Was wird aus der Pardemann-Villa in Stahnsdorf?

In Stahnsdorf ist derzeit die Rettung der ehemaligen Fabrikanten-Villa von Albert Pardemann, die Anfang des 20. Jahrunderts in der Ruhlsdorfer Straße 1 erbaut wurde, ein heißes Thema. Nach dem Auszug der letzten Mieter steht das Haus leer. Es gehört zum gemeindeeigenen Immobilienbestand. Einen Verkauf des Hauses hat der Finanzausschuss Ende November abgelehnt.

Pardemann-Villa als Kulturstätte

Die Künstlergruppe ArtEvent möchte das Gebäude im kommenden Jahr für eine Kunstaktion nutzen, um auf das Potenzial des Hauses für eine Kulturstätte aufmerksam zu machen.

„Kunst braucht Raum mit Flair“, sagt Frauke Schmidt-Theilig von ArtEvent, „und in diesem Gebäude könnte endlich eine kulturelle Identität für Stahnsdorf geschaffen werden.“ Unterstützung erhält sie vom bereits 2013 gegründeten Bürgerverein, der für den Erhalt des Hauses kämpft. „Die Gemeinde muss der Kultur einen Raum geben können, in dem Künstler eine Heimat haben“, erklärt Heinrich Plückelmann (SPD).

Unterschiedliche Meinungen zur Finanzierbarkeit

Mitte Dezember konnten konnten sich Interessierte bei einem öffentlichen Rundgang durch die Räume selbst davon überzeugen, dass das Haus stark sanierungsbedürftig ist. „Die vom Gutachter veranschlagten Kosten von 550.000 Euro sind vermutlich nicht ausreichend, um dem Gebäude wieder einen ansehnlichen Anstrich zu geben“, so Christian Kümpel (FDP). „Außerdem hat unsere Gemeinde zwei große Probleme: fehlenden Wohnraum und eine schlechte finanzielle Aufstellung. Deshalb muss hier ein Kompromiss gefunden werden.“

Auch Bürgermeister Bernd Albers (BfB) sieht die Frage um die Zukunft des Hauses eher nüchtern: „Wir können das Geld nur einmal ausgeben und müssen Prioritäten setzen.“ Es steht auch für ihn außer Frage, dass das Gebäude dringend saniert werden muss. Dies könne allerdings ebenso gut durch einen privaten Investor erfolgen. „Eine kostspielige Sanierung des Gebäudes durch die Gemeinde würde den Haushalt zusätzlich belasten.“

Doch es gibt auch andere Ansichten. „Die Gemeinde ist durchaus in der Lage, die Kosten für das Haus zu stemmen“, sagt Wolfgang Brenneis (CDU). „Stahnsdorf muss endlich die notwendige Infrastruktur für die wachsende Einwohnerzahl schaffen, es sei denn, wir wollen weiterhin ein Schlafdorf bleiben.“

Mitunter lohnt ein Blick auf die Kulturschaffenden der Nachbargemeinden. „Wir arbeiten eng mit Carolin Huder von den Neuen Kammerspielen in Kleinmachnow zusammen. Mit ihrer Erfahrung werden wir ein nachhaltiges Konzept für das Haus in der Ruhlsdorfer Straße erarbeiten“, sind die Künstler von ArtEvents vorsichtig optimistisch.

In Großbeeren hingegen organisiert der ortsansässige Kulturverein hochkarätige Veranstaltungen und nutzt – auch ohne hauseigene Heimstatt – in enger Kooperation mit Gemeindeverwaltung, Kirchen und privaten Kulturschaffenden des Ortes deren Spielstätten.

Mehr Raum für Kunst und Kultur

Für Stahnsdorf wünscht sich Albers schon lange größere Räumlichkeiten für Kunst und Kultur. Ein Bürgerhaus ist in Arbeitsgruppen diskutiert worden und am Dorfplatz in der alten Feuerwehr vorgesehen. „Aktuell können wir Kultur nur in kleinem Rahmen anbieten. Hierzu zählen die Bibliothek für Lesungen, das Foyer des Gemeindezentrums für Ausstellungen und das Bürgerhaus Güterfelde für Konzerte“, zählt er auf.

Die Frage um die Zukunft des Gebäudes wird wohl noch einige Zeit für kontroverse Diskussionen sorgen. Das Gebäude solange leer und ungenutzt stehen zu lassen, ist dabei wahrscheinlich die schlechteste Lösung.

 

Text und Foto: M. Pilz