Psychologie des 21. Jahrhunderts: Weltkongress in Berlin

Seit dem 8. Oktober informieren und kommunizieren mehr als 10.000 Experten beim 17. Weltkongress der Psychiatrie und Psychotherapie in Berlin über die neuesten Entwicklungen und Erkenntnisse auf ihrem Gebiet. Das wichtigste Ziel ist für alle die Verbesserung der Gesundheitsversorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen. Noch bis zum 12. Oktober findet der Kongress der World Psychiatric Assosiation (WPA) mit Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) statt. Auf rund 900 Einzelveranstaltungen können die Experten sich austauschen und Netzwerke aufbauen, sich aus- und weiterbilden. Die Themen reichen von A wie Angststörung bis Z wie Zwangserkrankung.

Ehrung für Professor Angst

Bereits am Eröffnungstag ehrte man den 1926 geborenen Schweizer Jules Angst. Der Professor für Psychiatrie erhielt den Jean-Delay-Preis. Dieser Preis wurde nach dem 1. WPA-Präsidenten benannt.

Wie sehr Erkrankungen mit den Symptomen Angst und Depression eine große Rolle spielen, machte im Rahmen einer Pressekonferenz Prof. Dr. Katharina Domschke klar. Sie ist als Ärztliche Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Universitätsklinikum Freiburg tätig. „In Europa sind 90 Millionen Menschen von Angst und Depressionen betroffen. Das ist eine teure Erkrankung. Der Patient leidet. Zudem ist es sozioökonomisch ein hoher Kostenfaktor."

Last auf den Schultern

Prof. Dr. Andreas Meyer-Lindenberg ist Vorstandsmitglied der DGPPN. Zudem ist er Direktor des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit, das in Mannheim seinen Sitz hat. Andreas Meyer-Lindenberg betonte: „Es ist durchaus angebracht, bei Psychischen Erkrankungen von einer Volkskrankheit zu sprechen." In manchen Fällen werden Erkrankungen dieser Art nur in anderen Sektoren „geparkt. Die deutsche Sprache ist da sehr hilfreich. Man redet davon, dass Rückenschmerzen einen Menschen belasten. Diese Last, die er da trägt auf seinen Schultern, können durchaus ihre Wurzeln im Bereich der Psychischen Erkrankungen haben."

Rapper demonstriert gegen Psychologen

Was auch nicht bei jedem Kongress stattfindet, zeigte sich am 9. Oktober. Es gab eine Gegendemonstration zum WPA-Kongress. Mitglieder der Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte e. V. kamen mit geschmückten und beschrifteten Oldtimer-Leichenwagen zum Veranstaltungsort und riefen: „Wir haben keinen Bock auf Elektroschock“ oder „Psychiatrie Scharlatanerie.“ Prominent angeführt wurde dieser Demonstrationszug von dem US-Rapper Chill E. B.

Es sei angemerkt: diese Demonstration verlief friedlich. Gewalt gegen Personen oder Sachen fand nicht statt. Da hat man ja beim G-20-Gipfel in Hamburg ganz andere Protestaktionen erleben müssen, auch wenn es dabei natürlich um weit mehr ging als um Experten eines bestimmten Gebietes. Der US-Rapper Chill E. B. bedankte sich sogar per Mikrofon für die Hilfe der Polizei. Die Polizeibeamten hatten den Protestzug von der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche bis zum Messegelände begleitet. Das Recht der Bürger auf Demonstrationen gehört nunmal zum Grundsatz einer Demokratie.

Was die Politik dazu sagt

Ein Redaktionsmitarbeiter des Stadt-Blatt Verlages fragte in den Reihen der Politik nach, was ein hochkarätiger Kongress wie der von der WAP für die Bundeshauptstadt Berlin bedeutet. Thomas Seerig (FDP) aus dem Berliner Abgeordnetenhaus ist Sprecher für Menschen mit Handicap. Thomas Seerig erklärte: „Ich freue mich, dass Berlin Gastgeber für einen solchen internationalen Kongress sein darf. Es zeigt zudem, dass psychische Probleme längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind und ein Ignorieren nicht mehr opportun ist. Die gesellschaftlichen Umbrüche einer alternden international mobilen Gesellschaft im Digitalzeitalter stellen eine Belastung für herkömmliche Verhaltensmuster dar und das kann Probleme auslösen; gesellschaftlich wie individuell. Da ist es gut, wenn man sich zu Lösungen austauscht. Gerade hier in Berlin.“

 

Text/Foto: VTN