„Auch Normalverdiener brauchen bezahlbare Wohnungen“

Am 13. Dezember war der Chef der CG Gruppe, Christoph Gröner, zu Gast in den Räumen der IHK inBerlin. In seinem Vortrag zum Thema „BezahlbaresWohnen“ machte er die Zuhörer in Charlottenburg auf Folgendes aufmerksam: Die Oberschicht hat mit einem Quadratmeterpreis von 16 Euro in Berlin, Hamburg, München, Wiesbaden oder Düsseldorf kein Problem. Arme Menschen, die sich das nicht leisten können, werden aufgefangen durch soziale Transfers. Seien es Zuschüsse zum Lebensunterhalt wie Aufstockung der Rente oder Leistungen nach dem Hartz-4 Gesetz. Bei dieser Bevölkerungsgruppe kommt ein Quadratmeterpreis von um 7 Euro zum Tragen. Nur: Für den Polizeibeamten, den Lokführer und die Altenpflegerin gibt es im Mittelbau dieser Rechnung keine oder kaum eine Wohnung. Der Immobiliensektor mit einem Mietpreis von um 10 Euro pro Quadratmeter in Berlin ist leergefegt. „In Hennstedt und Eisleben finden Sie solche Wohnungen noch. Aber da will ja auch kaum einer hinziehen.“ Die ein oder andere günstige Bestandswohnung in der Bundeshauptstadt finde man auch nur vor, weil „das Bundesland Berlin aus Baden-Württemberg, Bayern und Hessen Zuschüsse erhält. Was meinen Sie denn, wie lange die dortige Begeisterung noch anhalten wird, diese Gelder Richtung Berlin weiterzuleiten?“

Der Sohn sowie der Enkel eines Maschinenbauingenieurs erblickte 1968 in Karlsruhe das Licht der Welt. Nach dem Abitur studierte er natürlich Maschinenbau. Schon als Schüler entwickelte er einen Hang für das Handwerk und das Geldverdienen. Aus zahlreichen schrottreifen Fahrrädern bastelte der Badener einige fahrtaugliche Zweiräder und verkaufte sie kostengünstig an Klassenkameraden und Bekannte. Das Studium hängte er an den Nagel und wandte sich den Nägeln auf dem Bau zu. 1995 ging Christoph Gröner als Bauentwickler nach Leipzig. 2008 kam er in der Bundeshauptstadt an. Sein Kerngebiet ist nicht nur das Bauen; sein Augenmerk liegt auf dem Sektor des bezahlbaren Wohnens. Zu seinem Firmenbereich gehören rund 800 Mitarbeiter, die sich um 40.000 Wohnungen kümmern.

Wer Erfolg hat, hat auch Neider! Davon kann Christoph Gröner auch berichten. Er selbst hat „ja damit keinerlei Probleme, damit kann und werde ich leben. Wenn man aber eines meiner vier Kinder massiv bedroht, hört der Spaß auf.“ Der Bauentwickler gehört zur Fraktion der Klartextredner! Daher sah man ihn schon oft in TV-Runden bei Sandra Maischberger und Frank Plasberg. Oder er lässt via Plakat Klartext reden. Unvergessen seine Aktion, wo er am ehemaligen Postscheckamt in Berlin-Kreuzberg am Halleschen Ufer mit einem fast 330 Quadratmeter großen Plakat sich bitterlich über die Baupolitik dieses Bezirkes beklagt hatte. Er als Unternehmer erwartet ja auch gar nicht, dass ihm ein Baustadtrat mit Parteibuch der GRÜNEN den Roten Teppich ausrollt, wenn die CG Gruppe in Berlin-Kreuzberg investieren möchte. Der Karlsruher wünscht sich aber auch „Freie Fahrt für freie Unternehmer“, das bedeutet, man soll nicht überall Hürden aufbauen und bestehende Barrieren noch weiter erhöhen. Mit solchen Maßnahmen wird nicht eine einzige Wohnung gebaut. Als er bereits 2008 in Berlin Mietwohnungen bauen wollte, tat man das als Träumerei ab seitens der politisch Verantwortlichen. Banken- und Immobilienkrise lauteten damals die Schlagworte. Oft hatte man leerstehende Wohnblöcke, gerade Plattenbauten in Berlin-Hellersdorf und Berlin-Marzahn, per Sprengladung dem Erdboden gleichgemacht. Heute weiß man nur zu genau, wie weitsichtig der Bauentwickler damals war. Sollte in Berlin wirklich eine Wohnung leer stehen und es findet ein Besichtigungstermin statt, kann man oft hunderte Menschen (!!) sehen, die sich in die lange Schlange der Interessenten einreihen und diese Wohnung nicht nur besichtigen wollen, sondern auf die Unterzeichnung des so begehrten Mietvertrages hoffen. „Es gibt nichts schön zu reden. Wir müssen kostengünstigeres und schnelleres Bauen ermöglichen. Wenn wir 1,2 Millionen Menschen haben, die eine Wohnung suchen – darunter 600.000 Flüchtlinge – dann sprechen wir über dramatische gesell­schaftliche Verwerfungen und es ist ge­nauso schlimm, wie Menschen kein Essen zu geben, wenn wir für sie keinen Wohnraum haben.“

Ein Bremsklotz ist aber auch der Fachkräftemangel. „Für den Bau von 100.000 Wohnungen benötigen wir 100.000 Facharbeiter und 20.000 Experten wie Architekten und Ingenieure. Und die haben wir nicht.“

Nicht nur Unternehmer ist Christoph Gröner. Er ist auch Unterstützer! Für ihn, der seit Jahren vom Erfolg verwöhnt worden ist, gehört es sich einfach, von diesem Erfolg einen großenTeil denjenigen abzugeben, denen es gar nicht so gut geht. So wendet er zwischen 10 bis 20 Prozent seiner Einkünfte auf, um die soziale Organisation „Laughing Hearts“ tatkräftig zu unterstützen. Hier hilft man Heimkindern und benachteiligten Jugendlichen und Kindern. Momentan sind 22 soziale Einrichtungen in den Bezirken Reinickendorf, Pankow, Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg, Lichtenberg, Charlottenburg-Wilmersdorf, Steglitz-Zehlendorf, Tempelhof-Schöneberg und Neukölln aktiv. Die dazugehörigen Wohngruppen befinden sich aber auch in den anderen Bezirken und teilweise sogar in Brandenburg. Oft beginnt das Arm sein und die Ausgrenzung schon damit, dass sich die benachteiligten Kinder soziale und kulturelle Veranstaltungen gar nicht leisten können. Auch hier schafft „Laughing Hearts“ Abhilfe. Schnelles, kostengünstiges Bauen und benachteiligten Kindern helfen – für all das steht Christoph Gröner. Ein Gast bei der IHK in Berlin-Charlottenburg, dem man noch stundenlang hätte zuhören können. Der Mann hat Lösungsvorschläge in Sachen Bekämpfung der Wohnungsnot auf Lager, die sich Politiker in Regierungsverantwortung zumindest einmal anhören sollten.

Text/Foto: VolkertNeef