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Registerstelle für diskriminierende Vorfälle in Steglitz-Zehlendorf eröffnet

190 Fälle rassistischer oder diskriminierender Art hat es in diesem Jahr in Steglitz-Zehlendorf gegeben, neun davon waren Angriffe gegen Personen. Und das sind nur die Fälle, die dem Berliner Register zur Dokumentation rassistisch, antisemitisch, homophob und rechtsextrem geprägter Vorfälle gemeldet wurden. Dass die Zahl der gemeldeten Fälle mit dem Start der Steglitz-Zehlendorfer Registrierstelle noch einmal steigen wird, davon ist der Vorsitzende des Netzwerks Integration Südwest Berlin (NIS) e. V., ­Günther ­Schulze überzeugt. Das NIS ist Träger des bezirklichen Registers, vom Bezirksamt gibt es keine Unterstützung, bedauert Schulze. Ein Antrag der SPD in der Bezirksverordnetenversammlung 2013, ein solches Register in Steglitz-Zehlendorf einzurichten, war abgelehnt worden. „Man sah keinen Bedarf“, erinnert sich Schulze. Dabei habe Steglitz-Zehlendorf die höchste Zahl an Fällen aller West-Berliner Bezirke.

Die Registerstelle sammelt Vorfälle, durch die Menschen ausgegrenzt werden, erklärt ­Kati ­Becker vom Berliner Register, das betrifft sowohl rassistische als auch homophobe, antisemitische und sozialdarwinistische Vorfälle. Zu letzteren zählen Übergriffe auf behinderte Menschen. Diese werden selten gemeldet, wenn, dann seien sie aber gravierend, berichtet ­Becker.

„Vorfälle“ sind nicht nur Angriffe, dazu zählen auch Demonstrationen, Aufkleber, Schmierereien und Beleidigungen. Das bedeutet, dass so auch Vorkommnisse registriert werden, die strafrechtlich nicht relevant sind oder nie zu einer Anzeige kommen. Flüchtlinge etwa hätten oft Angst, sich an die Polizei zu wenden. Die Übergriffe können nun anonym an die Registerstelle gemeldet werden, wo diese erfasst, ausgewertet und lokalen Akteuren zur Verfügung gestellt werden.

„Wir wollen die Dunkelziffer erleuchten“, sagt Dr. ­Dmitri ­Stratievski. Er leitet die Steglitz-Zehlendorfer Registerstelle, die am 15. September offiziell ihre Arbeit aufnahm – elf Jahre nach der ersten Registerstelle in ­Pankow. Damit ist Steglitz-Zehlendorf der letzte Berliner Bezirk, der eine solche Stelle einrichtet, berichtet ­Schulze.

Stratievski ist ­Lankwitzer und bereits seit Jahren gesellschaftspolitisch aktiv, gründete ein Projekt gegen Rechtsextremismus im Fußball. „Ich wollte nicht teilnahmslos zuschauen bei dem, was hier im Bezirk passiert“, sagt er.

In Steglitz-Zehlendorf gebe es keine „klassischen Neonazis“, erklärt ­Stratievski. Die Strukturen seien anders. So ist der größte Berliner Kreisverband der AfD im Bezirk ansässig, ebenso habe die „Identitäre Bewegung“ dort ihren Schwerpunkt. Mit ihren Verschwörungstheorien versuche diese, das gesellschaftliche Klima zu vergiften, so ­Stratievski.

Zukünftig sollen Flyer die Registerstelle bekannter machen, die sich auch an die Runden Tische und Stadtteilkonferenzen wenden möchte. „Wir möchten alle demokratischen Kräfte für eine dauerhafte Zusammenarbeit gewinnen“, sagt ­Stratievski.

Das Register Steglitz-Zehlendorf ist erreichbar per E-Mail über register@netzwerk-integration-­suedwest.de, per twitter @RegisterBSZ sowie persönlich beim DRK Berlin Südwest, Düppelstraße 36.    

Text: go, Foto: pixabay.com