Lieber Vorlesung als Violine
Prof. Dr. Lena Rudkowski ist deutschlandweit die jüngste Juniorprofessorin der Rechtswissenschaft
Seit die weltweite Finanzkrise um sich greift, werden die Forderungen nach der Kontrolle der Banken lauter. Mit welchen gesetzlichen Grundlagen könnte eine solche Kontrolle jedoch realisiert werden? Zu diesem Thema habilitiert derzeit die Juniorprofessorin Lena Rudkowski an der Freien Universität (FU) in Berlin-Dahlem. Obwohl sie ihre Habilitation noch nicht beendet hat, darf sie bereits den offiziellen Titel „Professorin“ tragen. Die 25-Jährige ist deutschlandweit die jüngste Juniorprofessorin der Rechtswissenschaft.
„Mir gefällt an meiner Arbeit, dass ich mich intensiv mit einer Frage beschäftigen kann, die mich fesselt“, erklärt die junge Wissenschaftlerin. Außerdem könne sie in der Forschung die theoretische Vorarbeit für künftige Gesetzgebungsprozesse leisten. Das ist jedoch nur ein Teil ihrer Arbeit. Hinzu kommt die Lehrverpflichtung. Zweimal pro Woche hält Prof. Dr. Lena Rudkowski Vorlesungen im Arbeits- und im Privatversicherungsrecht. Diese beiden Fachgebiete sind ohnehin ihre Forschungsschwerpunkte.
„Ich möchte so sein, wie ich mir früher einen Professor gewünscht habe“, sagt sie. Zum Beispiel sei ihr Credo, stets als Letzte den Hörsaal zu verlassen, um auch zurückhaltenden Studenten zu ermöglichen, Fragen zu stellen. Im Hörsaal eine Vorlesung zu halten, findet Rudkowski wesentlich leichter als vor einem Publikum Violine zu spielen. Sie spricht aus Erfahrung, denn das Musikstudium wäre eine Alternative für sie gewesen.
Von den Studenten fühlt sich die Juniorprofessorin indes akzeptiert und respektiert – trotz ihres jungen Alters. „Zwar schauen manche am Anfang ein wenig skeptisch, gewöhnen sich aber dann schnell an mich“, verrät sie.
Lena Rudkowski wurde 1986 in Berlin-Grunewald geboren, wuchs aber in Wolfsburg auf und ging dort auch zur Schule. 2004 machte sie ihr Abitur und begann danach an der FU in Dahlem ihr Studium der Rechtswissenschaft. 2008 und 2010 absolvierte sie ihre Staatsexamina.
Parallel zum Referendariat arbeitete die Juristin bereits an ihrer Doktorarbeit. Thema: Der Streik in der Daseinsvorsorge. „Ich habe mich unter anderem damit beschäftigt, ob es zulässig ist, wenn zum Beispiel Lokführer oder Fluglotsen einen Bummelstreik machen, sich etwa kollektiv krank melden“, erklärt sie. Seit einigen Jahren habe dieses Thema eine große, praktische Relevanz.
Im vergangenen Jahr wurde Lena Rudkowski schließlich zur Juniorprofessorin berufen. Nun muss sie sich bis 2017 fachlich beweisen, ihre Habilitation schreiben, forschen und lehren. Ihr Ziel: „Ich möchte eines Tages zur richtigen Professorin berufen werden mit einem eigenen Lehrstuhl.“
Fast jede vierte Professur an der FU ist derzeit eine Juniorprofessur. Insgesamt gibt es 98 solche Stellen, 56 davon sind mit Frauen besetzt. Die Juniorprofessur wurde 2002 im Rahmen des deutschen Hochschulrahmengesetzes als Alternative zur Habilitation geschaffen. Damit sollen Nachwuchswissenschaftler die Möglichkeit bekommen, weisungsfrei zu forschen und zu lehren, Erfahrungen in der akademischen Selbstverwaltung zu sammeln und sich für eine Lebenszeitprofessur zu qualifizieren.
Text/Foto: Anett Kirchner

