Sommerparadies vor der Haustür – Das Freibad Kiebitzberge
50 Jahre Badespaß, 50 Jahre Sommergeschichte: Am 9. Mai feierte das Freibad Kiebitzberge Jubiläum. Seit einem halben Jahrhundert gehört es zu den festen Größen des Sommers – Grund genug für einen Besuch!
Anja Günther empfängt uns. Sie ist seit 2014 Teil des Teams und kennt die Anlage in allen Bereichen. Bis zur Neubesetzung der Geschäftsführung übernimmt die Prokuristin vertretungsweise die Leitung. Heute ist es relativ ruhig, aber wie hoch ist die Frequenz im Schnitt? Anja Günther: „Das ist schwer zu beantworten. Ein guter Schnitt wären täglich etwa 1.000 Gäste, das ist so im normalen Betrieb. Wenn das Wetter so wie heute ist, ist es eher die Hälfte. Maximal hatten wir auch schon 5.000 Gäste am Tag. Dann müssen wir eventuell einen Einlassstopp verhängen.“ Aber das hänge auch davon ab, wie viel Rettungsschwimmer und sonstiges Personal zur Verfügung stehen. „Wir haben einen Pool an Rettungsschwimmern, die uns für solche Fälle zur Verfügung stehen“, fährt sie fort. Doch leider sind Rettungsschwimmer rar. Darunter seien viele Studenten, die sich damit in den Semesterferien Geld verdienen. An einem richtig vollen Tag sollten es sechs bis acht Rettungsschwimmer sein, die darauf achten, dass alle Vorschriften eingehalten werden. Letztes Jahr habe man leider aufgrund des relativ kalten Sommers statt der üblichen 120.000 Gäste nur 80.000 gehabt.
Fest angestellt sind zurzeit zehn Mitarbeitende, davon drei Techniker und drei Schwimmmeister. Diese sind ganzjährig beschäftigt: Im Winter – von Oktober bis April – kümmern sie sich um die Sauna, in der Badesaison von Mai bis September arbeiten sie draußen. „Leider können wir die Saunen momentan nicht parallel zum Badebetrieb öffnen“, bedauert die Prokuristin. „Dazu fehlt uns leider sowohl das Personal als auch das Geld.“

Überhaupt, das Geld! Wie alle Freibäder schreibt auch dieses jedes Jahr Verluste. „Zum Glück wurde unser Bad bis 2018 komplett saniert, damit haben wir keinen großen Sanierungsstau und sind, was das betrifft, erst einmal entspannt“, erzählt sie. „Aber den Kommunen Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf, die das Bad gemeinsam betreiben, war schon immer klar, dass das ein Zuschussgeschäft ist.“ Deshalb sei die
Geschäftsführung von den Bürgermeistern aufgefordert, Ideen zu entwickeln, um zusätzliche Einnahmen zu generieren, um den Verlust zu minimieren. Eine mögliche zukünftige Maßnahme wäre die Investition in Solarthermie, die perspektivisch zu einer deutlichen Reduzierung der Energiekosten beitragen kann.
Jeder kann schwimmen, schwimmen lernen oder Defizite ausgleichen
Ab Mitte Juni finden Schwimmkurse statt, vom Seepferdchen bis hin zu den Schwimmabzeichen Bronze, Silber, Gold und Erwachsenenschwimmkurse. Der Schwimmlehrer Gordon Juhr erteilt seit vielen Jahren den Unterricht. Er ist spezialisiert auf die Verbesserung der Schwimmtechnik in allen Schwimmarten. Persönlich kann Juhr auf viele sportliche Erfolge zurückblicken. Unter anderem ist er mehrmaliger Deutscher Meister der Schwimmmeister, erfolgreicher Triathlet und Ausdauersportler. Darüber hinaus wird das Becken auch Schulen zur Verfügung gestellt, zum einen für die Kleinen aus den dritten Klassen, die hier schwimmen lernen, aber auch für den regulären Sportunterricht der 7. Klassen einiger Schulen. Zu unserem Erstaunen erzählt Anja Günther, dass auch in dieser Altersstufe noch nicht alle schwimmen können oder sich noch auf Seepferdchen-Niveau befinden. „Zum Teil wird auch das aufgefangen, was in den dritten Klassen in der Corona-Zeit nicht stattfinden konnte“, berichtet sie. „Aber für die meisten ist das einfach vor den Sommerferien ein netter Ausklang des vergangenen Schuljahres!“

Auch für das leibliche Wohl ist gesorg
Sowohl der Imbiss als auch das angegliederte Restaurant „La Piscina“ wurden im Oktober letzten Jahres neu eröffnet, und damit fegte frischer Wind in die Gastronomie. Statt der etwas angestaubten böhmischen Küche bekommt man im Restaurant jetzt knusprige Steinofenpizza, hausgemachte Tagliatelle, frische Salate und feine Fisch- und Fleischgerichte. Bei schönem Wetter sitzt der Besucher auf der Terrasse und hat einen herrlichen Blick ins Grüne und aufs Wasser. Die italienische Gastwirtfamilie betreibt auch den Imbissstand, der noch mit zwei portablen Imbisswagen auf dem großen Gelände zu finden ist, damit es für Eis und Pommes nicht so weit ist.
Schon zu DDR-Zeiten Anziehungspunkt für die gesamte Region
Das Schwimmbad wurde am 15. Mai 1976 eröffnet. Seit dem 01. Mai 2013 wird es als GmbH gemeinsam von Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf betrieben. Aber die Geschichte beginnt schon viel früher, 1968 mit einer „Standortberatung für das Vorhaben Sport – und – Erholungszentrum Teltow – Stahnsdorf – Kleinmachnow“. In den Kiebitzbergen soll ein Sport- und Erholungszentrum entstehen.


Nach einer langen Planungsphase, in der vor allem das geschätzte Investitionsvolumen von 5,3 Millionen Mark gesichert werden musste, konnte im Winter 1973 endlich mit dem Bau begonnen werden und am 15. Mai 1976 feierlich den Badefreudigen übergeben werden. Entstanden waren ein wettbewerbstaugliches Schwimmbecken einschließlich Sprungturm und -becken, ein Nichtschwimmerbecken, ein Planschbecken, Liegewiese, Spielplätze für Kinder, Volleyball, Tischtennis und Schach. Dazu auch ein Saunabereich, die Sanitär- und die Umkleideräume, eine eigene Wasserversorgung über Tiefbrunnen und der Technikbereich zur Wasseraufbereitung. Ab 1983 wurden Wärmepumpen eingesetzt, um das Wasser im Becken auf 24°C zu halten, und eine Badabdeckung in der Nacht verhinderte größere Wärmeverluste. Beide Maßnahmen waren eine sensationelle Neuerung im DDR-Maßstab. Für den „Objektleiter“, wie er damals hieß, wurde auf dem Gelände ein kleines Wohnhaus errichtet, sodass er Tag und Nacht präsent war. Noch heute wohnt dort einer der ehemaligen Schwimmmeister, mittlerweile berentet und zu gängigen Mietkonditionen.

Mit der „Wende“ 1989 änderte sich auch für das Freibad grundsätzlich alles. Eigentümer wurde nun die Gemeinde Kleinmachnow, welche die finanzielle Belastung allein schultern musste.
Ab 1991 übernahm zunächst die Sportstätten GmbH Kleinmachnow als 100-prozentige Tochter der Gemeinde den Betrieb, später wurde die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft Kleinmachnow (GeWoG) der Betreiber. Allerdings war das Geld für Erhaltungs- und Sanierungskosten so knapp, dass sogar erwogen wurde, das Bad zu schließen. Als dieser Gedanke bekannt wurde, traten die Bürger auf den Plan. Mehr als 7.600 Unterschriften wurden gesammelt und parallel hierzu der Verein zur Förderung und zum Erhalt des Freibades Kiebitzberge gegründet und mündete in die heutige GmbH.
Es begann ein beispielloser Erneuerungsprozess: Von 2014 bis 2016 wurden die Sanitäranlagen und Umkleiden in Saunabereich rundum erneuert, es folgte 2017 die komplette Sanierung des Sport-, Nichtschwimmer- und Planschbeckens inklusive moderner Wasseraufbereitung. Heute ist das Freibad eine moderne Freizeitoase, die sich den Charme ihrer Entstehungszeit bewahrt hat.

der Saunabereich laden zum Verweilen ein.
Familienbad mit entspannter Atmosphäre
Nach unserem Gespräch drehen wir mit Anja Günther noch eine Runde über das weitläufige Gelände. Alles ist tipptopp in Schuss: gepflegter Rasen umrahmt von Hecken und Sträuchern, nirgends Müll, sanierte Dusch- und Sanitärräume! Das Wasser im 50-Meter-Sportbecken, im großen Nichtschwimmerbecken und im Babybecken glitzert in der Sonne. Ein bisschen Retro ist auch dabei: Deutlich erkennbar sind einige Bauelemente aus der Entstehungszeit, was diesem Ort einen besonderen Charme verleiht. Es gibt auch keine Online-Tickets. Stattdessen kauft man sich die Karte „wie früher“ an der Kasse. Kaum zu glauben, dass dieser idyllische Ort keine zwei Kilometer von der Berliner Stadtgrenze entfernt ist. Zum Schluss fragen wir die Prokuristin, ob es Probleme mit Gewalt gebe. Sie antwortet mit einem klaren Nein. Ausnahmsweise komme es manchmal an sehr heißen Tagen zu Problemen, wenn verschiedene Jugendgruppen aufeinandertreffen. Aber die Schwimmmeister haben alle eine gute Ausbildung und setzen die Regeln konsequent durch bis hin zum Hausverbot. „Damit sind und bleiben wir ein Familienbad. Mit unserer relativ preiswerten Familienkarte können diese hier einen ganzen Tag verweilen, ohne Stress und begrenzten Time-Slot!“
Da in den nächsten Jahren einige Mitarbeiter in Rente gehen, wird dringend Nachwuchs im Badebetrieb und in der Technik gesucht. Anja Günther freut sich über Bewerbungen, vor allem von Fachangestellten für Bäderbetriebe und Rettungsschwimmern.
Fotos: Elisabeth Kaufmann
