Der „Jägermond“ – in unserer Region schon in der Steinzeit von Bedeutung
Der Vollmond, der Ende Oktober am Himmel steht, ist auf der Nordhalbkugel als „Jägermond“ bekannt. Am 26. Oktober (exakt um 05:12 Uhr) ist es wieder soweit – doch schon am Sonntag, am Tag davor, erscheint die Mondscheibe in voller Pracht. Dass man im strahlenden Mondlicht besonders gut jagen kann, wussten schon unsere Vorfahren, die in der Umgebung des Steinmonuments, das Stonehenge nicht unähnlich war, auf Hirschjagd gingen.
Zwischen Stahnsdorf und Ruhlsdorf – dort, wo heute nur noch Reste des ehemaligen Windmühlenbergs zu sehen sind – befindet sich während der Steinzeit ein heiliger Ort. Große Steinmonumente, die wie durch Zauberkräfte aufgerichtet wurden, sind hier zu bewundern, ebenso ein Großsteingrab. Dort finden während bestimmter Mondphasen Rituale statt, die von einem Schamanen begleitet werden. Nur er ist in der Lage, mit seinem Zauberstab aus Hirschgeweih, auf dem rätselhafte Kerben und Zacken eingeritzt sind, Himmelsereignisse vorherzusagen. Bei Ritualen bemalt er sein Gesicht mit weißem Schlamm und trägt eine Hirschgeweih-Maske, Federschmuck und Ketten aus Schneckenhäusern. Für die Bewohner der Gegend ist die Maske nichts Ungewöhnliches, wurden doch Hirschgeweihe bereits von ihren Vorfahren als heilig verehrt.

Heute, am Tag des Oktober-Vollmonds (wie der Monat damals hieß, wissen wir nicht), geht es auf Hirschjagd. Beim letzten Vollmond, dem „Erntemond“ (wie er heute noch heißt), hatte man die umliegenden Wälder und Buschwiesen nach Pilzen, Beeren und sonstigen essbaren Pflanzen abgesucht, um Vorräte für den Winter zu sammeln. Diese Jahreszeit war zwar damals wärmer als heute, wie wir aus Untersuchungen an Eisbohrkernen und Baumringen wissen, das Nahrungsangebot war aber trotzdem gering, zumal es noch keinen systematischen Ackerbau gab. So ist auch für die steinzeitlichen Jäger, die jetzt während des Jägermonds mit Steinäxten und Speeren unterwegs sind, die Jagd überlebenswichtig – und ihre Nachfahren werden es ihnen gleichtun, denn das Wild hat sich im Sommer reichlich Reserven angefressen, so dass die Jagdbeute für alle Bewohner reicht. Und so gehen später auch die Grundbesitzer und Adeligen, die in der Neuzeit in unserer Region Wälder und Felder besitzen, im Oktober bei Vollmond auf die Jagd. Die Felder sind abgeerntet und bieten daher weniger Verstecke für das Wild, und das Mondlicht erhöht die Zielgenauigkeit. Wie die Herren von Hake, denen umfangreiche Ländereien in Kleinmachnow und Stahnsdorf gehörten, mit ihren Jagdgesellschaften nachts oder bei Dämmerung durch die hiesigen Flure zogen, kann man sich gut vorstellen.
In der spirituellen Deutung – also außerhalb astronomisch-wissenschaftlicher Grundlagen – symbolisiert der Jägermond eine Zeit der Besinnung, das Loslassen von Dingen, die einem nicht guttun und die innere Vorbereitung auf den Winter. Egal, wie man dazu steht: Wer den Oktober-Vollmond betrachtet und dabei auch an die lange Geschichte der Besiedelung unserer Region denkt, wird auf jeden Fall erkennen, dass wir selbst nur ein kleiner Teil das Universums sind. Unser Leben währt nur kurz, doch das hat uns – genau wie die Menschen der Steinzeit – nie daran gehindert, den Blick nach oben zu richten und uns zu fragen, was dort draußen existiert, wie die Mechanismen dahinter funktionieren und woher alles stammt.
Bilder: Mario Kacner (Bild 2 mit KI-Unterstützung)
