Wildschweine verwüsten Gärten und Grünanlagen

Wildschweine sind respektlos – das musste Jagdpächter ­Peter ­Hemmerden jüngst selbst erfahren. Nicht einmal vor seinem Grundstück schreckten die Tiere zurück. Nachts klaute ein Schwarzkittel ihm die Kirschen vom Baum. Bei ihm blieb es dabei, andere Einwohner in Kleinmachnow und Stahnsdorf haben da mehr Schäden zu beklagen.

Zerwühlte Gärten und Grünanlagen werden derzeit wieder vermehrt gemeldet. Die Wildschweine sind zurück, oder besser: Ihre Population ist wieder angestiegen. Schon 30 Prozent mehr Tiere als im Vorjahr haben die Jagdpächter in den beiden Gemeinden erlegt. „Dabei fängt die Jagdsaison erst an“, sagt ­Hemmerden. Auch der Etat für Wildschweinschäden der Gemeinde Kleinmachnow war am 31. August bereits ausgeschöpft, wie Bürgermeister ­Michael ­Grubert berichtet. „Wir leben damit, dass die Wildschweine immer mal wiederkommen und dass die Population steigt, wir können aber durch eigene Maßnahmen verhindern, dass sich die Wildschweine hier wohlfühlen“, betont der Bürgermeister. Dabei sind die Einwohner selbst gefordert.

Die Grundstücke müssen eingezäunt und die Tore geschlossen werden. Die Tiere sollten auch nicht gefüttert werden – egal ob vorsätzlich oder aus Unwissenheit. Dazu gehören auch liegengelassenes Fallobst, das die Tiere in die Gemeinden zieht, und im öffentlichen Raum entsorgte Grünabfälle. Die werden warm und zum Unterschlupf für Kleinsttiere, die von den Wildschweinen gefressen werden. Auch am Abend vor der Abholung bereitgelegte gelbe Säcke locken die Tiere an. „Wir müssen die Anreize, in unsere Gemeinden zu gehen, reduzieren“, sagt Hemmerden.

Er und elf weitere Jagdpächter sorgen ebenfalls dafür, dass die Population nicht steigt. „Wir bejagen die Pachtjagdgebiete intensiv und nachhaltig“, betont er. Grundlage für die Jagdpächter ist das Jagd- und das Waldgesetz, dessen Ziel die Hege und der Schutz der Tiere ist. „Wir sind keine Killer, die versuchen, so viele Wildschweine wie möglich zu jagen“, sagt er. Trotzdem müssen er und seine Kollegen sich regelmäßig verbale Attacken und Beleidigungen gefallen lassen. Das liegt oft an der Waffe, die sie mit sich führen. Zwar gibt es neben den rund 1.000 Quadratmeter großen Waldflächen auch einige Gebiete mit Sondergenehmigung, wo sie schießen dürfen, doch das passiert äußerst selten. Denn „von der Jagd darf keine Gefahr ausgehen. Wir brauchen einen sicheren Kugelfang, wir dürfen keine Personen- oder Sachschäden in Kauf nehmen“, erklärt Jagdpächter Jörg ­Fenske. In Zukunft sollen die Jagdpächter mit einer Warnweste ausgestattet werden, die sie als solche zu erkennen gibt, inklusive Wappen der Gemeinden Kleinmachnow und Stahnsdorf.

Neben denen, die die Jagd ablehnen, gibt es aber auch Einwohner, denen die Jagdpächter nicht genug schießen. Viele hätten Angst vor den Tieren, obwohl es dafür eigentlich keinen Grund gebe, weiß ­Hemmerden. Bei der Begegnung mit einem Wildschwein empfiehlt er, Ruhe zu bewahren und die Tiere nicht in die Enge zu treiben. „Wildschweine sind keine Raubtiere, sie fallen keinen Menschen an. Doch wenn sie in Panik sind, können sie schon mal jemanden umrennen.“ Man sollte den Tieren mit Respekt begegnen, im Wald auf den Wegen bleiben und vor allem die Hunde dort an der Leine halten, so ­Hemmerden. 

 

Foto: Die Jagdpächter Jörg Fenske und Peter Hemmerden sowie die Bürgermeister Bernd Albers und Michael Grubert (von links) begutachten den Wildschweinschaden am Rathausmarkt.

 

Text und Foto: go

 

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