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Abou-Chaker-Clan: Razzia in Kleinmachnow

Ermittler haben am Mittwoch insgesamt 18 Objekte des Abou-Chaker-Clans in Berlin, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen durchsucht. Durchsucht wurde auch das frühere Seemannserholungsheim in Kleinmachnow, ehemaliger Wohnsitz des Rappers Bushido.

Clan-Chef Arafat Abou-Chaker stand am gestrigen Mittwoch erneut im Zentrum einer Razzia. Die Polizei durchsuchte sein Anwesen in Kleinmachnow, das frühere Seemannserholungsheim am Zehlendorfer Damm. Zudem nahmen Beamte in Berlin ein Objekt in Neukölln unter die Lupe. Die Ermittlungen wurden indessen von der Polizei im nordrhein-westfälischen Recklinghausen durchgeführt; für das Verfahren ist die Staatsanwaltschaft Bochum zuständig. Beide meldeten am Mittwochnachmittag die Festnahme eines „zweiten Tatverdächtigen nach Vergewaltigung und Raub“. Einer der Verdächtigen gehört dem Abou-Chaker-Clan an; es soll sich um einen Sohn des Clan-Chefs handeln. Er soll zusammen mit Komplizen eine Sexarbeiterin überfallen, ausgeraubt und vergewaltigt haben.

Die Tat im Rotlichtmilieu hatte sich bereits am 23 September im nordrhein-westfälischen Recklinghausen zugetragen: Drei Männer sollen sich Zugang zur Wohnung einer Sexarbeiterin verschafft und von ihr Geld gefordert haben. Einer der drei Beteiligten soll sich zudem an ihr vergangen haben. Nach den Hilferufen einer kurz zuvor geflohenen Mitbewohnerin riefen Zeugen die Polizei; bei deren Eintreffen war das Trio bereits mit dem erbeuteten Bargeld geflüchtet. Ein tatverdächtiger 18-Jähriger konnte jedoch nach wenigen Tagen in Recklinghausen festgenommen werden. Nach den anderen Tätern wurde seitdem gefahndet.

Die Polizei in Recklinghausen hatte für den Fall anschließend eine Ermittlungskommission gegründet. Diese fand Hinweise auf einen zweiten Tatverdächtigen: einen 19-Jährigen aus Oer-Erkenschwick, vermutlich ein Sohn von Clan-Chef Arafat Abou-Chaker. Nach Erteilung des Haftbefehls durch die Bochumer Staatsanwaltschaft schlugen die Ermittler zu.

Beteiligt waren Ermittler und Spezialeinheiten aus Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Berlin. In der Kleinmachnower Villa wurden Beweismittel sichergestellt; dort war auch der Verdächtige vermutet wurden. Dieser wurde in einem Objekt in Berlin-Neukölln festgenommen. Im Verfahren geht es auch um den Vorwurf der Bedrohung: Es wird befürchtet, dass das Opfer infolge einer Bedrohung die Aussage verweigern könnte. Laut Medien – zuerst hatte die B.Z. darüber berichtet – soll Clan-Chef Arafat Abou-Chaker die überfallenen Frauen eingeschüchtert haben.

Früheres Anwesen von Skandal-Rapper Bushido

Das 1910 errichtete und unter Denkmalschutz stehende Gebäude wurde im Herbst 2011 gemeinsam durch Arafat Abou-Chaker und den Rapper Anis Ferchichi erworben, besser bekannt unter seinem Pseudonym Bushido. Beide waren jahrelang Geschäftspartner und Freunde. Mit den Nachbarn und der Denkmalschutzbehörde hatte es wegen der Villa des öfteren Konflikte gegeben. So hatte Ferchichi historische Mauern und einen Torbogen abreißen lassen. Nach einem durch den Landkreis Potsdam-Mittelmark verfügten Baustopp auf dem Areal ließ der Rapper jedoch Teile der Mauer und den Eingang originalgetreu rekonstruieren. Auch wegen des Baus von Swimmingpools und abgeholzter Bäume kam es zum Streit. Ferchichi hatte infolgedessen über eine „Hetzjagd“ und von von einer „Stasi-Gemeinde“ gesprochen.

Ferchichi und Arafat Abou-Chaker lebten zeitweise gemeinsam auf dem Grundstück, doch 2018 kam es zum Bruch: Ferichi wollte sich von Abou-Chaker lossagen – dieser soll sich zunehmend in das Privatleben des Rappers eingemischt haben. Bushido und dessen Familie erhielten zwischenzeitlich Polizeischutz. Höhepunkt des Konflikts war 2019 die Festnahme des Clan-Chefs, der geplant haben soll, Frau und Kinder des Rappers zu entführen. Der Haftbefehl wurde jedoch wieder aufgehoben. Ferchichi lebt nicht mehr in dem Anwesen. Zwischenzeitlich hatte er sich nach Medienberichten dem Remmo-Clan zugewandt, der den Abou-Chakers rivalisierend gegenübersteht: Clanmitglied und Musik-Manager Ashraf Remmo übernahm bis zu dessen Wechsel zum Schweizer Label iGroove das Management Ferichis. Andere Rapper werfen Ferichi ihrerseits vor, mit der Polizei zusammenzuarbeiten. Infolge des Zerwürfnisses mit dem Abou-Chaker-Clan erhielt Ferchichi Personenschutz. ph