Gärten in Teltow: Pächter fühlen sich betrogen

Vor einigen Jahren als spießiges Kleinbürgertun abgestempelt, erlebten Schrebergärten in den vergangenen Jahren ihren zweiten Frühling. Der Platz ist begrenzt, die Anfrage von Menschen aus der Stadt ungebrochen. Dass ein  Kleingarten der perfekte Ausgleich zum stressigen Alltag ist, dachten sich auch zwei Berlinerinnen. 2010 und 2011 pachteten sie beim Kreisverband Potsdam der Garten- und Siedlerfreunde e.V. (VGS) jeweils ein Grundstück in der Teltower Sparte „Altes Sportfeld“ .  „Uns wurde mitgeteilt, dass es sich um ein auf 99 Jahre durch Erbpacht dem VGS überlassenes Grundstück handele“, so eine der Frauen. Ihr Wunsch nach Erholung im Grünen platzte dennoch.

„Wir fühlen uns hintergangen“, so eine der ehemaligen Pächterinnen. Denn kurz nachdem sie die Pachtverträge unterschrieben hatten, erfuhren sie, dass auf der Gartensparte Wohneinheiten entstehen sollen. Zusammen mit anderen Pächtern wandten sie sich an den für die Gartensparte verantwortlichen VGS. Gefragt wurde unter anderem, ob dem VGS bekannt war, dass das Grundstück geräumt und Wohneinheiten errichtet werden sollten. Diese Frage verneinte der damalige Geschäftsführer des VGS, Friedrich Niehaus.

Wenige Jahre später stehen die beiden Frauen und auch weitere Pächter von Grundstücken der Sparten „Altes Sportfeld“  und „Carl-von-Osietzky“, sowie anderen sich in der Umgebung befindenden Kleingärten ohne ihre Schrebergärten da. Viele Nutzer der Kleingartensparten fühlen sich betrogen durch den VGS. Auch der eigentliche Grundstückseigentümer, Kurt Breitenstein, kritisiert den Verband scharf: „Auch nachdem ich dem VGS mitteilte, dass ich Eigentümer der Flurstücke bin und meine Pläne zur Bebauung kundtat, wurden weiterhin einzelne Parzellen zur Pacht angeboten.“ Schuld bei den Pächtern sehe er nicht. Statt das Grundstück rücksichtslos räumen zu lassen und die Gartenbesitzer dafür aufkommen zu lassen, zahlt er sie für das Verlassen ihres Kleinods mit einem Teilbetrag aus. „Den Restbetrag können sie beim Verband einfordern“, so Breitenstein.

Ob der VGS wirklich wusste, dass er die Flächen nicht mehr verpachten durfte, ist nicht bekannt. Eine Anfrage des Teltower Stadt-Blatt Verlages zur Thematik blieb bisher unbeantwortet.

 

Text/Foto: ste