zu gehen“, so der Ortverbands Bündnis 90/Die Grünen Stahnsdorf.
„Es ist ein alarmierendes Signal, wenn die Kreisspitze die Sitzung kurzerhand verlegt, anstatt sich dem Unmut und den Sorgen der Menschen zu stellen“, erklärt Eric Schollbach, Sprecher des Ortsverbandes
Stahnsdorf. „Wer den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern sucht, wie es in der Mitteilung des Landrats
heißt, verlegt nicht die Sitzung, um einer lautstarken Protestaktion auszuweichen. Das ist kein
Dialogangebot, sondern ein strategischer Rückzug vor der Kritik.“
Besonders betroffen ist in Stahnsdorf das Jugend- und Familienzentrum „ClaB“ des EJF. Familienzentren leisten essenzielle Arbeit in der Prävention, im Kinderschutz und bei den Frühen
Hilfen. Sie sind niedrigschwellige Anlaufstellen, die für viele Familien die einzige Brücke zu
Unterstützungssystemen bilden. „Wir sprechen hier nicht über kleine Einsparungen, sondern über
eine systematische Aushöhlung der öffentlichen Daseinsvorsorge“, ergänzt Pia Reinhard,
Sprecherin des Ortsverbandes. „Stellenkürzungen von bis zu 70 Prozent bedeuten in der Praxis
das Ende von Familiencafés, Eltern-Kind-Angeboten und wichtigen Beratungsleistungen. Es ist
verantwortungslos, in Zeiten von steigendem Bedarf in der Familienbildung so massiv zu sparen.
Wir fordern den Kreistag auf, die Finanzierung auf dem Niveau von 2026 zu erhalten.“
Trotz der Verlegung werden wollen Grünen und die betroffenen Familienzentren weiterhin lautstark
gegen die Kürzungen demonstrieren. Die politische Verantwortung für die soziale Stabilität im
Landkreis Potsdam-Mittelmark dürfe nicht durch räumliche Distanzierung vom Protest
weggewischt werden.
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