Verkehrsunfallbilanz: Mehr Tote auf Brandenburgs Straßen

Nicht angepasste Geschwindigkeit, Missachtung der Vorfahrt, mangelnder Abstand – auf Brandenburgs Straßen ist es gefährlicher geworden. Laut aktuellem Verkehrsunfallbericht ist die Zahl der tödlichen Unfälle auf Brandenburgs Straßen ist im vergangenen Jahr gestiegen. Bei „Brummi-Unfällen“ wurden 73,3 Prozent der Verkehrsunfälle durch die Fahrer der Güterfahrzeuge selbst verursacht.

Steigende Unfallzahlen, kaum Anstieg der Verletzten

In Brandenburg ereigneten sich im Jahr 2017 insgesamt 85.370 Verkehrsunfälle bei denen 11.355 Menschen verletzt wurden. 2016 waren es noch 82.612 Unfälle. „Das ist insgesamt keine gute Entwicklung. Damit können wir alle nicht zufrieden sein. Häufigste Unfallursachen sind leider wieder überhöhte Geschwindigkeit und das Missachten der Vorfahrt,“ teilte Innenminister Karl-Heinz Schröter der Presse mit. Auch Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke verwies in diesem Zusammenhang auf die Ergebnisse der Verkehrskontrollen der Polizei. Danach stieg die Zahl der festgestellten Geschwindigkeitsverstöße um mehr als drei Prozent auf 1,6 Millionen. 2016 waren es 1,54 Millionen. Auch die Zahl der Fahrten unter Drogen erhöhte sich im Jahr 2018 um 375 auf 1.815 (2016: 1.440). 3.912 Verkehrsteilnehmer wurden alkoholisiert hinter dem Steuer angetroffen, etwas weniger als im Jahr zuvor (2016: 4.005).

„Alle an der Verkehrssicherheitsarbeit Beteiligten müssen ihre Anstrengungen weiter forcieren. Das gilt für Repression, Prävention und Infrastruktur gleichermaßen. Die Sicherheit im Straßenverkehr zu erhöhen ist eine Daueraufgabe, nicht zuletzt auch für die Verkehrsteilnehmer selbst. Die Bekämpfung der Hauptunfallursachen wird mit hohem Kontrolldruck auch zukünftig weiter im Mittelpunkt der Verkehrssicherheitsarbeit der Polizei stehen. Das steht fest“, so Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke.

Mit 85.370 Verkehrsunfällen ist in Brandenburg insgesamt ein Anstieg der Verkehrsunfallzahlen gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen: Im vergangenen Jahr krachte es 2.738 mal häufiger, als 2016. Positiv: Brandenburg gehört mit zu den sichersten Bundesländern (459 Verletzte je 100.000 Einwohner), da es vergleichsweise wenige Verletzte im Straßenverkehr gab. Mit einem Plus von 16 verletzten Personen ist die Zahl der Verletzten mit 11.355 nahezu gleich geblieben.

Verunfallter Pkw (c) pixabay

Tödliche Verkehrsunfälle haben zugenommen

Bei den tödlichen Unfällen ergibt sich jedoch ein völlig anderes Bild: Nachdem Brandenburg 2016 im Bundesvergleich noch im letzten Drittel der Verkehrstoten je eine Million Einwohner lag, wird das Land im Jahr 2017 mit 59 Verkehrstoten je eine Million Einwohner gemeinsam mit Sachsen-Anhalt das Schlusslicht aller Bundesländer bilden. Der Rückgang von 58 Verkehrstoten (179 auf 121) im Jahr 2016 hat sich im vergangenen Jahr in einen Anstieg umgekehrt.

Die Zahl der Verkehrstoten stieg um 22,3 Prozent (+27 Tote) und unterliegt nach nahezu kontinuierlichen Rückgängen bis zum Jahr 2014 seit dem Jahr 2015 deutlichen Schwankungen. Der Langzeittrend bleibe zwar positiv – im Jahr 1991 starben auf Brandenburgs Straßen noch 931 Menschen – aber die Zahlen des letzten Jahres böten „Anlass zur Sorge“, betonte Innenminister Karl-Heinz Schröter. Positiv hervorzuheben ist, dass 2017 kein Kind im Straßenverkehr getötet wurde. Leider wird es in 2018 anders aussehen, denn es gab am 24. Januar 2018 einen tragischen Unfall in der Stadt Brandenburg an der Havel, bei dem ein 10-jähriges Mädchen von einem abbiegenden LKW überrollt wurde.

„Wir bedauern sehr, dass im Vergleich zu 2016 mehr Menschen im Straßenverkehr ums Leben gekommen sind“, betont Infrastrukturstaatsekretärin Ines Jesse. Das Ergebnis der Verkehrsunfallbilanz zeige jedoch, dass dass die Verkehrssicherheitsarbeit im Land fortgeführt werden muss. „Dafür engagieren wir uns seit Jahren. Unfallschwerpunkte werden baulich entschärft und mit der Verkehrssicherheitskampagne sind wir seit 20 Jahren in allen Landesteilen unterwegs – um nur zwei Beispiele zu nennen. Allein durch die Arbeit der vielen hauptamtlichen und ehrenamtlichen Akteure aber, ist die Unfallbilanz nicht beeinflussbar. Alle, die am Verkehr teilnehmen, egal ob zu Fuß, per Rad oder mit dem Auto müssen die Regeln beachten und aufmerksam bleiben, wenn sie unterwegs sind.“, so Jesse weiter.

Autrobahnstau (c) pixabay

Nicht nur in Brandenburg gab es in 2017 mehr Verkehrstote

In den Ländern Baden-Württemberg, Brandenburg, Rheinland-Pfalz, Saarland und Thüringen gab es 2017 mehr Verkehrstote als im Vorjahr – anders als in den übrigen Ländern und in Deutschland insgesamt. In Brandenburg ereignete sich der Hauptanteil der Verkehrsunfälle innerorts (54.195 oder 63 Prozent). Innerorts wurden zwar nicht die meisten Verkehrstoten registriert, wohl aber ist der Anstieg der Verkehrstoten hier mit 46,9 Prozent von 32 auf 47 am höchsten.

Am deutlichsten gestiegen ist die Anzahl der Verkehrstoten in den Unfallursachen Geschwindigkeit um 23,5 Prozent (von 34 auf 42) und Vorfahrt um 60 Prozent (von 10 auf 16). Etwa 39 Prozent (58) aller Verkehrstoten in Brandenburg sind auf diese beiden Unfallursachen zurückzuführen. Mit 2.301 Verletzten und einem Anstieg zum Vorjahr um 5,1 Prozent (2.189) stellt die Unfallursache Vorfahrt auch einen großen Anteil (20,3 Prozent) an den insgesamt im Straßenverkehr Verletzten dar.

In die Kategorie Baumunfälle gehörten im vergangenen Jahr 1,9 Prozent aller Unfälle. Allerdings sind nahezu 8 Prozent aller Verletzten und fast 35 Prozent der Verkehrstoten durch so genannte Baumunfälle zu Schaden bzw. ums Leben gekommen. Der Anteil an den Verkehrstoten ist von rund 25 Prozent in 2016 auf 35 Prozent in 2017 gestiegen, ebenso wie die Anzahl der Verletzten (+ 4,9 Prozent).

Problematisch bleiben die Unfälle im Güterverkehr. Diese Unfälle sind insgesamt um 11,4 % auf 14.164 gestiegen. Die Polizei registrierte in Brandenburg 39 Verkehrstote im Zusammenhang mit LKW-Unfällen, ein Anstieg um 14,7 %. 73 % dieser Verkehrsunfälle wurden durch Fahrer von Güterkraftfahrzeugen selbst verursacht. Da der LKW-Verkehr auf den Autobahnen – und hier insbesondere auf der zentralen Ost-West Transitstrecke – zukünftig deutlich zunehmen wird, besteht hier weiterhin Handlungsbedarf.

In anderen Verkehrsteilnehmergruppen mussten ebenfalls Anstiege bei den Verkehrstoten verzeichnet werden, so ist die Anzahl der getöteten Motorradfahrer um 46,7 % von 15 auf 22 und die Anzahl der getöteten Fahrradfahrer sogar um 100 % (von 13 auf 26) gestiegen. Die Anzahl der verletzten Motorrad- und Fahrradfahrer ist dagegen gesunken. Gestiegen ist dagegen die Anzahl der getöteten wie auch verletzten Senioren. So erhöhte sich der Anteil der getöteten Senioren von 38 auf 43 um 13,2 %.

Hinweis: Bei einem Unfall zählt jede Minute. Deshalb bei einem Stau unbedingt eine Rettungsgasse bilden, die Rettungskräfte nicht in ihrer Arbeit behindern und Smartphones bitte in der Tasche lassen.

Text: pst/PM / Fotos: pixabay CC0 Creative Commons / Video: rettungsgasse (youtube)

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