Mystischer Skulpturengarten oder Promi-Friedhof?

Verwitterte Mausoleen, mystisch-magischer Skulpturengarten, stilles Naturparadies, historisch gewachsene Parklandschaft oder Promi-Friedhof? All diese Attribute treffen auf den am westlichen Ortsrand Stahnsdorfs gelegenen Südwestfriedhof zu. Eine geschichtlich wie kulturell bedeutsame Sehenswürdigkeit, die auch ein wunderbares Naherholungsziel für ausgedehnte Waldspaziergänge ist.

„Ein Stück märkischen Waldes, parkartig behandelt, die Gräberplätze weit auseinander, herrlich, schön, friedlich.“ – Mit diesen Worten beschrieb der Schriftsteller Victor Klemperer den einzigartigen Charakter des Südwestkirchhofs. Abgesehen von dieser romantischen wie zutreffenden Beschreibung handelt es sich um einen der größten und bedeutendsten Friedhöfe Deutschlands, der bereits seit 1909 wegen seiner einzigartigen und großzügigen Gestaltung viele Besucher lockt.

Auf dem Südwestfriedhof findet man in einem ausgedehnten Waldareal nicht nur die Gräber von prominenten Persönlichkeiten wie Werner von Siemens, Heinrich Zille oder Nosferatu-Regisseur F. W. ­Murnau, sondern auch eine nach dem Vorbild norwegischer Stabkirchen errichtete hölzerne Kapelle, in der auch Konzerte und andere kulturelle Veranstaltungen stattfinden.

Bei einem Spaziergang mit oder ohne Friedhofsführung kann das 206 Hektar große Areal in Stahnsdorf ausgiebig erkundet werden. Die Führungen finden mehrmals im Monat statt, die Termine werden im Internet bekannt gegeben. Dort sind ebenfalls umfangreiche Informationen über die Geschichte, die Landschafts- und Grabarchitektur sowie aktuelle Sonderveranstaltungen veröffentlicht.

Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz ist Eigentümerin des Südwestkirchhofs, der ursprünglich dazu diente, das Problem der begrenzten Berliner Beisetzungsflächen zu lösen. Dafür wurde sogar eigens eine Friedhofsbahn gebaut, die ab dem Eröffnungsjahr 1913 bis zu ihrer Stilllegung im Jahre 1961 den Standort Stahnsdorf mit den zwei Berliner Bahnhöfen verband. Es war das erste Mal in der Geschichte, dass die Idee eines landschaftlich gestalteten Zentralfriedhofs umgesetzt wurde, kunstgeschichtlich bedeutsam durch die Arbeiten von herausragenden Architekten und Bildhauern.

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden viele Berliner Gräber nach Stahnsdorf verlegt, um Platz für die geplante Reichshauptstadt Germania zu machen. Während der DDR-Zeit wurde der Südwestfriedhof zwar weiter betrieben, doch blieb er für viele Besucher aus Berlin unerreichbar, zumal der Bahnverkehr nach dem Mauerbau eingestellt wurde. Nach der Wende wurde mit der Sanierung und  Restaurierung von Gräbern, Kunstwerken und Friedhofsanlagen begonnen, die jedoch angesichts der umfangreichen Schäden bei Weitem nicht ausreichten. Um die Erhaltung dieser kultur- und kunsthistorisch bedeutsamen Friedhofsanlage kümmert sich deshalb der Förderverein Südwestkirchhof Stahnsdorf e. V.

Dieser sucht überdies Paten, welche die Instandsetzung von Grabdenkmälern als Sponsoren fördern. Eine aktuell geplante Änderung des Brandenburger Bestattungsgesetzes soll erreichen, dass mehr Investitionen getätigt werden, indem sanierte Mausoleen für die private Grabnutzung freigegeben werden. Man hofft, dass die Aussicht, wie im alten Ägypten in einem Sarkophag beigesetzt werden zu können, viele Interessenten lockt. Und wem dies noch nicht außergewöhnlich genug ist, der kann sich wie Schauspieler Manfred Krug auch direkt unter einem Baum bestatten lassen.

Öffnungszeiten des Südwestfriedhofs:
1. April – 30. September – 7 bis 20 Uhr
1. – 31. Oktober – 7 bis 18 Uhr
1. November – 28. Februar – 8 Uhr bis 17 Uhr
1. bis 31. März – 7 Uhr bis 18 Uhr
 

Dieser Bericht und weitere Informationen über Stahnsdorf sind in der aktuellen Bürgerinformation zu finden (erhältlich im Gemeindezentrum Stahnsdorf und im Kundenbüro des Teltower Stadtblatt Verlags in der Potsdamer Straße 57 in Teltow).

Aktuelles aus Stahnsdorf auf dieser Webseite in der Rubrik Stahnsdorf.