Stahnsdorf: Abschussprämie für Wildschweine im Gespräch

Manch einer kann es vielleicht nicht mehr hören, aber die Gemeinde Stahnsdorf ist immer noch nicht Herr der Wildschweinproblematik. Im Frühjahr werden die ersten Frischlinge geboren, die einige Monate später die Region im wahrsten Sinne des Wortes durchwühlen.

An diesem Punkt setzt ein auf der letzten Sitzung der Gemeindevertreter beschlossener Vorschlag der CDU/FDP-Fraktion an. Ab sofort soll jedes erlegte Wildschwein mit 35 Euro prämiert werden. Gewährt wird die Prämie ausschließlich für Tiere bis 30 Kilogramm Lebendgewicht, die auf dem Gebiet der Gemeinde Stahnsdorf geschossen wurden.

Auch in Berlin gibt es seit einigen Jahren eine ähnliche Wildschweinprämie, welche eine rein ordnungspolitische Maßnahme ist, um die innerorts durch die Tiere entstehenden Schäden eindämmen zu können. „Die Prämie steigert die Motivation der Jäger, auch Tiere zu schießen, die noch nicht verwertet werden können“, sagt Lutz ­Wittich, Referatsleiter bei den Berliner Forsten. „Ziel ist es, ein oder zwei Frischlinge aus der Gruppe mit gezieltem Schuss herauszunehmen“, erklärt er. „Die Bache zieht daraufhin ab und meidet das Gebiet in Zukunft.“

Dieser „Vergrämungseffekt“ kann allerdings nur eintreten, wenn gleichzeitig das Nahrungsangebot reduziert wird. Peter Hemmerden, Jagdpächter der Jagdgenossenschaft Stahnsdorf-Kleinmachnow, sieht die „Abschussprämie“ mit gemischten Gefühlen.

„Die Lösung des Problems kann nicht in der Jagd allein liegen. Jeder von uns kann seinen Teil dazu beitragen, damit die Tiere gar nicht erst in die Ortslage hinein gelockt werden“, erklärt er. Dazu gehört vor allem der konsequente Verzicht auf das Bereitstellen von Futtermitteln wie Speiseabfälle auf Komposthaufen. Immer wieder entdeckt Hemmerden  Fütterungsversuche vermeintlicher Tierschützer. „Die Tiere sind klug, merken sich die Futterquelle und wagen sich beim nächsten Mal weiter in den Ort hinein. Die Jäger laufen dann nur noch hinterher“, sagt er.

Durch die Prämie sollen verstärkt die jungen Tiere aus der Population entfernt werden, bevor sie in den Vorgärten Schaden anrichten. „Frischlinge, in kleinerer Anzahl sonst natürlicherweise durch Beutegreifer entnommen, können aufgrund ihrer geringen Größe oft nicht als Lebensmittel verwertet werden“, sagt Achim Gruber, Professor für Tierpathologie und Jäger aus Kleinmachnow.

Die Jagd unterliegt den sehr strengen Anforderungen des Bundesjagdgesetzes. Schießen dürfen ausschließlich berechtigte Personen, in befriedeten Bereichen ist die Jagd sogar nur mit Gestattung der Behörde und Einverständnis des Grundeigentümers zulässig.

In Berlin werden pro Jagdsaison Prämien für bis zu 200 Schweine gezahlt. „Das ist nicht viel, aber der Effekt ist groß“, sagt Lutz Wittich. Daran orientiert sich wohl auch Stahnsdorf. Für 2017 sind Prämien von bis zu 5.000 Euro (ca. 142 Wildschweine) vorgesehen.

Nach dem Schuss wird jedes Schwein in einer nach EU-Recht ausgestatteten Wildkammer zur hygienischen Aufbereitung von Wildfleisch gewogen. „Diese Kammern sind alle mit entsprechenden Wiegevorrichtungen ausgestattet“, sagt Jäger Gruber. Eine Anschaffung durch die Gemeinde sei nicht nötig. Dokumentiert werden kann die Erlegung durch die behördlich vorgegebenen Wild­ur­sprungs­scheine, in denen auch das Gewicht vermerkt ist.

Doch wie kann am Ende sichergestellt werden, ob das Tier tatsächlich auf ­Stahnsdorfer Gemarkung geschossen wurde? „Dafür bedarf es ohne Zweifel eines gewissen Vertrauens in die Gemeindejäger“, so ­Gruber. „Denn jeder Jäger muss eine sehr hohe persönliche Integrität besitzen. Andernfalls würde ihm die Erlaubnis zur Jagdausübung ganz sicher nicht erteilt oder wieder entzogen werden.“

 

Text: pi/ Grafik: pixabay.com