Frauenpower im Norden Berlins 

Seit dem 10. April wird die Reinickendorfer BVV von einer Frau geleitet. Die Bezirksverordnete Kerstin Köppen (CDU) wurde in der BVV-Sitzung mit 38 Ja- sowie 5 Nein-Stimmen bei 9 Enthaltungen zur ersten Bezirksverordnetenvorsteherin gewählt. Die CDU-Fraktion stellt 21 Bezirksverordnete. Die Wahl wurde notwendig, da der bisherige Amtsinhaber Eberhard Schönberg aus privaten Gründen Berlin verlassen hat und nunmehr am Bodensee beheimatet ist. Die Besetzung dieses Amtes durch Kerstin Köppen bedeutet, dass die Reinickendorfer BVV nunmehr in den Händen von Damen liegt. Stellvertretende BVV-Vorsteherin ist nämlich Sabine Burk (SPD). Die neue BVV-Vorsteherin Kerstin Köppen ist als Inhaberin eines Reisebüros selbstständig tätig. Im Jahre 2002 zog sie erstmals in die Bezirksverordnetenversammlung ein. Seit 2011 bekleidet sie das Amt der stellvertretenden CDU-Fraktionsvorsitzenden. Sozial ist die Kommunalpolitikerin unter anderem als zweite Vorsitzende im Familienverein Rabauke e. V. aktiv. Der Verein wurde kürzlich für seine sozialen Projekte mit dem Eberhard-Diepgen-Preis für bürgerschaftliches Engagement ausgezeichnet. In ihrer Antrittsrede betone sie: „Ich verspreche Ihnen, hart zu arbeiten. Ich will die Arbeit der BVV in der Öffentlichkeit bekannter machen und die Reinickendorfer Bürger auffordern, aktiv ihren Bezirk mitzugestalten. Wir sind den Bürgern schuldig, uns zügig und lösungsorientiert in ihrem Interesse zu engagieren.“ Sie erklärte auch, dass die Bezirksverordneten „immer zu mir kommen können. Meine Tür steht Ihnen immer offen.“ Mit allen Fraktionen werde sie fair zusammenarbeiten, denn „alle Fraktionen, egal wo sie stehen, sind demokratisch gewählt worden. Ich bin kompromissbereit, aber ich lasse mich nicht verbiegen.“ Der CDU-Fraktionsvorsitzende Tobias Siesmayer erklärte: „Wir freuen uns über die breite Unterstützung aller Fraktionen für unseren Vorschlag. Das Wahlergebnis ist Ausdruck der Wertschätzung für ihr jahrelanges ehrenamtliches Engagement im Bezirk sowie ihre ausgleichende Art in der Zusammenarbeit mit anderen Fraktionen.“ Der direkt gewählte Reinickendorfer Bundestagsabgeordnete Frank Steffel (CDU) sagte: „Kerstin Köppen ist als erste Frau und als sozial engagierte Reinickendorfer Unternehmerin im Amt der Vorsteherin ein Aushängeschild für die BVV. Wir freuen uns, dass wir sie für dieses Amt gewinnen konnten.“ Die ehemalige Staatssekretärin Emine Demirbüken-Wegner (CDU) gehört dem Berliner Abgeordnetenhaus an. Sie betonte im Pressegespräch: „Mit Frau Köppen steht erstmals eine Frau an der Spitze der BVV Reinickendorf. Die Reinickendorfer CDU geht wieder mit gutem Beispiel voran! Seit vielen Jahren ist Frau Köppen bekannt für ihren fairen Umgang, für ihre kollegiale Haltung und ihr stetiges agieren im Sinne der Bürgerinnen und Bürger.“ Der bekannte Gastronom Norbert Raeder, Inhaber des „Kastanienwäldchens“ und BVV-Mitglied (parteilos, für CDU) sieht es als „Glücksfall an, dass erstmals eine Dame in Reinickendorf auf einen so wichtigen Posten gewählt worden ist. Kerstin Köppen besitzt einen großen Erfahrungsschatz.“

Dana Saky ist Reinickendorfer Bezirksvorsitzender der LINKEN. Er betonte: „Ich möchte Frau Köppen herzlichst zum neuen Amt gratulieren und freue mich auf eine gute Zusammenarbeit.  In Zeiten, in denen Demokratiefeinde in den Parlamenten herumwüten, haben es Parlamentsvorsteherinnen besonders schwer. Deshalb wünsche ich Frau Köppen bei ihren zukünftigen Entscheidungen ein glückliches Händchen und hoffe, dass sie das Kommunalparlament vor der rechten Hetze effektiv schützen wird.“ Der Bezirksverordnete David Jahn (FDP) drückte es so aus: „Kerstin Köppen ist eine der erfahrensten Kommunalpolitikerinnen Berlins und eine über alle Fraktionen hinaus geschätzte Kollegin. Ich wünsche ihr in ihrem Amt ein stets gutes Händchen und bin mir sicher, dass sie die nötige Neutralität und Ruhe mitbringt.“ Gerald Walk ist stellvertretender SPD-Fraktionsvorsitzender. Er sieht die Wahl von Kerstin Köppen erstmal sehr pragmatisch. „Wenn ich jetzt eine Rede halte, muss ich mich nicht mehr vom Rednerpult aus zuerst umdrehen und nachsehen, wer die Sitzung leitet. Früher sagte ich dann zu Beginn entweder „sehr geehrter Herr Vorsteher“ oder „sehr geehrte Frau Vorsteherin“; nunmehr kann ich immer, ohne mich vorher umzudrehen, „sehr geehrte Frau Vorsteherin“ sagen. Es freut mich, dass die CDU sich aufraffen konnte, eine Frau vorzuschlagen für dieses Amt. Frau Köppen wird allseits geschätzt. Sie beeindruckt durch ihre integrative Art.“

Text/Foto: Volkert Neef