Selgros, Fußball, Rockkonzerte
Julian aus Stahnsdorf benötigt Hilfe für mehr Mobilität und Selbständigkeit
„Immer musst du auf den alten Geschichten rumkauen“, beschwert sich der 23-jährige Julian über seinen Vater, der lachend ein Missgeschick aus den Schulzeiten seines Sohnes zum Besten gibt. „Und das auch noch, wenn die Presse da ist!“ Eine Szene, die aus einer ganz normalen Familie stammen könnte. Doch Familie Kaufmann aus Stahnsdorf ist keine ganz normale Familie. Julian, ihr jüngster Sohn, ist schwerbehindert. Seitdem er bei seiner Geburt nicht mit ausreichend Sauerstoff versorgt wurde, leidet er an cerebraler Tetraparese – er ist spastisch gelähmt. Die meiste Zeit seines Lebens verbringt er im Rollstuhl. Mit ihm wird er morgens zur Arbeit in die Werkstatt des Diako gebracht, schreibt am Computer oder besucht den Tierpark und Rockkonzerte.
„Wir haben extra einen Schreibtisch so umgebaut, dass der Rollstuhl darunter passt“, erklärt Michael Kaufmann, Julians Vater. Das ist nicht die einzige Anpassung im Haushalt der Kaufmanns, denn das Leben mit einem behinderten Kind ist nicht leicht. „Zuerst wohnten wir in einem Wohnblock in Teltow, aber dort ging es bald nicht mehr mit dem schweren Rollstuhl“, erzählt Regina Kaufmann, Julians Mutter. Deshalb beschlossen die Kaufmanns, ein Haus in Stahnsdorf zu bauen, das ganz auf ein Leben mit Julian zugeschnitten war: eine Rampe vor der Haustür, größere Türen, eine rollstuhlgerechte Dusche ...
„Seitdem wir in dem Haus wohnen, ist Julian richtig aufgeblüht“, lächelt Regina Kaufmann. Sobald er nach Hause kommt, legt er die Jacke ab und fährt in sein Zimmer, wo er Musik hört, Fußball schaut und einfach nur abschaltet. Denn die Arbeit im Diako ist sehr anstrengend. Jede Bewegung kostet Julian unheimlich viel Kraft. Da durch den Sauerstoffmangel bei der Geburt die für die Motorik verantwortlichen Hirnareale abgestorben sind, gehorchen ihm die Muskeln nicht. Doch ein Lächeln gelingt Julian immer. „Er ist ein sehr freundlicher Junge“, bestätigt seine Mutter. Und wenn er mit seinen beiden Geschwistern und deren Freunden zusammen ist, scherzt und albert er wie ein ganz normaler junger Mann.
Familie Kaufmann ist gern für Julian da, obwohl es die Eltern viel Kraft und Nerven kostet. Leider machen ihnen die Ämter die Pflege ihres Sohnes nicht immer leicht. Auch die Wahl der Werkstatt, in der Julian arbeitet, ist nicht optimal, denn das Diako ist auf Menschen mit geistiger Behinderung spezialisiert. Ein junger Mann, der geistig völlig normal ist und sich nur nicht richtig bewegen kann, ist in dieser Einrichtung sehr einsam. „Er hat mir mal gesagt, dass er gar nicht weiß, mit wem er sich dort unterhalten soll“, berichtet seine Mutter niedergeschlagen. „Das macht ihn oft unglücklich.“
Ihn in ein Heim abzuschieben, kommt für Julians Eltern nicht in Frage. Julian liebt es zu Hause, im Kreise der Familie fühlt er sich wohl. Und er kämpft vehement um mehr Selbstständigkeit. „Er will uns so wenig wie möglich um Hilfe bitten. Und wenn die Nachbarin nach dem Rechten sieht, wenn wir mal kurz nicht da sind, wurmt ihn das.“
Dennoch droht Julian nun ein großer Verlust, denn der Transporter eines befreundeten Kleinmachnower Unternehmers, der ihn in seinem schweren Rollstuhl zum Arzt oder zu Veranstaltungen bringt, soll verkauft werden. Seitdem spart Familie Kaufmann auf den Kauf und Umbau eines neuen Kleinbusses. „Der Fußboden muss mit Schienen und Adaptern versehen werden, damit der Rollstuhl einrastet und gehalten werden kann“, erklärt Michael Kaufmann. „Der Wagen braucht hinten Lampen, eine Rampe, angepasste Sicherheitsgurte, spezielle Stühle und ein anderes Dach.“ Dafür benötigen die Kaufmanns 50 000 Euro. Ungefähr 40 000 Euro haben sie bereits durch Spenden und staatliche Zuschüsse erhalten, doch für die restlichen 10 000 Euro bitten sie um Hilfe. Wer spenden möchte, damit Julian weiterhin mobil und selbstständig bleibt, kann dies auf folgendes Spendenkonto tun: Mobil mit Behinderung e.V., Bank für Sozialwirtschaft, Konto 87 11 300, BLZ 660 205 00, Kennwort: Julian-Mobil. Wer weiß – wenn Julians Vater eines Tages einen Schwank über eine Fahrt im eigenen Transporter erzählt, vielleicht lacht Julian dann aus vollem Herzen mit.
Helke Böttger

