Potsdamer Allee: Stahnsdorf wird zur Dauerbaustelle

Dass Stahnsdorf fast nur noch aus Straßensperrungen und Umleitungen besteht, ist ein Zustand, mit dem sich die Bürger und ihre Gäste wohl für die nächsten Jahre abfinden müssen. Der lang geplante und teilweise umstrittene Umbau der Potsdamer Allee wird bald mit einem Paukenschlag beginnen, denn nach umfangreichen Rohrleitungsarbeiten gilt ab Sommer eine vollständige Sperrung der Ortsdurchfahrt zwischen Wilhelm-Külz-Straße und Stahnsdorfer Hof – und zwar mindestens für fünf Monate.

Schon jetzt im Normalbetrieb stauen sich morgens die Fahrzeuge Richtung Teltow bereits ab Wannseestraße, oft sogar schon ab Schleusenweg. Wenn dann während der Bauphase zeitweise alle auf die jetzt schon überlastete und für Fußgänger schwer zu überquerende Lindenstraße ausweichen, ist möglicherweise ein Chaos vorprogrammiert.

Potsdamer Allee Stahnsdorf

Teure und lange Baumaßnahme

Die Bauarbeiten sollen mindestens bis zum Jahr 2020 dauern. Wenn man in diesem Zusammenhang die bereits vor Baubeginn um mehr als 50 Prozent gestiegenen Kosten betrachtet, kann man es so manchem alteingesessenen Stahnsdorfer nicht verübeln, wenn ihm Parallelen zum Flughafen BER einfallen. Bei Voruntersuchungen hat man festgestellt, dass mehrere tausend Tonnen pechhaltiges Material entsorgt werden müssen, und man weiß nicht, was auf dem Baufeld noch an Überraschungen lauert. Das wird aber spätestens dann klar, wenn der Zweckverband „Der Teltow“ die Trink- und Schmutzwasserleitungen erneuert und dafür große Öffnungen ausschachtet, und auch für die geplanten vier Kreisverkehre wird weiträumig Erdreich ausgegraben. Gut möglich, dass die veranschlagten 5,25 Mio. Euro nicht reichen werden.

An die Probleme der anliegenden Geschäftsleute mag man da gar nicht denken, denn auch wenn während der Bauarbeiten ein großer Teil der Strecke einspurig befahrbar bleibt und zur Zeit der Vollsperrung einige Firmen wie das Autohaus Breitenwischer und die Tankstelle auf Umwegen erreichbar bleiben, wird jeder, der nicht im Stau stecken bleiben möchte, doch eher eine größere Umfahrung wählen. Da die Gemeinde Stahnsdorf parallel dazu neue Gehwege baut und – wie bereits erwähnt – noch Wasserrohre erneuert werden, dürfte so mancher Kunde die Baustelle meiden und ganz wegbleiben, zumal es laut Bauplan nach Fertigstellung an der gesamten Potsdamer Allee nur noch 69 Pkw-Stellflächen geben wird – schlecht für die Geschäfte.

Bis Mai haben die Stahnsdorfer jedoch noch eine „Gnadenfrist“, denn zunächst wird die aufwändige Maßnahme europaweit ausgeschrieben, erst dann erfolgt der Baubeginn. Der durch die neue Umfahrung L 40 bedingte Rückbau der Potsdamer Allee von einer Landesstraße zur Kreisstraße wird zum größten Teil vom Land Brandenburg gefördert – allerdings unter der Bedingung, dass man sich strikt an genormte Vorgaben hält. So wird nach Fertigstellung in jede Richtung nur noch ein Fahrstreifen zur Verfügung stehen, der im westlichen Teil bis zum Schleusenweg zusätzlich noch für Autofahrer und Radfahrer unterteilt ist (so spart die Gemeinde auch Kosten für den Bau separater Radwege). Der Fußweg befindet sich dann hinter einem Grünstreifen, und die beiden Richtungsfahrspuren werden auf diesem Abschnitt durch eine breite begrünte oder teils auch gepflasterte Mittelinsel voneinander getrennt.

Da außerdem keine Haltebuchten für Busse vorgesehen sind und diese wohl nicht von allen Fahrzeugen links überholt werden können, dürfte sich der Autoverkehr hinter den haltenden Bussen aufstauen. Das gilt natürlich ebenso für Lkw wie Müll- und Lieferfahrzeuge.

Mögliche Situation durch den geplanten Kreisverkehr in der Potsdamer Allee.

Brisant könnte die Situation vielleicht dann werden, wenn sich ein Rettungsfahrzeug den Weg durch die Potsdamer Allee bahnen muss. Um das zu verdeutlichen, wird hier auf Grundlage des veröffentlichten Plans eine solche Lage im fertig ausgebauten Zustand konkret simuliert (an der Friedrich-Naumann-Straße): Im Kreisverkehr stehen viele Autos im Stau, da ein Bus an der Haltestelle steht (Mitte) und gerade auch noch ein Müllfahrzeug (rechts) beladen wird (siehe Grafik). Das Rettungsfahrzeug (ganz links) kann nicht überholen oder auf die andere Fahrbahn ausweichen, da es über die Grünstreifen fahren müsste, es käme dann aber wegen des Gegenverkehrs auch nicht weiter. Eine ähnliche Situation könnte sich auch während der Bauphase ergeben, weil die Fahrbahn dann teilweise sehr eingeengt ist. Da kann man nur hoffen, dass dieses Szenario nur ein theoretisches Modell bleibt, weil zukünftig die meisten Fahrzeuge nur noch über die L 40 fahren und die Potsdamer Allee meiden. Jan Bergler, Leiter des zuständigen Kreisstraßenbetriebs, macht sich jedenfalls keine Sorgen und verweist auf Absprachen mit Polizei und Rettungsdiensten, die keine Einwände vorbrachten.

Auf der Gesamtstrecke hat man vier Kreisverkehre eingeplant, einerseits, um Staus an Kreuzungen zu vermeiden und andererseits, um etwas Tempo aus dem Verkehr zu nehmen. Das ist ein vernünftiger und durchaus nachvollziehbarer Gedanke, und nächtliche Auto- oder Motorradrennen dürften damit der Vergangenheit angehören. Dort, wo immer der größte Stau auftritt – nämlich am Stahnsdorfer Hof –, wird es jedoch keinen Kreisverkehr geben. Der überwiegend vom Land Brandenburg finanzierte Umbau macht nämlich genau an dieser vielbefahrenen Kreuzung halt. Man darf gespannt sein, welche zukünftigen Verkehrslösungen diesen Bereich später einmal entlasten werden.

Vom regionalen Busunternehmen war indes zu erfahren, dass während der jahrelangen Bauphase versucht werden wird, weiterhin einen regelmäßigen öffentlichen Nahverkehr aufrechtzuerhalten. Da die Baupläne aber noch nicht ganz endgültig sind – aus finanziellen oder bautechnischen Gründen könnte es noch zu leichten Abänderungen kommen –, werden die Ersatzfahrpläne und neuen Linienstrecken erst später veröffentlicht. Eines wird man aber nicht vermeiden können: Dass die umgeleiteten Busse auf dem Güterfelder Damm beziehungsweise der Lindenstraße – dort, wohin auch der Autoverkehr ausweicht – im Stau stehen werden.

Die Auswirkungen dieses straßenbautechnischen Megaprojekts sind so groß, dass die Gemeinde noch weitere Informationsveranstaltungen plant, auf denen die Bauvorhaben und die verkehrstechnischen Abläufe ausführlich erläutert werden. Auch will man nochmals mit Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten Rücksprache halten und versuchen, bestehende Einwände von Anliegern zu berücksichtigen. Ob es gelingt, alle skeptischen Stahnsdorfer Bürger zu überzeugen, bleibt abzuwarten. Inzwischen kursieren schon Wetten, wie lange die schönen neuen Grünstreifen den im Ort umherstreifenden Wildschweinhorden standhalten könnten.

Text: KP / Grafiken: MK / Bilder: Verlag

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