Brandenburg erinnert an die Opfer von Mauerbau und deutscher Teilung
65 Jahre nach dem Mauerbau haben der Landtag Brandenburg, die Landesregierung, die Beauftragte des Landes zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur und die ausrichtende Gemeinde Schönefeld gemeinsam der Opfer der deutschen Teilung und des DDR-Grenzregimes gedacht.
Im Mittelpunkt des Gedenkens stand die Erinnerung an die Menschen, deren Leben durch die Abriegelung der Grenze am 13. August 1961 verändert wurde sowie an diejenigen, die bei Fluchtversuchen oder an den Grenzanlagen ihr Leben verloren. Vor 65 Jahren riegelte die DDR die Grenze zu den Westsektoren Berlins ab. Familien wurden auseinandergerissen, Freundschaften und berufliche Verbindungen unterbrochen, Lebenspläne von einem Tag auf den anderen zunichtegemacht. Die Mauer und das Grenzregime wurden zum sichtbaren Symbol der deutschen Teilung und der Unfreiheit in der DDR. Bis zum Fall der Mauer im November 1989 infolge der Friedlichen Revolution starben mindestens 140 Menschen nach Fluchtversuchen oder bei anderen Zwischenfällen an den Sperranlagen in und um Berlin. An der gesamten innerdeutschen Grenze kamen mehrere hundert Menschen ums Leben.
Landtagspräsidentin Prof. Dr. Ulrike Liedtke hielt die Gedenkrede bei der öffentlichen Veranstaltung in Schönefeld. Die Beauftragte des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur, Dr. Maria Nooke, informierte im Rahmen einer dokumentarischen Lesung über die Grenzsituation sowie exemplarisch den Tod von Eberhard Schulz an der Berliner Mauer. Nach einem gemeinsamen Gang zur für ihn errichteten Erinnerungsstele sprach der stellvertretende Ministerpräsident des Landes Brandenburg und Minister des Innern und für Kommunales, Dr. Jan Redmann, Worte des Gedenkens und legte gemeinsam mit der Landtagspräsidentin, der Aufarbeitungsbeauftragten sowie dem Bürgermeister der Gemeinde Schönefeld, Christan Hentschel, Kränze im Gedenken an die Opfer nieder. Der Gang zur Stele wurde durch eine Installation mit den Namen der 140 Menschen, die infolge des DDR-Regimes an der Berliner Mauer gestorben sind, begleitet. Für den musikalischen Rahmen bei der zentralen Gedenkveranstaltung sorgte das Ensemble Orbis Quartett.
In ihrer Rede sagte Landtagspräsidentin Prof. Dr. Ulrike Liedtke: „Die Muster unserer Wirklichkeit, die wir in den historischen Signaturen des 13. August erkennen, sind dringlich wie ein Spiegel. Noch nie seit der Friedlichen Revolution und dem Fall der Mauer wurde Freiheit so selbstverständlich gelebt und ist gleichzeitig so bedroht wie heute. Welche Verbesserungen braucht der Osten, welche der ländliche Raum, damit sich Menschen ernst genommen fühlen und mitgestalten? Die Fragen liegen alle in der Luft, wir dürfen sie nicht ignorieren, nichts damit abtun, dass nun mal eben alle Reformen auf einmal kommen. Menschen mögen Veränderungen nur in kleinen Portionen. Es reicht also nicht, über den Schutz der Demokratie zu sprechen. Ihre aktuelle Umsetzung führt zu Protest. Letztlich stellt sich immer die Frage nach Gerechtigkeit. Wir brauchen Antworten. Mauer, Stacheldraht, Todesstreifen sind doch noch als untaugliche und menschenverachtende Mittel im Kopf; niemand will Diktatur. Demokratie bleibt das große Ziel, Freiheit und Gerechtigkeit, erreichbar täglich, wenn wir es wollen.“
Minister Dr. Jan Redmann betonte: „Wir erinnern heute an den Tag des Mauerbaus und gedenken der Menschen, die – wie Eberhard Schulz – auf tragische Weise durch diese Mauer ihr Leben verloren. Menschen, die auf der Suche nach Freiheit ermordet wurden. Wir müssen daran erinnern – auch vor dem Hintergrund, dass DDR-Geschichte wieder relativiert wird: Die DDR-Hymne wird öffentlich angestimmt und in manchem Garten wehen Hammer, Zirkel und Ährenkranz. Das ist vollkommen inakzeptabel. Die DDR war ein Staat, der seine Macht durch Kontrolle, Überwachung und Repressionen absicherte und vielen Menschen ein Leben in politischer und persönlicher Freiheit verwehrte. Die DDR war kein freiheitlicher Rechtsstaat, sondern ein autoritäres System, das die Rechte seiner Bürgerinnen und Bürger vielfach verletzte und auch nicht davor zurückschreckte, auf diese zu schießen. Gedenkveranstaltungen wie die heutige sind daher alles andere als bloße Zeremonien. Sie erinnern uns daran, dass unsere freiheitliche demokratische Grundordnung nicht selbstverständlich ist. Sie muss geschützt werden – nicht zuletzt, weil Menschen in der DDR für eine solche Freiheit mit dem Leben bezahlten.“
Aufarbeitungsbeauftragte Dr. Maria Nooke machte deutlich: „Die Berliner Mauer war mehr als Stacheldraht und Beton. Sie war das sichtbare Eingeständnis der SED, dass sie nur mit Einschränkung der Freiheit, mit Zwang, Überwachung und Repression ihre Macht sichern konnte. Wer sich dem System widersetzte, wurde mit allen Mitteln bekämpft, an der Mauer auch unter Einsatz der Schusswaffe. Deshalb gedenken wir an diesem 13. August der Menschen, deren Leben an der Grenze ausgelöscht wurde, weil ihr Freiheitswille größer war als die Angst. Wir erinnern an diejenigen, die bei einem Fluchtversuch an Leib und Seele verletzt wurden, an das Leid der zerrissenen Familien, an die Menschen, die durch Zwangsaussiedlung ihre Heimat verloren haben und an die vielen, deren Lebensperspektive durch die Teilung zerstört wurde. Der Wunsch nach Freiheit hat über die Teilung gesiegt. Es gilt deshalb, diesen Sieg der Freiheit wach zu halten, aber auch an das geschehene Unrecht zu erinnern.“
Schönefelds Bürgermeister Christian Hentschel sagte: „Ich bin als Neuköllner Junge nur 500 Meter von der Mauer entfernt aufgewachsen. Als Kind konnte ich sie auf der West-Berliner Seite anfassen – auf der anderen Seite war das lebensgefährlich. Heute weiß ich, was diese Grenze für die Menschen bedeutet hat: Sie hat Familien getrennt, Lebenswege zerstört und Freiheit mit Gewalt eingeschränkt. Dass wir heute hier stehen und gemeinsam erinnern können, ist ein großes Glück. Ich wünsche mir, dass wir in Deutschland nie wieder erleben müssen, dass eine Mauer Menschen voneinander trennt.“
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