„Ich bin gerne nah am Menschen“ – 16 Jahre Engagement für Teltow
Nach 16 Jahren verabschiedet sich Beate Rietz als Erste Beigeordnete aus dem Teltower Rathaus. Zum Abschied besuchen wir sie in ihrem Büro, wo sie uns noch einmal an ihrem Werdegang und ihrem langjährigen Engagement für die Stadt Teltow teilhaben lässt.
Beate Rietz wurde 1965 in Pinneberg bei Hamburg geboren und wuchs in Kiel-Holtenau auf, einem Stadtteil, der von Wasser umgeben ist, da dort der Nord-Ostsee-Kanal in die Kieler Förde mündet. Holtenau selbst ist für die imposante Schleusenanlage des Nord-Ostsee-Kanals in der Schifffahrt weltbekannt. Nach dem Abitur studierte sie zunächst Italienisch, Spanisch sowie Kunstgeschichte in Kiel, endschied sich dann aber für Rechtswissenschaften an der Freien Universität Berlin. Nach dem Ersten und Zweiten Staatsexamen arbeitete sie als Rechtsanwältin in Berlin und wandte sich gleichzeitig der Erwachsenenbildung zu: „Ich habe direkt nach der Wende in Marzahn und Hohenschönhausen als Dozentin gearbeitet“, erzählt sie. „Mir hat diese Arbeit sehr gefallen. Ich bin gerne nah am Menschen.“
2002 suchte die Stadt Werder (Havel) eine Beigeordnete, und Beate Rietz erhielt den Job. Zuständig für Bauen und Hauptverwaltung verantwortete sie federführend die Ausschreibung der
„Haveltherme“. „Mein erstes großes Wasserprojekt“, fügt sie lachend hinzu. 2010 bot sich ihr die Chance, nach Teltow als Erste Beigeordnete und Stellvertreterin des Bürgermeisters zu wechseln. Dort verantwortete sie in wechselnden Konstellationen die Bereiche Bauen, Ordnungsamt, Bürgerservice, Feuerwehr und Standesamt, seit 2023 gehören die Fachbereiche Finanzen und Bauen zu ihrem Geschäftsbereich.
Sitzterrassen am Teltowkanal, Freibad Kiebitzberge und Stadthafen – die Wasserprojekte gehen weiter
„Die Stadt Teltow hatte sich schon vor Beginn meiner Amtszeit bei dem bundesweiten Wettbewerb ‚Entente Florale‘ beworben. Aus der Bevölkerung kam dazu damals die Idee, Sitzterrassen am Teltowkanal zu installieren. Diese Idee haben wir neben vielen anderen Projekten im Rahmen des Wettbewerbes umgesetzt und eine Silbermedaille gewonnen, die uns im ZDF-Fernsehgarten überreicht wurde.“
Ein weiteres Projekt mit Wasserbezug war die Gründung der Freibad Kiebitzberge GmbH, die Beate Rietz auf Teltower Seite federführend vorantrieb. Zunächst stand das damals stark sanierungsbedürftige Freibad im alleinigen Eigentum der Gemeinde Kleinmachnow. Durch die Gründung der GmbH wurden Teltow und Stahnsdorf neben Kleinmachnow Miteigentümer. Damit war die Voraussetzung geschaffen, dass sich alle drei Kommunen in Millionenhöhe an den Sanierungskosten beteiligen konnten.

Und schließlich der Bau des Stadthafens. Er ist ein Kleinod in der Stadt, das die Teltower und ihre Gäste samt der Kleinen Freiheit längst in ihr Herz geschlossen haben. Nirgendwo sitzt es sich so entspannt bei schönem Wetter wie dort, mit Blick aufs Wasser und die vorbeischippernden Boote. „Immerhin“, so berichtet die einstige Projektleiterin Rietz stolz, „bietet der Teltower Hafen die einzige Slipanlage auf Brandenburger Seite im Bereich des Teltowkanals und dies dazu noch kostenlos. Alleinstellungsmerkmal ist zudem die Barrierefreiheit mit besonders breiten Stegen in einem speziellen Bereich des Hafens.“ Der Weg dahin war indes ein steiniger. „Ohne den damaligen Zusammenhalt von SPD, CDU und FDP in der Stadtverordnetenversammlung wäre der Hafen nicht realisiert worden“ erinnert sich Beate Rietz. Spätestens Anfang 2028 wird die WGT Wohnungsbaugesellschaft Teltow mbH, deren Aufsichtsratsvorsitzende Rietz seit 2014 ist, mit dem Bau eines Gebäudes für Gastronomie und Hafenmeisterei beginnen. Dann wird man den Ort ganzjährig genießen können und eine ansprechende Location auch für Familien- oder Firmenfeiern vorfinden.

Wohnungsbau, Infrastruktur-maßnahmen und Haushaltskonsolidierung
Auch auf diesem Feld kann die Erste Beigeordnete auf langjährige Erfolge zurückblicken, denn dies stellte den Schwerpunkt ihrer Tätigkeit in den zwei Amtszeiten dar. Unter ihrer Ägide wurden mannigfache Bebauungspläne auf den Weg gebracht und in Kraft gesetzt. Dadurch wurde die Grundlage für den Bau von schätzungsweise 3.000 Wohneinheiten geschaffen. In diesem Zusammenhang ist auch die Einführung des sogenannten Baulandmodells zu nennen, nach dem Investoren bei Vorliegen entsprechender Voraussetzungen dazu verpflichtet werden, 30 Prozent des zu schaffenden Wohnraumes als mietpreisgebundenen Wohnungsbau für WBS-Berechtigte anzubieten. Über 35 km Straßen und ca. 13 km Geh- und Radwege wurden in den letzten 16 Jahren aus- oder neugebaut. Darunter fallen Projekte wie die Ruhlsdorfer Straße (in Zusammenarbeit mit dem Landesbetrieb Straßenwesen), die Biomalzspange und die Potsdamer Straße zwischen Hollandweg und Weinbergsweg. Rund 9000 m² Spielplatzfläche ist hinzugekommen. Der Dittmar-Hartung-Sportplatz in Ruhlsdorf wurde errichtet, der Jahnsportplatz bekam einen Kunstrasen, ebenfalls erhält der Sportplatz an der John-Schehr-Straße einen neuen Kunstrasen. Schließlich wurde auch die über 150 Jahre alte ehemalige Bürgelschule von Grund auf saniert. „Letztgenanntes Projekt war eine sehr spezielle Herausforderung, bei der man gute Nerven brauchte“, so Beate Rietz.
In den letzten drei Jahren befasste sich Beate Rietz ebenfalls intensiv mit den Finanzen der Stadt und schob das Verfahren der Haushaltskonsolidierung unter Führung eines externen Dienstleisters voran. „Mein Wunsch wäre, dass die von den Stadtverordneten beschlossene Maßnahmentabelle zur Haushaltskonsolidierung weiterhin konsequent umgesetzt wird, damit Teltows Finanzsituation stabil bleibt.“
Ausnahmesituation Corona
„Die Zeit während der Pandemie war auch im Rathaus ein Ausnahmezustand. Teilweise haben die Standesbeamtinnen bei Kälte draußen unter einem Pavillon getraut, und die Kinder des Brautpaares oder Gäste haben vom Auto aus zugeschaut“, erinnert sich Beate Rietz. Besonders bitter sei es gewesen, bereits bestätigte Trauungstermine per Brief abzusagen. „Das tat mir für das Brautpaar unendlich leid“, so Rietz.
Die Freiheit, keinen Plan haben zu müssen
Glücklicherweise ist diese Zeit vorbei und wir fragen Frau Rietz nach ihren Zukunftsplänen: „Seit letztem Jahr lerne ich wieder Italienisch und möchte das weiter intensivieren“ erzählt sie uns. „Aber mein größter Luxus wird sein, keinen Plan haben zu müssen und die Dinge auf mich zukommen zu lassen!“ In den Jahren haben sich zudem jede Menge Gutscheine für Events angesammelt, die auch eingelöst werden möchten. Seit einiger Zeit ist sie Mitglied im Gemeindekirchenrat der St. Andreaskirche und der Synode, in der sie sich künftig verstärkt engagieren wird. Und endlich, freut sie sich, könne sie sich ihrem liebsten Hobby, dem Lesen, mehr widmen, am liebsten bei einem Aperol irgendwo am Wasser.
Zum Schluss fragen wir, was sie sich für Teltow wünscht: „Ich erinnere mich an das Erste Weinfest auf dem Marktplatz, auf dem ausgelassen gefeiert wurde. Zum Schluss wurde von den Tanzenden ohne einen Funken von Aggressivität die Bühne geentert. Dieses Bild hat sich mir eingeprägt, eine friedliche, tanzende Stadtgesellschaft, und ich wünsche mir für Teltow, dass man sich dieses Miteinander erhalten kann.“
Foto: Elisabeth Kaufmann und Dirk Pagels
