Glaubensfragen unserer Zeit: Interreligiöse Tagung in Steglitz

Am 19. Januar 2017 lud Kulturrat Seyed Ali Moujani (Bild oben) zu einer Interreligiösen Tagung unter dem Motto „Glaubensfragen unserer Zeit“ ein. Moujani leitet das Iran-Haus in der Drakestraße in Lichterfelde, in dem auch die Tagung stattfand. Man ging der Frage nach, ob in der immer mehr um sich greifenden globalisierten Welt ethische Werte verloren gehen. Welchen Stellenwert hat heute noch der "Glaube"? Dabei soll „der Glaube“ nicht auf Gott beschränkt sein, auch Menschen, die an Buddha oder Götter aus dem Hinduismus beispielsweise glauben sind angesprochen, der Frage nachzugehen, wie können alle, ob gläubig oder nicht, gemeinsame Werte entdecken? So sollen auch die Weichen gestellt werden für eine sichere und friedvolle gemeinsame Zukunft. So sollen auch die Weichen gestellt werden für eine sichere und friedvolle gemeinsame Zukunft.

Moderiert wurde die Tagung von der Gymnasiallehrerin Siegrun Botembe. Sie unterrichtet Geschichte, Ethik und Politik. Sie sagte: „Der Sinn dieser heutigen Premiere-Veranstaltung ist ja auch der, aus dieser Tagung entstehen viele weitere gute Ideen für Interreligiöse Gespräche.“ Sie betonte auch: „Der Weg der Säkularisierung schreitet doch immer weiter voran.“ Sie zitierte aus einer wissenschaftlichen Studie, die besagte, 85 Prozent der Menschen in Leipzig bekennen sich als religionslose Bürger. In ganz Deutschland haben rund 36 Prozent der Erwachsenen „wie sie selber sagen, mit Religion gar nichts am Hut. Natürlich kommt es bei Religion auf die Region an. Bayern hat andere Zahlen vorzuweisen diesbezüglich als Brandenburg. Selbst innerhalb Berlins gibt es große Unterschiede. Was für Marzahn zutrifft, betrifft nicht Zehlendorf. Und umgekehrt natürlich.“

Der Evangelische Pfarrer Gerd Decke (77) war von 1971 bis 1977 beim Lutherischen Weltbund in Genf tätig. Später wirkte er beim Berliner Missionswerk. Er teilte die Auffassung, dass eine Säkularisierung hierzulande zu bemerken sei. Die Kirchen lassen sich nicht entmutigen. Ihre Angebote und Betreuungen wie kirchlich geprägte Kitas, Krankenhäuser, Seniorenheime oder die Bahnhofsmission und die Obdachlosenhilfe stehen allen Menschen, unabhängig ob und welche Religion man hat, offen. Pastor Pierre Botembe studierte Theologie und gründete 1988 die „Afrikanisch-Ökumenische Kirche“ in Berlin. Seitdem ist er deren Leiter. Pastor Botembe wies darauf hin: „Man darf doch mal die These aufstellen, ob immer mehr Technik nicht auch automatisch immer weniger Religion bedeutet. Früher las die Großmutter dem Enkelkind Märchen und auch aus der Bibel vor. Heute gibt es die elektrische Großmutter, sei es Fernsehen, Handy, Computer. Welches Kind lernt von diesen technischen Geräten religiöse Werte?“ Die Großeltern und Eltern lebten früher dem Enkelkind beziehungsweise dem Kind religiöse Werte vor. „Der Mensch ist heute entwurzelt. Geht dabei nicht auch die Menschlichkeit verloren?“

Michael Wenzel ist Evangelischer Pfarrer. Seine Gemeinde „Zum guten Hirten“ befindet sich im Bezirk Tempelhof-Schöneberg. Er teilte mit: „In der DDR bin ich im Atheismus aufgewachsen in einer atheistischen Familie. Das man Schwerter zu Pflugscharen umwandeln wollte, so wie es in der Bibel steht, hat mich dermaßen stark beeindruckt, dass ich von da an Pfarrer werden wollte. Ich musste an der Humboldt-Universität mein Studium beginnen. Das lag daran, eine Kirchliche Hochschule in der damaligen DDR hätte mich nur immatrikuliert, wenn ich damals schon der Kirche angehört hätte. Beim Beginn meines Studiums der Evangelischen Theologie war ich immer noch ohne Religion und so konnte ich nur zur HU gehen.“ Der Pfarrer erwähnte auch: „So areligiös war die DDR gar nicht. Die Religion hatte oft einen Status wie ein Familientreffen. Man traf sich nur untereinander und dann auch nur, im bildlichen Sinne, im Hinterzimmer.“ Er erinnerte auch daran: „In der Wendezeit waren die Kirchen sehr gut gefüllt. Die Leute haben nach Orientierung gesucht. Es ist ja auch so: Die Währung der Religion ist das Vertrauen. Ohne Vertrauen gibt es nur Angst.“ Als Fazit sagte Kulturrat Seyed Ali Moujani: „Die zahlreichen Gedankengänge und Aussagen bei der heutigen Veranstaltung stellen doch unter Beweis, wie wichtig diese Gesprächsreihe ist. Schon bald werden wir diese Interreligiöse Gesprächsreihe fortsetzen.“

Text/Foto: VTN

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