19-jähriger Teltower kämpft in Togo gegen Diskriminierung

Togo gilt als eines der ärmsten Länder der Welt. Die Infrastruktur ist schlecht und die Wahrscheinlichkeit, sich mit Malaria zu infizieren groß. Alexander Reiffenstuel entschied sich dennoch, in das Land zu reisen. Seit September vergangenen Jahres ist der 19-Jährige vor Ort, absolviert ein Freiwilliges Soziales Jahr.

„Ich war seit Beginn meines letzten Schuljahres entschlossen, nach dem Abitur ein Jahr im Ausland zu verbringen. Vor allem Westafrika mit seiner Kultur reizte mich“, erklärt der Teltower. Eigentlich war es sein Wunsch, den Menschen in Ghana zu helfen. Dieser zerplatzte als er erfuhr, dass die Plätze für den Freiwilligendienst bereits vergeben waren. „Kurzfristig entschied ich mich für Togo. Obwohl ich Französisch, die Landessprache, nur teilweise beherrschte“, erklärt Alexander. Im März 2017 erhielt er die Zusage für den einjährigen Aufenthalt.

Sein Zuhause für die nächsten Monate liegt in Kpalimé, der viertgrößten Stadt Togos. Hier arbeitet er täglich an einer Gehörlosenschule. Vor allem zu Beginn war das für ihn eine Herausforderung, da er nun nicht nur sein Französisch aufbessern, sondern auch die American Sign Language (Zeichensprache) lernen und lehren musste. Sein Tag beginnt täglich um 7 Uhr. Nach dem Flaggenappell unterstützt er den Hauptlehrer beim Unterricht in einer ersten Klasse, die von zehn Kindern besucht wird. Dabei sei vor allem regelmäßig Improvisation und Kreativität gefragt, Lernmaterialien seien nur begrenzt oder gar nicht verfügbar. „Ein Beispiel sind benutzte Flaschendeckel. Diese nutze ich, um mit den Kindern zählen zu üben“, sagt Alexander.

Ohnehin wird der 19-Jährige immer sicherer im Unterrichten. „Ist der eigentliche Lehrer mal krank, leite ich den Unterricht auch schon alleine“, erzählt er stolz. „Der Rollentausch vom Schüler zum Lehrer, das macht mir schon großen Spaß.“ An seinen ersten Tagen in der Schule war er jedoch sehr überrascht, wie die Bedingungen vor Ort sind. „Den Kindern fehlt es an Büchern und anderen Lernmaterialien. Das schränkt die Gestaltung des Unterrichts sehr stark ein.“ Statt in einem Heft, schreiben die Kinder auf einer kleinen Kreidetafel von der großen Tafel ab. „Ich bereite jedoch schon regelmäßig Arbeitsbögen für den Unterricht vor und versuche, die Einheiten vielfältig zu gestalten“, sagt Alexander.

Gemeinschaft Menschen mit Albinismus Atakpamé
Alexander Reiffenstuel beim Besuch der Gemeinschaft von Menschen mit Albinismus in Atakpamé

Die Arbeit in der Gehörlosenschule ist dem jungen Mann jedoch nicht genug. Er möchte in seiner Zeit in Togo mehr helfen. Nach einem Besuch in dem zwei Stunden von Kpalimé entfernten Ort Atakpamé lernte er die Gemeinschaft für Albinos kennen. Diese Menschen werden aufgrund ihrer hellen Hautfarbe, ausgelöst durch einen Gendefekt, nicht selten in afrikanischen Ländern von der Gesellschaft ausgeschlossen, diskriminiert oder sogar gejagt. In einigen Ländern des Kontingents werden Körperteile dieser Menschen für rituelle Praktiken missbraucht. Das hat Alexander glücklicherweise in Togo nicht erlebt. „Sie werden jedoch von großen Teilen der Bevölkerung isoliert oder beleidigt. Diese Menschen leben in ständiger Furcht, das Gewalt gegen sie ausbricht“, erklärt er. Bei seinem ersten Besuch war er schockiert von den unterschiedlichen Geschichten der dort lebenden Menschen und entschloss sich, die Gemeinschaft zu unterstützen. „Diese Menschen werden verachtet. Sie haben keine Aussichten auf sozialen Aufstieg oder Erfolg.“ Daher versucht er nicht nur, die Kinder und Erwachsenen finanziell sondern auch psychisch zu unterstützen. Dazu gehört für ihn auch die Aufklärung und Sensibilisierung der Bevölkerung.

Dabei geht Alexander mitunter eigene Wege. Eher zufällig lernte er die zwei Freiwilligen Tobi und Marie kennen, die bei lokalen Radiosendern arbeiten. „Zusammen arbeiten wir an Reportagen über Menschen mit Benachteiligung“, erklärt er. Er ist davon überzeugt, dass diese Berichte die Einheimischen dazu bewegen, Probleme aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Obwohl er die Zeit in einem fremden Land und neuer Kultur genießt, etwas Sehnsucht hat der Teltower nach seiner Heimat. „Es klingt banal, aber ich vermisse es zum Beispiel, mal wieder einen Döner zu essen. Auch an das fehlende W-LAN oder die Möglichkeit, am Abend etwas zu unternehmen, fehlten mir am Anfang ein kleines bisschen.“ Aus der Sehnsucht wurde Dankbarkeit: „Ich habe gelernt, besondere Privilegien mehr zu schätzen.“ Mit dem Handy bleibt er regelmäßig in Kontakt mit Freunden und Familie. Kleine Päckchen von der Familie, gefüllt mit Süßigkeiten und Lesestoff, lassen ihn die Entfernung zwischen ihm und der Heimat schnell vergessen.

Als Alexander Familie und Freunden seine Entscheidung, für ein Jahr nach Togo zu gehen, mitteilte, waren nur wenige überrascht. „Reiseneugier und Soziale Arbeit haben mich immer gereizt und das wussten viele auch“, erklärt er. Vor allem seine Eltern und Großeltern unterstützten ihn bei der Planung und Realisierung. Derzeit hat Alexander Besuch aus Deutschland. Seine Eltern sind zu Gast und können so hautnah erleben, wie ihr Sohn die Welt ein kleines bisschen besser macht.

Der Teltower Stadt-Blatt Verlag unterstützt die Arbeit von Alexander und möchte daher auf die Spendenmöglichkeiten aufmerksam machen. Zusammen mit der Partner-Organisation Freundeskreis Afrika e.V. bittet er neben finanziellen Spenden auch um Sachspenden für Menschen mit Albinismus in Togo. Das können Sonnenbrillen oder Sonnencreme sein. Auch eine Patenschaft mit Albinokindern ist möglich. Dazu sowie für Nachfragen nach weiteren Projekten kann man Alexander persönlich unter seiner E-Mail-Adresse 17areiffenstuel2@gmail.com kontaktieren.

Materialspenden können zugesendet werden an: Freundeskreis Afrika e.V., Salinenstraße 6-10, 74523 Schwäbisch Hall. Für finanzielle Spenden für das Albino-Projekt können folgende Kontodaten genutzt werden: Empfänger: Freundeskreis Afrika e.V., IBAN: DE23 6229 0110 0114 1440 01, BIC: GENODES1SHA, Verwendungszweck: Albinokinder in Togo

Der 19-jährige Teltower absolvierte 2017 an der internationalen Schule John F. Kennedy  in Berlin Steglitz-Zehlendorf sein Abitur.

Die Welt ist sein Zuhause: In seiner Kindheit lebte Alexander Reiffenstuel jeweils drei Jahre in Neu-Delhi und Kairo.

Vor seinem Freiwilligen Jahr in Togo half er ehrenamtlich in Flüchtlingsunterkünften.

Text: ste / Bild: privat

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