Berufe bei der Bundeswehr – Nachgefragt bei General Michael Matz

In der Weddinger Julius-Leber-Kaserne ist Brigadegeneral Michael Matz sozusagen der Hausherr. Bei seinem Dienstantritt war ihm die größte Kasernenanlage in der Bundeshauptstadt Berlin nicht unbekannt. Bereits von 2004 bis 2006 diente er hier als Kommandeur des Wachbataillon. Im Januar 2017 wird General Matz Abschied aus Berlin nehmen und im niedersächsischen Oldenburg eine andere verantwortungsvolle militärische Aufgabe übernehmen.

Als Michael Matz sich vor Jahren entschied Berufsoffizier zu werden, gab es noch eine Wehrpflicht und man sprach beispielsweise von der Bundesluftwaffe und der Bundesmarine. Die Wehrpflicht ist mittlerweile abgeschafft, die Bundesluftwaffe und Bundesmarine ist heutzutage die Luftwaffe und die Marine. Wie geht es eigentlich heute vor sich, wenn sich ein junger Mensch für den Beruf des Soldaten interessiert?  Dazu kann der Brigadegeneral wissenswertes mitteilen:

„Die Bundeswehr besteht ja nicht nur aus Soldatinnen und Soldaten. Man braucht auch Köche, Verwaltungsangestellte, Berufskraftfahrer, Sanitätspersonal und Handwerker. Die Bundeswehr bildet in zahlreichen Berufen aus und ist erfreulicherweise ein begehrter Arbeitgeber.“ So kann er mit Stolz verkünden, auf manchen Posten bewerben sich zehnmal mehr Kandidaten als die Bundeswehr benötigt.

In Berlin bestehen zwei Möglichkeiten, sich über die vielfältigen Beschäftigungsmöglichkeiten innerhalb der Bundeswehr, sei es mit oder ohne Uniform, zu informieren. Im Bezirk Treptow-Köpenick befindet sich in der Regattastraße im Ortsteil Grünau ein Karrierezentrum der Bundeswehr. Nach vorheriger Terminvereinbarung kann jedermann sich dort intensiv beraten lassen und die Bewerbungsunterlagen abgeben. General Matz betonte, dass „jedermann nicht wörtlich zu nehmen ist. Mittlerweile beträgt der Frauenanteil in Uniform 11,2 Prozent. Damen sind in allen Bereichen der Bundeswehr willkommen. Wir haben mit Frauen in Uniform nur gute Erfahrungen machen können. Beispielsweise haben wir innerhalb der 31 Militärpolizei-Dienststellen, die auf ganz Deutschland verteilt sind, schon mehrere Chefinnen, die eine solche Kompanie der Feldjäger leiten.“

In der Friedrichstraße in Berlin-Mitte befindet sich eine Besonderheit der Bundeswehr, die es deutschlandweit nur hier anzutreffen gibt. Dort steht der Showroom der Bundeswehr. Im Rahmen der Öffnungszeiten können sich dort Interessierte ohne vorherige Terminvereinbarung detailliert informieren. „Es sind nicht nur Bewerber, die dort vorsprechen. Da geht auch die Oma hin und bringt ihrem Enkelkind dann Informationsmaterial mit. Pro Woche gehen in diesen Showroom etwa 250 Menschen. Rund zwei Drittel von ihnen nehmen dann auch den Dienst in den Streitkräften auf.“

Heutzutage kann man sich als Mannschaftsdienstgrad, als sogenannter Freiwilliger Wehrdienstleistender, für mindestens 7 oder bis zu höchstens 23 Monate verpflichten. Alle Termine dazwischen sind vertraglich möglich. Egal, ob jemand 8, 9, 10 oder wie viel Monate auch immer dienen möchte, bis zu 23 Monate reicht das Spektrum. Ab zwei Jahren Laufzeit kann man Zeitsoldat werden. Zu beachten ist, beide Seiten haben ein halbjährliches Kündigungsrecht. Die Bundeswehr teilt sich ein in Mannschaftsdienstgrade, Unteroffiziere und Offiziere. Mannschaftsdienstgrade können bis zu maximal 25 Jahre dienen. „Wer mehr als 8 Jahre dient, hat  bei seinem Ausscheiden aus dem Dienst Anspruch auf eine Fürsorgemaßnahme. Der Berufsförderungsdienst der Bundeswehr organisiert die Qualifikation von ausscheidenden Soldaten.“

Die Bundeswehr „fordert und fördert“, so General Matz. „Bundeswehr bedeutet Kameradschaft. Bundeswehr bedeutet auch, man muss flexibel sein.“  Das leuchtet ein, denn der Einsatzort der Soldatinnen und Soldaten kann sich in jeder Kasernenanlage in Deutschland, in jedem Karrierecenter befinden oder auch im Ausland. „Natürlich kann jeder Bewerber von Anfang an Wünsche äußern. Wir sprechen intensiv mit dem Bewerber und dann ändern sich schon mal deren Wünsche. Möchte jemand beispielsweise zur Marine, muss er bedenken, auf hoher See hat man nicht überall WLAN und kann sich mit Freundin oder Mutter per Mail austauschen. Das hatte im Vorfeld der Bewerber für die Marine so gar nicht bedacht und sich dann für eine andere militärische Laufbahn entschieden.“

General Matz erklärte: ein Besuch im Showroom sei jederzeit problemlos möglich und verpflichte zu nichts. Er selber gehe aus Berlin nun „erfreut fort, denn ich habe hier viele nette und interessante Leute treffen dürfen. Berlin ist bunt, ist multikulti. Alle politisch Verantwortlichen in den 12 Bezirken habe ich besucht, obgleich die Bundeswehr in nur 7 Berliner Bezirken vertreten ist. Alle Türen, an die ich geklopft habe, sind aufgegangen, selbst die Türen, von denen ich es gar nicht erwartet hatte.“

An dieser Stelle bedankt sich der Stadt-Blatt Verlag nochmals bei Herrn General Michael Matz für das Gespräch und wünscht ihm Fortune für seine neue Tätigkeit in Niedersachsen.

Text: Gudrun Dewald/Foto: VTN