Großbeeren: Schulessen-Kosten schmecken Eltern nicht

Wut und Verwunderung überkam vor wenigen Wochen Eltern, deren Kinder in der Schule am Mittagessen teilnehmen. Statt 1,50 Euro soll eine warme Mahlzeit nun 2,95 Euro und damit fast das Doppelte kosten. Die neuen Preise gelten, sobald der Umzug des Hortes in die neuen Räumlichkeiten stattgefunden hat. Nachdem das Informationsschreiben bei seinen Empfängern ankam, entbrannte auf Facebook eine hitzige Diskussion: „Dabei ist das Essen eine Preiserhöhung überhaupt nicht wert“ oder „… eine Preissteigerung von knapp 100 Prozent würde ich auch nicht so einfach hinnehmen. Das ist auf den Monat gerechnet für viele Eltern gar nicht machbar“, kommentierten die betroffenen Eltern.

Überraschung und Verärgerung über Mitteilung

Unklar war den Empfängern der E-Mail anfangs auch, weshalb sich das Essensgeld erhöht. In dem Schreiben des Anbieters Clauert Catering hieß es, dass der Essenspreis sich „aufgrund einer Anordnung durch die Gemeinde Großbeeren“ erhöhe und „eine Essensversorgung nur zu diesem Preis gewährleistet werden kann.“

Bürgermeister Carl Ahlgrimm nahm die Information des Catering-Unternehmens „mit großer Überraschung und auch Verärgerung“ zur Kenntnis. Das erklärte er in einer schriftlichen Antwort. Der Grund für die Erhöhung sei keinesfalls der Umzug der Schulküche in die eigens für die Schulspeisung vorgesehene Mensa im neuen Hortgebäude: „Diese Mitteilung ist nicht nur in ihrer Begründung fehlerhaft, sie ist auch in ihrer Aussage nicht zutreffend“, heißt es in dem Brief des Bürgermeisters weiter.

Falsche Kalkulation seit November 2017 

In einigen Kommentaren in den sozialen Medien wurde bereits gemunkelt, ob der Hort-Neubau mit den zusätzlichen Einnahmen finanziert werden solle. Grund für die Erhöhung sei jedoch etwas anderes: Nachdem die Gemeinde infolge von Beschwerden über die Qualität des Essens die Verpflegung öffentlich neu ausschrieb, bewarben sich zwei Bewerber. Da einer die Anforderungen nicht erfüllen konnte, entschied sich die Gemeinde für den bisherigen Lieferanten Clauert Catering. Aufgrund der Beschwerden über die Qualität des Essens entschieden die Gemeindevertreter wenig später, sich von den gemeindeeigenen Küchenkräften in der Schulküche zu trennen und auch die Zubereitung der Mahlzeit vor Ort an den Caterer zu übertragen. „Genau diese nunmehr vom Caterer zu erbringende zusätzliche Dienstleistung ist also der wesentliche Grund  für den Preisanstieg des ausgegebenen Essens“, so Ahlgrimm und weiter: „Diese Änderung und damit auch der neue Abgabepreis des Essens in Höhe von 2,95 Euro hätten eigentlich bereits mit dem Inkrafttreten des neuen Catering-Vertrages am 1. November 2017 von der Firma Clauert Catering berücksichtigt werden müssen.“ Diese jedoch hatte die Differenzzahlung von der Gemeinde erwartet, anstatt diese auf die Essenspreise für die Eltern draufzuschlagen.

Gemeinde und Caterer einigten sich daraufhin, die neuen Preise ab Eröffnung des neuen Hortgebäudes und damit der neuen Schulküche gelten zu lassen. Für die Übergangszeit von etwa vier Monaten übernahm die Gemeinde noch einmal die Differenz. Eine Verlängerung der Preisreduzierung im Sinne einer Fortführung dieser vorübergehenden Bezuschussung des Preises sei laut Schreiben des Bürgermeisters jedoch nicht möglich. Grund dafür ist, dass die Personalmittel der früheren drei Küchenkräfte aus dem neuen Gemeindehaushalt ersatzlos entfallen.

"Keinen Cent mehr für schlechte Qualität"

Bei Facebook kündigten bereits mehrere Erziehungsberechtigte an, ihre Kinder vom Schulessen abzumelden. Neben der Erhöhung um fast 100 Prozent wird weiterhin die Qualität des Essens kritisiert: „Ich werde den Vertrag definitiv kündigen. Trotz neuer Auflagen schmeckt das Essen trotzdem nicht, 1,50 Euro war noch zu verkraften, aber eine fast 100 Prozent Erhöhung ist nicht gerechtfertigt“, heißt es unter anderem in einem Kommentar.

Unverständnis herrscht vor allem, da das Schulessen bis dato von der Gemeinde durch die Arbeit gemeindeeigenen Personals bezuschusst wurde. Da es sich jedoch nicht um das bezuschussungspflichtige Kitaessen, sondern die Verpflegung in der Schulzeit handele, müsse die Gemeinde nichts dazugeben. Das regele das Schulgesetz des Landes Brandenburg.

In der aktuellen Beratungsfolge wird die Thematik durch die Gemeindevertreter besprochen. So wird unter anderem darüber nachgedacht, das Schulessen für Schüler bis einschließlich der 6. Klasse auf zwei Euro zu senken und somit zumindest einen Teil der Kosten zu übernehmen. Ob der Vorschlag letztlich durch alle Gemeindevertreter abgesegnet wird, ist derzeit unklar.        

 

Text: Stadt-Blatt Verlag / Foto: pixabay

Wir verwenden Cookies, um die Zugriffe auf unsere Seite auswerten zu können. Für diese Analyse wird Ihre IP-Adresse anonymisiert gespeichert. Rückschlüsse auf Ihre Person sind somit nicht möglich. Wenn Sie sich gegen ein zukünftiges Tracking entscheiden, wird in Ihrem Browser ein Cookie eingerichtet, der diese Auswahl für ein Jahr speichert. Annehmen, Ablehnen

698