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„Wenn etwas passiert, kommt jemand“ – 150 Jahre Feuerwehr Treuenbrietzen

150 Jahre Freiwillige Feuerwehr Treuenbrietzen, Gäste und Einsatzkräfte aus ganz Brandenburg und eine besondere Ehrung: Mit einem großen Fest hat die Treuenbrietzener Ortsfeuerwehr am 19. September, ihr Jubiläum gefeiert. Zu den Gratulanten gehörten Brandenburgs Innenminister Dr. Jan Redmann und Landrat Marko Köhler.

Der Festtag mit Fahrzeugumzug, Rettermeile, Technikschau und zahlreichen Vorführungen zeigte dabei nicht nur 150 Jahre Feuerwehrgeschichte, sondern auch die enorme Bandbreite moderner Gefahrenabwehr.

Für eine Überraschung beim Festakt sorgte Innenminister Redmann: Er zeichnete die 68-jährige Feuerwehrfrau Marina Steinhaus, die seit mehr als 50 Jahren der Feuerwehr angehört und sich unter anderem um die Versorgung der Einsatzkräfte kümmert, mit der Fontane-Medaille des Landes Brandenburg für besonderes ehrenamtliches Engagement aus.

Landrat Marko Köhler stellte in seinem Grußwort vor allem die Menschen in den Mittelpunkt, die seit Generationen freiwillig Verantwortung übernehmen. „Die Technik ist heute eine völlig andere als bei der Gründung 1876. Aber der entscheidende Punkt ist derselbe geblieben: Menschen stehen nachts auf, verlassen ihre Familien und fahren zum Gerätehaus, wenn andere Hilfe brauchen“, sagte Köhler. „Der Satz, auf den wir uns verlassen, lautet bis heute: Wenn etwas passiert, kommt jemand. Das klingt selbstverständlich. Es ist aber alles andere als selbstverständlich.“

Wie stark die Feuerwehr gefordert ist, zeigt allein das laufende Jahr. Ortswehrführer Philip Schega berichtete beim Jubiläum von bereits 117 Einsätzen im Jahr 2026. Hinzu kamen in den vergangenen Jahren außergewöhnliche Großschadenslagen.

2018 zerstörte ein Waldbrand bei Treuenbrietzen rund 400 Hektar Wald; mehrere Orte mussten evakuiert werden. 2022 brannten erneut große Waldflächen. Im Juli 2025 waren bei einem weiteren Waldbrand nahe Frohnsdorf zeitweise rund 200 Einsatzkräfte im Einsatz. Wegen der Kampfmittelbelastung des Gebietes musste teilweise ferngesteuerte Löschtechnik eingesetzt werden.

Auch 2026 verlangte den Feuerwehrleuten außergewöhnlich viel ab. Ende Mai und erneut im Juni brannten Hallen auf dem Gelände des ehemaligen Fahrzeugwerks am Hans-Grade-Weg. Zeitweise waren weit über hundert Einsatzkräfte aus Treuenbrietzen und weiteren Kommunen im Einsatz. Der Landkreis unterstützte unter anderem mit Katastrophenschutztechnik und mobiler Löschwasserversorgung. „Wer hier Feuerwehrdienst leistet, weiß deshalb sehr genau, was Ehrenamt unter Extrembedingungen bedeutet“, betonte Köhler. „Gute Ausstattung, gute Ausbildung und Nachwuchsarbeit sind keine Extras. Sie entscheiden darüber, ob unsere Feuerwehren auch künftig schnell und sicher helfen können.“

Dass die nächste Generation bereitsteht, gehört zu den guten Nachrichten des Jubiläums. In der Treuenbrietzener Ortswehr engagieren sich derzeit 27 Kinder und Jugendliche. Fast die Hälfte davon sind Mädchen.

Zugleich machte Ortswehrführer Schega deutlich, dass die hohe Zahl und zunehmende Komplexität der Einsätze weitere Investitionen in Fahrzeuge und Technik erforderlich machen. Ein wichtiges Projekt ist bereits auf dem Weg: Für Treuenbrietzen ist eine neue Drehleiter im Wert von rund 1,2 Millionen Euro bestellt. Stadt und Land teilen sich die Finanzierung.

Die Feuerwehr der Stadt Treuenbrietzen umfasst insgesamt einen Löschzug und 13 Löschgruppen mit rund 250 Kameradinnen und Kameraden in der Einsatzabteilung. Im langjährigen Durchschnitt bewältigt sie etwa 120 Einsätze pro Jahr. Köhler dankte neben den aktiven Feuerwehrleuten ausdrücklich auch den Familien und Angehörigen: „Freiwillige Feuerwehr funktioniert nur, weil viele Menschen dieses Ehrenamt gemeinsam tragen. Wenn nachts der Melder geht, steht meistens nicht nur einer früher auf.“

Die Freiwillige Feuerwehr Treuenbrietzen wurde 1876 gegründet – zu einer Zeit, als die Stadt noch weder über elektrisches Licht noch über eine öffentliche Wasserleitung verfügte. 150 Jahre später hat sich die Technik grundlegend verändert. Geblieben ist der Grundgedanke, den Köhler beim Jubiläum hervorhob: „Wenn jemand Hilfe braucht, gehen wir hin. Gemeinsam.“

Fotos: Landkreis Potsdam-Mittelmark