Kleinmachnow: Zweite Ausstellung des Museums

Auf dem Weg zu einem Museum für Kleinmachnow bereiten derzeit BürgerInnen der Museumsinitiative und des Heimatvereins Kleinmachnow zusammen mit Kuratorin Alexis Hyman Wolff eine zweite Ausstellung vor. In den Sommermonaten bis September 2017 widmen sie sich dem Thema „WURZELN“ in seiner assoziativen Vielfalt und untersuchen in unterschiedlichen Projekten die historischen, persönlichen, botanischen und poetischen Aspekte der Wurzel.

Als Villenkolonie und Siedlung wurde Kleinmachnow Anfang des 20. Jahrhunderts als Wohnort angelegt, der den BewohnerInnen ein Leben im Grünen ermöglichte, ein Eigenheim mit Garten, wo Familien gegründet und Wurzeln geschlagen werden konnten. Aber aufgrund der Lage an der Grenze Berlins zum Land Brandenburg hatten hier politische Ereignisse oder Umwälzungen wie der Nationalsozialismus, der zweite Weltkrieg, die DDR und der Fall der Mauer große Wellen von Wegzug und Zuzug zur Folge. Das historische Verkaufsbüro von Adolf Sommerfeld, Bauunternehmer und Gründer der Kleinmachnower Bürgerhaus-Siedlung, wo die Ausstellung stattfindet, versinnbildlicht nicht nur die Erfüllung der Sehnsucht nach einem eigenen Zuhause, sondern auch Sommerfelds Enteignung und Vertreibung 1933 als jüdischer Bürger.

Für die Ausstellung soll durch ZeitzeugInnen-Interviews der Blick auf die gelebte Geschichte Kleinmachnows gerichtet werden, insbesondere auf diese unterschiedlichen Wellen des Zuzugs und Wegzugs, der Verwurzelung und Entwurzelung, die diesen Ort kennzeichnen.

Hinzu kommt die Frage, wie Menschen im Lauf ihres Lebens an unterschiedlichen Orten heimisch werden, wie wir mehrfach geprägt und verwurzelt sind und was die Zugezogenen aus anderen Orten mit nach Kleinmachnow bringen.

Zum weiteren Aufbau einer virtuellen „Sammlung aus der Bevölkerung“ für das zukünftige Museum, werden KleinmachnowerInnen diesmal gebeten, Objekte, Fotos und Geschichten zur Verfügung zu stellen, die sie mit „WURZELN“ in Verbindung bringen. Es können Dinge sein, die mit der Erfahrung vom Wurzeln schlagen in Kleinmachnow zu tun haben; es können Erbstücke sein, oder Dinge, die eine Verbindung zum Ort, zu Menschen, zur Kultur, zu der Sie sich zugehörig fühlen, haben; es können Dinge sein, die mit Garten und Pflanzen zu tun haben, usw.

Der Garten, als wesentlicher Bestandteil des Lebens in Kleinmachnow nimmt auch in der Ausstellung einen wichtigen Platz ein: Ziergärten und Lustgärten, Gärten als Mikrokosmen, als repräsentative Orte oder als Rückzugsorte jenseits der Politik und der Ideologien. Gesucht und gesammelt werden Fotos von Kleinmachnower Gärten. Präsentiert wird auch die Geschichte der Gärtnerei Schöwel, die seit 1955 auf der Fläche der ehemaligen Schlossgärtnerei Kleinmachnower BürgerInnen mit Pflanzen versorgt.

Die Wurzel wächst als sich verzweigendes System in der Erde sowie in unserer Vorstellung. Botanische sowie künstlerische und kreative Zugänge werden von lokalen Künstlern und Wissenschaftlern sowie von der Museumspädagogin Danja Erni in ihrer Arbeit mit den lokalen Schulen und Jugendlichen erkundet. Beispiele sind eine räumliche Arbeit, bei der das Thema „WURZELN“ körperlich erlebbar wird, eine Sammlung von Kleinmachnower Pflanzen als zeitgenössisches Herbarium, oder ein alchemistischer Zugang, bei dem aus Wurzeln und Pflanzen Farbe hergestellt und damit Bilder gemalt oder gedruckt werden können.

 

Text: Gemeinde Kleinmachnow: Grafik: Katja Großkinsky

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