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Frauentag in Berlin und Brandenburg

Seit 2019 ist der Internationale Frauentag in Berlin ein gesetzlicher Feiertag – in Brandenburg ist ein ähnliches Vorhaben kürzlich gescheitert. Wie ist der Blick in der Region auf den 08. März?

„Meine Mutti, die ist tüchtig, alles macht sie klug und richtig, zu Haus’ und im Betrieb. Mutti, ich hab dich so lieb!“ Eifrig wurden diese Zeilen im realsozialistischen Kindergarten gelernt, damit beim Internationalen Frauentag nichts, aber auch gar nichts schiefgeht. Der Kindergärtnerin wurde dick und fest versprochen: Gleich morgens am Bett wird der Mutti am Frauentag dieses Gedicht aufgesagt! Über Stolperer im Text sah sie schließlich großmütig und noch etwas müde hinweg – nächstes Jahr kommt ja der nächste Versuch! In Osteuropa steht der Tag bis heute bei Floristen und Unternehmen dick im Kalender: Ein Strauß Blumen zum Frauentag gehört zum guten Ton, und es hagelt „typische“ Werbegeschenke an einem Tag, der ursprünglich auf die Ungleichbehandlung von Frauen und Männern hinweisen sollte: Rabatt im Schönheitssalon in der Mall, Pralinen für die Lehrerin, Anti-Falten-Creme an der Tankstelle für Autofahrerinnen.

Aktueller Schwerpunkt: Frauen in und aus der Ukraine

Wie blicken Berlin und Brandenburg unterdessen auf den Internationalen Frauentag? Dieses Jahr ist er geprägt vom Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine: Viele Frauen und Kinder seien bereits in Berlin angekommen, so Gleichstellungssenatorin Ulrike Gote (Grüne). Unzählige Familien habe der Krieg auseinandergerissen. „In Konflikten nimmt die Gefahr sexueller Gewalt zu, vor allem bei Frauen, die fliehen oder sichere Unterkünfte verlassen müssen. In Berlin finden sie Sicherheit und die gesundheitliche und psychologische Unterstützung, die sie brauchen. Meine Gedanken sind auch bei den mutigen Frauen, die ihr Land verteidigen“, betonte die Senatorin.

Auch für Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) steht 2022 die Solidarität mit den Frauen in der Ukraine im Vordergrund. Diese hätten besonders unter dem Krieg gegen ihr Land zu leiden, so Woidke. „Hunderttausende ukrainische Frauen stehen vor der Entscheidung, zu bleiben oder ihre Heimat zu verlassen und ihre Kinder in Sicherheit zu bringen“, sagte Woidke. Es gehe um die nackte Existenz und die körperliche und seelische Unversehrtheit. Deshalb sei es besonders wichtig, dass jetzt alle zusammenstehen. Er bedankte sich für die große Solidarität der Brandenburger. Der Ministerpräsident forderte zudem mehr Chancengleichheit für Frauen in der Gesellschaft. Der Frauentag sei jedes Jahr ein Anlass, den Blick verstärkt auf die Lebens- und Arbeitssituation von Frauen zu lenken. Dies müsse jedoch jeden Tag thematisiert werden. Woidke rief außerdem zu mehr Chancengleichheit für Frauen in der Gesellschaft auf. Dieser Tag sei jedes Jahr Anlass, die Lebens- und Arbeitssituation von Frauen verstärkt in den Blick zu nehmen. „Jeder Frau muss es möglich sein, ihr Leben nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten“, betonte er.

Brandenburgische Frauenwochen

Bereits am vergangenen Donnerstag wurden die Brandenburgischen Frauenwochen eröffnet, die sich in diesem Jahr verstärkt dem Problem „Gehen oder bleiben“ widmen: eine Wahl, die hunderttausende Ukrainerinnen derzeit treffen müssen. Aufgrund der Corona-Pandemie findet die Veranstaltung wie im vergangenen Jahr ganzjährig bis zum 31. Dezember statt. Es gibt zahlreiche Veranstaltungen wie Diskussions- und Gesprächsrunden, Workshops, Ausstellungen, Theater und Lesungen. Im Veranstaltungskalender des Frauenpolitischen Rats sind Angebote des ganzen Landes gelistet [frauenpolitischer-rat.de].

Seit 2019 in Berlin gesetzlicher Feiertag

Berlin entschied sich im Januar 2019, diesen Tag als gesetzlichen Feiertag einzuführen. Wie kein anderes Datum stehe der 08. März für den langen Weg hin zur Gleichstellung der Geschlechter, erklärte der damalige Regierende Bürgermeister Michael Müller dazu.

In diesem Jahr wollen an diesem Dienstag Tausende Menschen in Berlin am Internationalen Frauentag auf die Straße gehen. Die wohl größte Demonstration ist für 15:00 Uhr im Wedding angekündigt. Wie die Polizei mitteilte, seien hier bis zu 4.000 Teilnehmer vom Veranstalter zum „Frauen*kampftag 2022“ angekündigt. Vom Leopoldplatz soll es über verschiedene Zwischenstationen zur Seestraße gehen. In Berlin-Kreuzberg wollen sich Frauen am Dienstag um 12:00 Uhr zu einer Fahrraddemonstration am Mariannenplatz treffen. Weitere Veranstaltungen sind im ganzen Stadtgebiet geplant. [berlin.de].

In Brandenburg kein Feiertag

Das Land Brandenburg konnte sich in diesem Jahr nicht dazu entscheiden, den 08. März wie in Berlin zu einem gesetzlichen Feiertag zu erklären. Vor rund zwei Wochen hatte die Linksfraktion im Potsdamer Landtag einen entsprechenden Antrag eingebracht. Dieser traf auf wenig Zustimmung: Die Landtagsmehrheit aus SPD, CDU, Grünen sowie der oppositionellen AfD stimmte gegen den Antrag, Linke und BVB/Freie Wähler votierten dafür. Während die Grünen argumentierten, dass wegen der Pandemie aktuell nicht die Zeit für einen solchen Feiertag sei, erklärten SPD-Vertreter, dass es sich zwar um einen Kampftag handele. Aber die Sensibilisierung für Gleichberechtigung müsse ständig geschehen und nicht nur am 08. März. Innenminister Michael Stübgen (CDU) lehnte den Vorstoß ebenfalls ab. Es gebe Morde an Frauen wegen ihres Geschlechts, es gebe Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt würden und solche, die wegen ihres Geschlechts nicht befördert würden, sagte er. Ein gesetzlicher, arbeitsfreier Frauentag helfe diesen Frauen allerdings null und nichts. Er sprach von einem „Show-Antrag“. AfD-Vertreter nannten den Antrag „überflüssig“: Frauen würden von der deutschen Mehrheitsgesellschaft nicht diskriminiert.

YouGov-Umfrage: Mehrheit der Bundesbürger für gesetzlichen Feiertag

Gemäß einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov aus dem vergangenen Jahr sollte der 08. März nach Ansicht jedes zweiten Bundesbürgers in ganz Deutschland gesetzlicher Feiertag sein. So sprachen sich 47 Prozent der Befragten dafür aus. Nur 29 Prozent wären nicht damit einverstanden. ph