Rammrathbrücke: Autofahrer sind wütend

„Indiskutabel“, „unerklärlich“, „katastrophal“: Verärgerte Bürger machen sich Luft in den Maerker-Portalen der Gemeinden Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf. Ihr Unmut nach der Sperrung der Rammrathbrücke gilt vor allem der Ampelschaltung am Stahnsdorfer Hof: „Durch die gesperrte Rammrathbrücke ist der Zehlendorfer Damm vollkommen überfüllt, und das Linksabbiegen in Richtung Teltow gelingt pro Ampelschaltung höchstens drei bis vier Autos. Ich habe gestern für die Strecke Kleinmachnow - Teltow über 50 Minuten gebraucht“, beschwert sich ein Nutzer. Ein anderer schlägt ziemlich sauer in die gleiche Kerbe: „Die Ampelschaltung ist nach wie vor katastrophal (…). Dieses Verkehrskonzept ist indiskutabel und sollte nochmals überarbeitet werden.“

Die Stadt Teltow, die für die Umleitungsmaßnahmen zuständig ist, sieht wenig Handlungsbedarf: „Unser Eindruck ist aber, dass sich die Belastung für die Autofahrer in Grenzen hält und sich der Umleitungsverkehr ‚eingespielt‘ hat“, teilte Stadtsprecher Jürgen Stich auf Anfrage dieser Zeitung Anfang Dezember mit. Er fährt fort: „Verkehrsexperten haben sich die Ampelschaltungen am Stahnsdorfer Hof auch jüngst wieder genau angeschaut. Sie empfehlen keine Änderung, weil der Stau sich dann nur anders verteilen würde.“

Was viele Verkehrsteilnehmer in der Region auf die Palme bringt, ist die Häufung der Baustellen. Denn alles wäre halb so schlimm – so der Tenor – , wenn wenigstens die Ortsdurchfahrt in Stahnsdorf frei und die Ortsumfahrung (L77n) fertiggestellt wären. Aber ausgerechnet hier gab es Verzögerungen im Bauablauf, sodass die Straße nicht wie geplant Ende 2019 fertiggestellt wird, sondern voraussichtlich erst im 2. Quartal 2020. Auch die Öffnung der Biomalzspange am 13. Dezember wird den Verkehr erst dann ernsthaft entlasten, wenn die L77n offen ist. Wie der Chef des zuständigen Wasserstraßen-Neubauamts, Rolf ­Dietrich, bereits im Oktober bei einer Infoveranstaltung erläuterte, war es keineswegs Absicht, die Brücke ausgerechnet dann zu sperren, wenn so viele andere Staufallen vorhanden sind. Vielmehr habe die Planung schon zwei Jahre zuvor begonnen. Es seien viele Parteien involviert, die ihre einzelnen Maßnahmen aufeinander abstimmen müssten. Daher könne man den Terminplan nicht kurzfristig ändern, erklärte er.

Auch der Busverkehr ist nicht frei von Störungen: Insbesondere in den Stoßzeiten komme es auf allen Linien im TKS-Gebiet zu staubedingten Verspätungen, teilte Regiobus-Sprecherin Anette Lang mit und bestätigte die Erfahrungen der Autofahrer: „Schwerpunkte sind hier insbesondere der Verkehrsknoten am Stahnsdorfer Hof sowie Bereiche innerhalb der Stadt Teltow. Verschärft wird dies durch die vorhandenen Baustellen auf der Potsdamer Allee in Stahnsdorf und auf der L40 (Anbindung L77n).“ Hiervon sind auch die Schüler des Stahnsdorfer Vicco-von-Bülow-Gymnasiums betroffen, denn die Baustellen wirken sich bis ins Klassenzimmer aus: „Morgens schaffen wir es nicht mehr pünktlich in den Unterricht“, beschwert sich der 16-jährige Florian. „An der Waldschänke kommen die Busse verspätet an – unser Anschluss mit dem X1 ist dann meistens schon weg.“ Das Fahrrad ist derzeit auch keine gute Alternative: „Die holprigen und löchrigen Wege sind eine Katastrophe“, meint Schülersprecher Till (17), der sich ebenfalls am Stahnsdorfer Gymnasium auf das Abitur vorbereitet.

Um die Situation zu entschärfen und für alle Verkehrsteilnehmer die Wartezeiten zu verkürzen, animiert Anette Lang dazu, jetzt erst recht Busse zu nutzen, da die Fahrzeugdichte auf der Straße geringer würde und somit der Verkehr besser fließen könnte. Den Schülern käme dies in jedem Fall zu Gute.