Radiomoderatorin aus Teltow rettet Lebensmittel mit Foodsharing

Über 18 Millionen Tonnen Lebensmittel landen in Deutschland jährlich im Müll – entsorgt von Industrie, Handel, Großverbrauchern und Privathaushalten. Die Wegwerfquote liegt bei beinahe einem Drittel. Zu viel, sagt Radiomoderatorin Jessica Witte-Winter. Vor gut einem Jahr startete sie in der Region Teltow – Kleinmachnow – Stahnsdorf mit Foodsharing, der Abholung und Verteilung von eigenen Lebensmitteln, die sonst im Müll landen würden. Zu diesem Zeitpunkt waren ihr nur Essenskörbe bekannt, in denen man nicht benötigte Lebensmittel im Umfeld anbietet. „Das kam für mich jedoch nicht in Frage. Wir sind eine große Familie, da landet nichts im Müll“, so die dreifache Mutter, die mit ihrer Familie seit vielen Jahren in Teltow lebt.

Sie erfuhr von Foodsaving. Dabei werden nicht verkaufte Lebensmittel von Supermärkten, Bäckereien oder Wochenmärkten vor dem Wegwerfen bewahrt, um sie später kostenlos verteilen zu können. Wer aktiv beim Lebensmittel retten mitmachen möchte, muss zuerst an drei Einführungsabholungen in seinem Umkreis teilnehmen. „An meinem ersten Termin waren wir auf einem Markt in Steglitz. Dort standen nach Marktschluss kistenweise Erdbeeren herum, die ohne das Foodsaving im Müll gelandet wären“, erklärt die Radiomoderatorin. Zusammen mit anderen Helfern begann sie, die Erdbeeren zu sortieren: matschige oder schimmelige Früchte landeten im Müll, genießbare Beeren wurden unter den Helfern aufgeteilt.

Wenig später wurde Jessica Witte-Winter zusammen mit einer weiteren Ehrenamtlichen Botschafterin für die Region TKS. Seitdem versucht sie, weitere Freiwillige für Foodsharing und Foodsaving in der Region zu gewinnen. Durch die geringe Helferzahl ist es in der Region aktuell nicht möglich neue Supermärkte zu gewinnen, die abgelaufene oder nicht mehr ansehnliche Lebensmittel kostenlos zur Verfügung stellen. „Wenn wir einen neuen Partner haben, muss auch gewährleistet sein, dass die Lebensmittel abgeholt und im Anschluss verteilt werden“, erklärt Witte-Winter.

Doch wie läuft das Projekt eigentlich ab? Wer eigene oder Lebensmittel von verschiedenen Einzelhändlern verteilen möchte, meldet sich zuerst auf www.foodsharing.de an. Man kann entweder Fotos von Lebensmitteln machen und online stellen, die man selbst verschenken möchte. Oder aber man macht einen Test, um als Foodsaver angenommen zu werden. Nach den Einführungsabholungen kann man sich online teilnehmende Geschäfte in der Umgebung heraussuchen und sich für einen angegebenen Termin eintragen, an dem die Lebensmittel abgeholt werden müssen. „Ich persönlich teile meine geretteten Dinge anschließend auf. Einen Teil verbrauchen wir in der Familie. Weiteres biete ich online zur Abholung an. Letztens hatten wir zum Beispiel 15 Packungen Schokoküsse, die gingen direkt an die Schulfreunde meiner Kinder “, erklärt Witte-Winter.

Zu Beginn fiel es der früheren Fernsehmoderatorin schwer, Lebensmittel abzuholen, ohne diese zu bezahlen. „Schließlich hat man ja genügend Geld für einen Einkauf. Aber davon muss man ganz schnell wegkommen“, erklärt sie. Es gehe nicht darum Geld zu sparen. Im Vordergrund stehe es, den Anteil an Weggeworfenem zu reduzieren. Da vorher nie bekannt ist, was einen bei einem Geschäft erwartet, verändern sich auch die Essgewohnheiten, verrät Jessica Witte-Winter. Seit sie Lebensmittel rettet, ist auch die Vielfalt beim Essen eine ganz andere. „Allerdings isst man auch mehr“, muss sie zugeben. „Wenn ich beim Bäcker Schokocroissants erhalte und nicht alle bei mir abgeholt werden, esse ich auch mal zwei oder drei, statt nur eines.“

Ihr nächstes Ziel ist es, genügend Menschen in der Region TKS für das Projekt zu gewinnen, um Lebensmittel bei neuen Partnern abzuholen. „Diese Idee ist für alle eine Gewinnsituation. Es ist ein tolles Gefühl, etwas Gutes zu tun“, freut sie sich. Interessierte können sich auf www.foodsharing.de informieren oder per Mail bei Jessica Witte-Winter melden: j.wittewinter@lebensmittelretten.de

Text: ste; Foto: privat