Warten auf den Facharzttermin – Volle Praxen, lange Wartezeiten – was tun?
Laut einer Umfrage des GKV-Spitzenverbands wartet jeder vierte Patient in Deutschland mehr als 30 Tage auf einen Facharzttermin, jeder zehnte sogar mehr als drei Monate. Viele Patienten haben in unserer Region die Erfahrung gemacht, dass es immer schwieriger wird, eine zeitnahe Behandlung zu bekommen. Immer wieder wird von Problemen bei der Erreichbarkeit von Praxen oder der Aufnahme von Neupatienten berichtet. Hat man endlich einen Termin ergattert, findet man ein volles Wartezimmer vor. Welche Lösungen wären in Sicht, um die Situation zu verbessern?
Region. Dass unser Gesundheitssystem – das teuerste in Europa, das drittteuerste weltweit – verbesserungswürdig ist, steht fest: Nicht umsonst hat die Bundesregierung eine überfällige Gesundheitsreform auf den Weg gebracht, die allerdings von vielen Seiten Kritik erfährt. In erster Linie geht es um Kosteneinsparungen, die manchen nicht weit genug gehen, anderen zufolge die Betroffenen zu stark belasten würden. Aufgrund der Vielzahl an Beteiligten – Ärzten, Krankenkassen, Pharmaindustrie, Krankenhäusern und nicht zuletzt Patienten – dürfte es schwer werden, alle gleichermaßen zufriedenzustellen, zumal auch die politischen Lösungsansätze diametral verschieden sind. Aus Patientensicht wird vordringlich über Probleme geklagt, einen Arzttermin zu bekommen, und diese verschärfen sich: Bekamen gesetzlich Versicherte 2019 im Schnitt nach 33 Tagen einen Facharzttermin, so waren es 2024 schon ganze 42 Tage, Tendenz steigend.
Dabei gibt es seit 2019 ein Terminservicegesetz, das neue Überweisungsregelungen bei Dringlichkeit sowie einen Terminvermittlungsservice für gesetzlich Versicherte vorsieht. Wie das in der Praxis funktioniert, hat der Bundesrechnungshof geprüft. Ergebnis: Trotz hoher Mehrkosten ist im Durchschnitt die Wartezeit für Patienten nicht gesunken, sondern sogar gestiegen. Was die Terminbuchung eigentlich vereinfachen sollte, hat sich als kaum geeignetes beziehungsweise wenig wirksames Mittel erwiesen. Dabei war die Idee anfangs überzeugend: Als Patient kontaktiert man den Service täglich rund um die Uhr über die bundeseinheitliche Nummer 116 117, über ein Onlineportal (https://www.eterminservice.de) oder über die App 116117. So erreicht man den Terminbuchungsservice und den ärztlichen Bereitschaftsdienst – nicht jedoch im
medizinischen Notfall oder in lebensbedrohlichen Situationen, dafür wählt man die 112. Die Terminvermittlung hilft nicht in allen Fällen, sondern nur dann, wenn der Hausarzt im Dringlichkeitsfall einen Vermittlungscode ausgestellt hat. Hat man diesen Code nicht, ist die Buchung nur für Fachrichtungen möglich, für die man keine Überweisung benötigt: Hausarzt, Kinderarzt, Augenarzt, Frauenarzt, Psychotherapeut. Und einen weiteren Haken gibt es noch: Der Patientenservice vermittelt keine Wunschtermine bei einem bestimmten Arzt, sondern nur im Rahmen einer Umkreissuche, die von der Kassenärztlichen Vereinigung festgelegt wird. Dabei gelten Fahrzeiten von teils bis zu einer Stunde mehr als bis zum nächstgelegenen Facharzt als zumutbar – gerade für ältere oder behinderte Personen sowie diejenigen, die in ländlichen Regionen mit schlechter ÖPNV-Anbindung wohnen und kein Auto haben, ein großes Hindernis. Noch ein Problem: Der Termin kann bis zu vier Wochen in der Zukunft liegen, und für Routineuntersuchungen oder Bagatellerkrankungen steht der Vermittlungsdienst ohnehin nicht zur Verfügung. Anders als vom Gesetzgeber beabsichtigt, hat sich mittlerweile auch eine weitere Schwierigkeit aufgetan: Viele Fachärzte akzeptieren Patienten nur noch dann, wenn sie einen Dringlichkeitscode haben, weil sie dafür einen Honorarzuschlag erhalten. Dies verärgert wiederum die Hausärzte, für die diese Regelung einen Mehraufwand bedeutet. Und nicht zuletzt fühlen sich diese von den Patienten unter Druck gesetzt, die unbedingt eine Dringlichkeit bescheinigt haben möchten – wobei manche sogar offen mit schlechten Bewertungen, Arztwechsel oder Klage drohen. Das ist bitter, zumal der Spitzenverband Fachärztinnen und Fachärzte Deutschlands (SpiFa) selbst zugibt: „Dringlichkeitscodes und Vermittlungsverfahren sind Instrumente zur Priorisierung innerhalb bestehender Kapazitäten – sie schaffen jedoch keine zusätzlichen Behandlungszeiten.“ Laut Koalitionsvertrag sollten die Missstände bereits abgeschafft sein, unter anderem durch ein Primärarztsystem, bei dem der Hausarzt die erste Anlaufstelle ist, aber bisher wurde das nicht umgesetzt. Dieses könnte u. a. verhindern, dass Patienten allein eine Facharzttournee durchlaufen, ohne über Zuständigkeiten Bescheid zu wissen, und dadurch die Praxen überlasten.

42 Tage. Zum Vergleich: 2019 waren es 33 Tage.
Und das führt uns zum nächsten Problem, dem Fachärztemangel. Abgesehen davon, dass nicht genug Fachärzte ausgebildet werden, wollen immer weniger das finanzielle Risiko eingehen, das mit dem Führen einer eigenen Praxis verbunden ist, auch der bürokratische Aufwand hat zugenommen. Dadurch finden ältere Fachärzte keine Nachfolger. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, sieht laut eines Talkshowbeitrags einen Grund darin, dass das System falsche Anreize setzt und es in der gesetzlichen Krankenversicherung Budgetgrenzen gibt: „Ärzte bekommen nicht jede Leistung bezahlt.“ Danach behandeln sie Patienten teilweise ohne zusätzliche Vergütung. „Sie kriegen für weitere Patienten, die gesetzlich versichert sind, kein Honorar mehr.“ Daher freuen sich Ärzte über Privatpatienten, für die diese Einschränkungen nicht gelten – oft genug die einzige Möglichkeit, die Praxis durch Gegenfinanzierung wirtschaftlich zu betreiben. Dass diese schneller einen Facharzttermin bekommen, ist aber laut eigener Recherche in unserer Region kaum der Fall – wobei es einige wenige Praxen gibt, die prinzipiell keine Kassenpatienten annehmen. Fakt ist, dass manche der örtlichen Praxen überlaufen sind, volle Wartezimmer sind dort an der Tagesordnung, was nicht zuletzt am zunehmenden Anteil älterer Patienten liegt. Es gibt orthopädische Praxen, bei denen die Leute am Tag der offenen Sprechstunde (seit 2019 Pflicht) schon vor der Öffnung stundenlang Schlange stehen, es gibt aber auch Ärzte, die ein hervorragendes Termin- und Praxismanagement führen und bei denen Wartezeiten von maximal einer halben Stunde die Regel sind. Ein Blick in die Onlinebewertungen der Ärzte kann hier hilfreich sein, oft geht daraus nämlich hervor, wie es in der Praxis abläuft.

als üblich, zumutbar und rechtlich vertretbar.
Onlineportale wie z. B. Doctolib oder Jameda sind nützlich, wenn man einen Facharzttermin braucht, denn dort werden lokale Ärzte ausgewiesen, bei denen man zeitnah Termine buchen kann. Leider haben viele Leute diese Möglichkeit noch nicht entdeckt: Der überwiegende Teil der Patienten vereinbart Arzttermine laut Umfrage immer noch persönlich oder telefonisch, bei Hausärzten sind das 59 Prozent, bei Fachärzten 65 Prozent, und rund 20 Prozent der über 65-Jährigen haben noch nicht mal einen digitalen Zugang. Es besteht also ein großer Nachholbedarf bei der Nutzung der vorhandenen Terminbuchungsmöglichkeiten, zumal ja auch viele Ärzte in der Region selbst die Buchung auf ihren Webseiten anbieten. Was man ebenfalls bedenken sollte: Ist nur ein Selbstzahlertermin buchbar, könnte dieser durchaus infrage kommen, denn die Honorare sind nicht überall unbezahlbar, und man bekommt schnell Hilfe oder Gewissheit. (Eigene Erfahrung: Termin am nächsten Tag, kleine Operation ambulant beim Hautarzt unter 100 Euro.) Oft sind übrigens freie Termine bei Berliner Ärzten zu finden, wenn die Kollegen in unserer Region ausgebucht sind, und diese wären auch mit dem ÖPNV erreichbar.
Und zu guter Letzt könnte ein Blick in den kostenlosen Gesundheitswegweiser 2026, der online einsehbar ist und überall in der Region ausliegt, bei der Arztsuche helfen. Schließlich gibt es in TKS – besser als in ländlicheren Regionen – viele Arztpraxen und daher die Chance, doch irgendwo einen freien Termin zu ergattern. (Fun Fact: Kleinmachnow hat in der Region TKS die beste Facharztquote, aber auch die älteste Bevölkerung mit dem höchsten Einkommen.)
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