Bundeskanzlerin Merkel gut gelaunt auf Wahlkampftour

Gut gelaunt eröffnete Bundeskanzlerin Angela Merkel am 12. August ihre Wahlkampftour. Insgesamt 50 Wahlkampfauftritte wird sie absolvieren. Leicht sonnengebräunt kam sie aus ihrem Urlaub in Südtirol nach Dortmund. Der Teltower Stadtblatt-Verlag schaute dort einmal vorbei. In der größten Stadt Westfalens fand der erste Auftritt ihrer Wahlkampftour statt. Allerdings fand diese Veranstaltung nicht öffentlich statt, sondern vor knapp über 1.000 Gästen der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA).

Der Bundesvorsitzende der CDA, der Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales in Nordrhein-Westfalen, Karl-Josef Laumann, zeigte sich „hocherfreut über diese große Besucherzahl“ in der Dortmunder Westfalenhalle. Er betonte auch: „Es ist schön, dass wir in Deutschland leben dürfen. Die Deutschen haben das große Glück, dass Angela Merkel in dieser Zeit unsere Kanzlerin ist.“ Keinerlei Bedenken hatte Angela Merkel, ihren ersten Wahlkampfauftritt „in der Herzkammer der Sozialdemokratie, im Ruhrgebiet“ zu eröffnen.

NRW Arbeitsminister Laumann
Fest im Wahlkampfmodus: NRW Arbeitsminister Karl-Josef Laumann

Absage an E-Autoquote

Im Mai verlor Ministerpräsidentin und SPD-Landesvorsitzende Hannelore Kraft die Landtagswahl. Der CDU-Politiker Armin Laschet hat das Amt des Landesvaters im mit fast 17,85 Millionen Einwohnern größten Bundesland Deutschlands seit Juni inne. Dieser Wahlsieg der Union verstärkte im Wahlkampfteam der Bundeskanzlerin die Hoffnung auf einen hohen Sieg am 24. September. Die CDU-Bundesvorsitzende betonte in ihrer Rede, dass die Welt momentan in Unruhe sich befinde und es gäbe „eine Zukunft voller Umbrüche. Im Augenblick steht Deutschland gut da, aber wir leben in einer Phase von Unsicherheit.“

Deutliche Kritik übte sie an den Verantwortlichen der deutschen Automobilindustrie wegen der Dieselabgas-Skandale. „Das, was man da unter den Tisch gekehrt hat oder wo man Lücken in den Abgastesten einfach massiv genutzt hat bis zur Unkenntlichkeit, das zerstört Vertrauen.“ Einer E-Autoquote, wie sie SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz jetzt angemahnt hatte, erteilte die Bundeskanzlerin eine klare Absage. Sie „glaube nicht, dass die Quote für E-Autos durchdacht ist.“

Erstaunlich war, Angela Merkel erwähnte Martin Schulz nicht einmal namentlich. Die Ehre der Erwähnung gab es für einen anderen SPD-Politiker, der in der Region Westfalen zu Hause ist. Der ehemalige Vizekanzler Franz Müntefering wurde von der Kanzlerin gelobt wegen seines Modells einer Rente ab dem 67. Lebensjahr. „Das ist ein ganz faires Konzept“, so Angela Merkel. In der Westfalenhalle traf man sehr viel CDU-Prominenz an. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe, der auch Spitzenkandidat der NRW-CDU ist, der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium Ralf Brauksiepe sowie die Bundestagsabgeordneten Oliver Wittke und Thorsten Hoffmann lauschten ebenfalls den Worten der CDU-Bundesvorsitzenden, wie zahlreiche Kommunalpolitiker, Betriebs- sowie Personalräte.

Oliver Wittke
In der Westfalenhalle traf man viel CDU-Prominenz, z.B. Oliver Wittke (MdB)

Auf Du und Du mit der Kanzlerin

Der Arbeitnehmerflügel der CDU unter Führung von Karl-Josef Laumann redete jeden Teilnehmer mit dem vertrauten „Du“ an. Es hieß zwar „Frau Bundeskanzlerin“ seitens des NRW-Arbeitsministers, der dann aber immer mit „Liebe Angela, Du“ fortfuhr. Laumann lobte die Arbeit der Bundeskanzlerin unter anderem mit diesen Zahlen: „43 Millionen Menschen gehen in Deutschland einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit nach. So viele Beschäftigungsverhältnisse hatten wir noch nie. Heute haben wir mehr offene Lehrstellen als Bewerber. Die Rente ist um 5 Prozent gestiegen und wir waren es, die Ordnung auf dem Arbeitsmarkt geschaffen haben.“ Bundeskanzlerin Merkel dankte im Gegenzug der CDA für die geleistete Arbeit. „Die CDA ist eine Art Botschafter. Die CDA teilt der CDU mit, wo es nicht so gut läuft.“ 

Bettina Szelag, Fraktionsvorsitzende der CDU im Herner Stadtparlament, zeigte sich „sehr erfreut, dass der Wahlkampfauftakt der CDU mit der Bundeskanzlerin als Spitzenkandidatin hier bei uns im Ruhrgebiet stattfindet. Frau Merkel steht für Kontinuität und Weitsicht.“ Die Bundestagswahl ist aber, das weiß natürlich auch die CDU-Bundesvorsitzende, noch lange nicht für die Union gewonnen. Innerhalb der CDU/CSU haben die Strategen wohl die berechtigte Sorge, Anhänger der Union könnten am Wahltag zu Hause bleiben weil man zu siegesgewiss ist. Diese Siegesgewissheit muss aber aus den Köpfen, so die Verantwortlichen der Union. Da „der Wahlkampf Kraft anstrengend und noch nicht gegessen ist“ gab der Dortmunder Bundestagsabgeordnete Thorsten Hoffmann der Bundeskanzlerin bei ihrem Wahlkampfauftritt in Dortmund ein spezielles Geschenk der Region: Einen großen westfälischen Schinken.

Text/Foto: VTN