Der Hauptmann von Köpenick: Geburtstag hoch zwei

Es kommt sicherlich nicht alle Tage vor, dass ein Berliner Bezirksbürgermeister, zwei Mitglieder des Berliner Abgeordnetenhauses und zahlreiche geladene Gäste einem Halunken zum Geburtstag gratulieren. Am 13. Februar beglückwünschte diese Gästeschar im Festsaal des ehrwürdigen Rathauses Köpenick einen "Ganoven".

Der Schauspieler Jürgen Hilbrecht, allseits bekannt als Hauptmann von Köpenick, konnte bereits im Dezember 2017 seinen 75. Geburtstag feiern – richtig gefeiert hat er aber nicht. „Ich bin ein Unwürdiger. Daher wartete ich mit meiner Geburtstagsfeier bis zum 13. Februar“, so Hilbrecht. An diesem Datum könnte auch der am 13. Februar 1849 in Tilsit geborene Friedrich Wilhelm Voigt Geburtstag feiern, würde er noch leben. 169 Jahre alt geworden wäre der gelernte Schuhmacher in diesem Jahr. Am 3. Januar 1922 ist Voigt – der als falscher Hauptmann, als Hauptmann von Köpenick, weltweite Berühmtheit erlangte – in Luxemburg verstorben. Ja, hätte er doch Anno Domini 1906 gewusst, dass die begehrten Pässe des Rathauses Cöpenick nur in den Amtsstuben von Teltow zu finden gewesen wären! Voigt wäre wohl in Uniform in die andere Richtung marschiert und hätte später nicht ins Zuchthaus Tegel zum Flechten von Fußmatten gehen müssen.

Glückwünsche an den Hauptmann von Köpenick
Glückwünsche an den Hauptmann von Köpenick: Jürgen Hilbrecht, Robbert Schaddach, Stefan Förster, Rainer Gohde (von li. nach re.)

Ein Glücksfall für Treptow-Köpenick

„Die Uniform schafft Respekt, egal wer in ihr steckt“, so Jürgen Hilbrecht. Er muss es ja wissen, denn auch er steckt regelmäßig in einer Uniform, dessen Würden er niemals erlangt hat. Seiner Beliebtheit tut das keinen Abbruch, ganz im Gegenteil. „Die beiden Geburtstage, der von Friedrich Wilhelm Voigt und Jürgen Hilbrecht, bilden eine Einheit. Solch ein Jubiläum ist für unseren Bezirk ein Glücksfall. Es spricht für Jürgen Hilbrecht, dass er im Dezember seinen 75. Geburtstag nicht groß gefeiert hatte und bis heute gewartet hat", betonte Oliver Igel (SPD), Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick, in seiner Festrede. Solch eine Bescheidenheit und Demut „zeichnet einen großen Volksschauspieler aus.“

Der Bezirk sei diesem Mimen zu großem Dank verpflichtet, betonte Oliver Igel weiter. „Die Bürgermedaille des Bezirks trägt Jürgen Hilbrecht ja bereits.“ Diese Ehrung ist aber nur ein ganz kleines Dankeschön für die vielen Verdienste, die Hilbrecht für Treptow-Köpenick geleistet hat. In doppelter Funktion hielt Stefan Förster seine Ansprache. Der FDP-Politiker Förster gehört dem Berliner Abgeordnetenhaus an und ist Vorsitzender des Heimatverein Köpenick e.V.. In seiner Rede ist Förster voll des Lobes für den Schauspieler: „Der 1942 in Johannisthal geborene Jürgen Hilbrecht kam am 21. Dezember zur Welt. Da kam auch Stalin zur Welt. Jürgen hat ein Talent, dass auf deutschen Bühnen sehr selten geworden ist. Er kann improvisieren und bezieht das Publikum sofort immer mit ein. So fragt er einige Besucher, aus welchem Bezirk oder aus welcher Stadt sie kommen. Sofort fällt dem Volksschauspieler zu jedem Berliner Bezirk oder jeder Stadt, sei es eine Stadt in Schwaben oder Franken beispielsweise, eine passende Anekdote ein. Da Jürgen Hilbrecht vor seinem Schauspielstudium an der Ernst-Busch-Hochschule für Schauspielkunst den Beruf des Elektrotechnikers erlernt hat, weiß er ja, wie der Funke überspringt.“

Robert Schaddach aus dem Bezirk Treptow-Köpenick, SPD-Parlamentarier im Berliner Abgeordnetenhaus, wies darauf hin, dass „es der Hauptmann von Köpenick und damit wiederum Jürgen Hilbrecht ist, der eine ganz, ganz große Stütze für den Tourismus des Bezirkes und der ganzen Region ist.“

Handshake zwischen Kollegen: Jürgen Hilbrecht, Stefan Förster, Rainer Gohde (von li. nach re.)

Schauspieler-Kollege Rainer Gohde (unter anderem bekannt durch Filme wie „Luther gegen den Papst“ oder „Über die Grenzen“) stand oft gemeinsam mit dem Jubilar Hilbrecht auf der Bühne. Er war einer der zahlreichen geladenen Gäste und lobte „den Kollegen Jürgen Hilbrecht als ganz feinen und hilfsbereiten Menschen". Es mache jedes Mal Freude, mit ihm auftreten zu dürfen. "Von Herzen wünsche ich diesem liebenswerten Kollegen noch ganz, ganz viele Jahre Schaffenskraft.“ Jürgen Hilbrecht, das Schlitzohr aus Köpenick, konnte noch einen Schwank zum Besten geben: „Ja, ich bin an Stalins Geburtstag zur Welt gekommen. Unter Lenis Einfluss stehe ich auch. Als ich erstmals auf der Bühne stand, es war 1966 in Leipzig, spielte ich den jungen Lenin.“

Text: VTN / Fotos: Ralf Flucke

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