Kita-Bericht 2026: Brandenburgs Kitas schrumpfen, Plätze bleiben leer
In Brandenburg schrumpfen 39,8 Prozent der Kita-Teams, einer der höchsten Werte bundesweit. Durchschnittlich 15,3 Plätze pro Kita bleiben derzeit unbesetzt, weil Kinder fehlen. Gleichzeitig ist der Personalmangel vielerorts zum Dauerzustand geworden, strukturelle Probleme verschärfen sich. Das zeigt der bundesweite Kita-Bericht 2026 des Paritätischen Gesamtverbandes.
Was auf den ersten Blick nicht zusammenpasst, erklärt sich aus einem unzureichendem Personalschlüssel und immer weiter steigenden Anforderungen an die Betreuungseinrichtungen. So sollte in Brandenburg bereits im August 2025 die Personalbemessung in Krippen auf vier Kinder pro Fachkraft gesenkt werden (aktuell: 4,25 Kinder). Diese Reduzierung hat die Brandenburger Landesregierung im Rahmen der aktuellen Haushaltsverhandlungen gekippt. Stattdessen ist aufgrund der demografischen Entwicklung zu befürchten, dass weitere Kitas geschlossen und Personal abgebaut werden.
„Seit Jahren fordern wir gemeinsam mit unseren Partnerverbänden ein neues Kita-Gesetz mit strukturellen Verbesserungen. Doch das Gegenteil ist der Fall: Anstatt die Bedingungen für die Betreuung in Kitas zu verbessern, wird auch hier der Rotstift angesetzt“, so Diana Robel, Vorständin des Paritätischen Brandenburg. „Aufgrund der sinkenden Kinderzahlen und einem an sich unzureichenden Personalschlüssel wird qualifiziertes Personal in Brandenburg entlassen oder abwandern. In ein paar Jahren, wenn die Menschen wieder mehr Perspektiven für eine Familiengründung sehen, wird der Fachkräftemangel noch deutlicher zutage treten. Fachkräfte, die es für die frühkindliche Bildung nach wie vor braucht, werden dem Arbeitsfeld dann verloren gegangen sein.“
Das geplante neue Kita-Gesetz für Brandenburg sieht weitere Neuregelungen und Einsparungen vor, die besonders die Einrichtungen in freier Trägerschaft treffen. So sollen die Kitas einen „angemessenen Eigenanteil“ erwirtschaften, um überhaupt eine Finanzierung ihres Betreuungsangebots zu bekommen. Außerdem will das Land die Erstattung von Miet- und Personalkosten durch die Kommunen deckeln.
Besonders kritisch: Die Politik will die Kosten für die Mittagsversorgung vollständig auf die Familien verlagern, was zu erheblichen Kostensteigerungen führen wird. „Für Familien mit geringen, aber auch mit mittleren Einkommen ist dies kaum oder nur schwer zu stemmen und führt dazu, dass diese Kinder ohne Mittagessen bleiben könnten. Und das, obwohl die Versorgung zum gesetzlichen Auftrag der Kindertagesstätten zählt“, kritisiert Robel. Der Paritätische Kita-Bericht 2026 zeigt, dass Einrichtungen mit vielen Kindern aus sozial benachteiligten Familien besonders häufig berichten, dass der vorhandene Personalschlüssel nicht ausreicht, um etwa allein den Sprachförderbedarf zu decken.
Kita-Bericht 2026
Mit 3.267 erfassten Einrichtungen ist der Kita-Bericht 2026 die bislang größte Datenbasis des Paritätischen Gesamtverbandes zur Situation in deutschen Kindertageseinrichtungen. Er zeigt: Weil Kinderzahlen sinken, bleiben bundesweit mehr als 550.000 Kitaplätze ungenutzt. Dennoch ist der Personalmangel vielerorts zum Dauerzustand geworden. Bundesweit fehlen rechnerisch rund 107.000 pädagogische Mitarbeitende. Denn: Zwei Drittel der Einrichtungen halten den vorhandenen Personalschlüssel für unzureichend. 65,3 Prozent der Fachkräfte geben an, dass den Bedürfnissen der Kinder mit dem vorgegebenen Personalschlüssel nicht entsprochen werden kann, ein neuer Rekordwert.
Der Personalmangel und -ausfall wirkt sich spürbar auf den Alltag von Familien aus: 51,5 Prozent der Kitas bundesweit mussten in den vier Wochen vor der Befragung die Betreuung zeitweise einschränken. In mehr als jeder vierten Kita (28,2 Prozent) waren Betreuungseinschränkungen wegen Personalmangels innerhalb von nur vier Wochen sogar mehrfach erforderlich.
Die Belastung schlägt auf das Personal durch. Fast 90 Prozent der Einrichtungen berichten von einer starken psychischen Beanspruchung ihrer Mitarbeitenden. In 43,5 Prozent der Kitas hat innerhalb eines Jahres mindestens eine Fachkraft die Einrichtung aus psychischen Gründen verlassen.
Forderungen
Der Paritätische fordert einen Sozialindex in der Kita-Finanzierung. Ressourcen sollen sich künftig nicht allein an der Zahl der betreuten Kinder bemessen, sondern gezielt nach Belastungslagen wie Armut, Migration und Inklusionsbedarf verteilt werden. „Jetzt ist nicht die Zeit für Personalabbau. Sondern es ist Zeit, Bildungsgerechtigkeit endlich umzusetzen“, so der Paritätische Wohlfahrtsverband in Berlin.
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