Schluckbeschwerden ernst nehmen: Wie spezialisierte Chirurgie in Potsdam Betroffenen hilft
Das Klinikum Ernst von Bergmann informiert über Warnzeichen, moderne Operationsverfahren und die Rückkehr in den Alltag
Das Brot rutscht nicht mehr richtig, beim Essen entsteht das Gefühl, etwas bleibe stecken: Schluckbeschwerden können unterschiedliche Ursachen haben. Wenn sie länger anhalten oder zunehmen, sollten sie ärztlich abgeklärt werden. Auch eine Krebserkrankung der Speiseröhre kann dahinterstecken. Je früher ein Tumor erkannt wird, desto besser sind die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung. Das Speiseröhrenkrebszentrum am Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam möchte deshalb für Warnzeichen sensibilisieren und über die Möglichkeiten einer spezialisierten Behandlung informieren.
„Wer Schwierigkeiten beim Schlucken bemerkt, sollte das nicht einfach hinnehmen oder dauerhaft auf weichere Nahrung ausweichen“, sagt Prof. Dr. med. Sven-Christian Schmidt, Leiter des Speiseröhrenkrebszentrums. „Solche Beschwerden bedeuten nicht automatisch Krebs. Entscheidend ist, die Ursache zu klären.“ Die Speiseröhre ist ein Muskelschlauch, der Nahrung vom Rachen in den Magen transportiert. Ein Tumor kann diesen Weg zunehmend verengen. Bei einem Krebsverdacht ermöglicht eine Spiegelung, die Schleimhaut zu untersuchen und Gewebeproben zu entnehmen. Dafür wird ein dünner, beweglicher Schlauch mit einer Kamera über den Mund eingeführt.
Die Diagnose Speiseröhrenkrebs bedeutet nicht für jeden Menschen dieselbe Therapie. Entscheidend sind unter anderem die Lage und Ausbreitung des Tumors sowie die körperliche Verfassung des Patienten. Bei bestimmten sehr frühen, oberflächlichen Tumoren kann eine Entfernung des Tumors im Rahmen einer Speiseröhrenspiegelung ausreichen. In fortgeschrittenen Fällen kommt – sofern möglich – eine Operation in Frage, in der Regel kombiniert mit einer Chemotherapie bzw. Bestrahlung.
Im Potsdamer Speiseröhrenkrebszentrum arbeiten Spezialistinnen und Spezialisten aus Chirurgie, Gastroenterologie, Onkologie, Strahlentherapie und weiteren Disziplinen eng zusammen. Das Zentrum ist seit September 2021 durch die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) zertifiziert; die Einhaltung der Qualitätsanforderungen wird regelmäßig extern überprüft. „Wir müssen zwei Fragen zusammen beantworten: Welche Behandlung bietet die besten Möglichkeiten gegen den Krebs – und welche Belastung kann der einzelne Mensch bewältigen?“, erklärt Prof. Dr. Sven-Christian Schmidt. „Dazu gehört auch, die nächsten Schritte verständlich zu erklären und gemeinsam mit den Betroffenen zu besprechen.“
Muss ein Teil der Speiseröhre entfernt werden, stellen die Chirurginnen und Chirurgen anschließend den Weg für die Nahrung wieder her. In der Regel formen sie dafür aus dem Magen einen schlauchförmigen Ersatz und verbinden ihn mit dem verbliebenen gesunden Abschnitt der Speiseröhre. Es handelt sich um einen sehr anspruchsvollen Eingriff, für den Erfahrung und spezialisierte Versorgungsstrukturen besonders wichtig sind. Das chirurgische Team am Klinikum Ernst von Bergmann führt diese Operation seit vielen Jahren minimal invasiv, mit nur wenigen Schnitten durch. „Durch den Einsatz schonender Verfahren können wir die Belastung für den Körper ganz erheblich reduzieren, die Patienten erholen sich schneller und sind früher wieder fit“, so Prof. Dr. Sven-Christian Schmidt.
Die Betreuung im Speiseröhrenkrebszentrum reicht über die reine Tumorbehandlung hinaus: Ernährungsberatung, spezialisierte Pflege, Physio- und Atemtherapie sowie psychologische Unterstützung helfen den Patientinnen und Patienten, die Erkrankung und ihre Folgen zu bewältigen. Auch Angehörige sind in den Prozess mit einbezogen. „Für unsere Patientinnen und Patienten geht es auch um ganz alltägliche Fragen: Wie kann ich wieder essen? Wie gewinne ich Kraft zurück? Wie verändert sich mein Leben?“, sagt Prof. Dr. Sven-Christian Schmidt. „Diese Fragen gehören zur Behandlung dazu. Unser Ziel ist es, den Krebs bestmöglich zu behandeln und zugleich Lebensqualität zu erhalten.“
Kontakt und Beratung: Die onkologische Sprechstunde findet donnerstags von 9:00 bis 13:00 Uhr statt.
Termine können unter 0331 241-35202 vereinbart werden.
Foto: Klinikum EvB 2026
