Marina oder Trocken-Marina?

Gut von Bürgern besucht war der Hafenausschuss der Stadt Teltow Ende März. Aufsehen erregt hatte der Tagesordnungspunkt, der ein alternatives Konzept für die Marina Teltow präsentieren sollte. Dafür luden Vertreter der Fraktion LINKE / Umweltaktive / BfB / Piraten sowie der B.I.T. den Sachverständigen für bauliche Anlagen der Sportschifffahrt und Wassertourismusexperten Professor Dr. Heiner Haass aus Hannover ein. Ein Konzept oder eine Vorplanung erwartete die Gäste und Stadtverordneten nicht, dafür stellte Prof. Dr. Haass – der nicht in seiner Funktion als Sachverständiger, sondern als Privatmann anwesend war – seine Überlegungen einer Trockenmarina vor, wie man sie auch in Teltow umsetzen könnte. Die Informationen seines Vortrages stammen aus einer seiner Vorlesungen an der Hochschule Anhalt, die er im Jahr 2015 hielt.

Das Modell Trockenmarina sieht vor, Boote auf dem Land an Steganlagen oder in Hallen unterzubringen, ein Hafenbecken würde dagegen nahezu wegfallen. Mit Hilfe eines Lifts wäre es dann möglich, die Boote innerhalb von 20 bis 30 Minuten ins Wasser zu setzen. Als Vorteile nannte Prof. Dr. Haass die geringeren Erstellungskosten der Anlage. „Die Investitionskosten betragen im Vergleich zu einer herkömmlichen Marina nur 40 Prozent“, sagt Prof. Dr. Haass. Dazu sei kein Unterwasserschutz nötig, die Boote würden an Land nicht von Osmose befallen und wären im Falle einer Unterbringung in einer Bootshalle, auch Dry-Stock-Storage genannt, vor der Belastung durch UV-Strahlung geschützt. „Das Dry-Stock-Storage dient darüber hinaus auch gleichzeitig als Winterlager“, erklärt Prof. Dr. Haass.

Auch eine Kosten-Nutzen-Schätzung präsentierte der Professor im Hafenausschuss: Bei Investitionskosten in Höhe von etwa knapp fünf Millionen Euro und einem Jahresumsatz von ungefähr 1 Million Euro, könnte die Marina in Kombination mit Serviceleistungen und einem Restaurant einen Gewinn von über 400.000 Euro jährlich erwirtschaften.

In Folge der anschließenden Diskussion ging die Meinung der anwesenden Stadtverordneten sowie Verwaltungsmit-
arbeiter weit auseinander. Bürgermeister Thomas Schmidt sah in dem Vortrag den Beleg, dass die Stadt mit dem Bau der Marina auf einem guten Weg sei, da das Projekt und die im Vortrag vorgestellte Methode nicht weit voneinander entfernt wären. Hans-Peter Goetz (FDP) fragte sich, ob ein Trockenhafen mit großer Lagerhalle und ohne Hafenbecken die Stadt genauso schön machen würde, wie eine offene Marina. Da auch die geplante Marina eine Bootshalle erhalten soll, fragte sich Kay Kudeel (LINKE), ob nicht auch diese Halle das Gesamtbild verschlimmern würde. Um der Ansicht einer bloßen Lagerhalle zu entgehen, soll die Fassade kleinteilig gestaltet werden, dass sei auch im B-Plan dazu beschlossen worden, sagte ihm die 1. Beigeordnete Beate Rietz.

Rolf Kasdorf (B.I.T) dagegen nannte es positiv, dass durch eine Trockenmarina die Erdarbeiten verringert werden würde. Er habe ein „flaues Gefühl“, wenn er an den bevorstehenden Aushub des künftigen Hafenbeckens denkt und kann sich vorstellen, dass dann eine erneute Kostensteigerung des Projektes anstehen könnte.

Ein neues Konzept für eine Trockenmarina wird es vermutlich nicht geben. Da die Stadt bereits sämtliche Verträge für
den Tiefbau unterschrieben hat, könnten Strafzahlungen von 80 bis 100 Prozent der ausgeschriebenen Leistungen ­fällig werden, erklärte Beate Rietz. Weiter sagte sie, dass auch die künftige Marina kein Zusatzgeschäft werde – obwohl man verpflichtet sei, den Betrieb des Hafens aufgrund der Förderrichtlinien abzugeben. Die Stadt würde jedoch unter anderem durch die Pacht Einnahmen verbuchen können. Demnächst starten an der Marina übrigens neue Arbeiten. Nachdem die Rüttelstopfsäulen nördlich der Oderstraße eingebracht wurden, folgen unter anderem eine Flächendrainage und weitere Hafenaushubarbeiten.

 

Foto: An den Planungen soll sich nichts ändern: Die Marina Teltow erhält ein Hafenbecken.

 

Text: ste; Skizze: Wieferig & Partner Ingenieurbüro f. Stadtplanung

 

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