Gero Storjohann, MdB, zur Benennung zweier Liegenschaften

Zum Jahrestag des nationalsozialistischen Ermächtigungsgesetzes vom 23. März 1933 hat Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert (CDU) die Benennung zweier Bundestags-Liegenschaften mit den Namen des Zentrumspolitikers Matthias Erzberger und des Sozialdemokraten Otto Wels aus der Zeit vor und während der Weimarer Republik bekanntgegeben. In seinen einleitenden Worten zur Plenardebatte unterstrich Lammert, mit der Namensgebung der beiden Abgeordnetenhäuser Unter den Linden 50 und 71 ehre der Deutsche Bundestag die Lebensleistung zweier herausragender Parlamentarier der deutschen Geschichte, die jeweils nahezu zwei Jahrzehnte dem Reichstag angehörten und unter der Bedrohung von Leib und Leben beispielgebend moralische Größe und demokratische Haltung gezeigt hätten. Der Bundestagspräsident erinnerte daran, dass Matthias Erzberger, der unter anderem ein reichseinheitliches Bahnsystem und als Finanzminister eine in ihren Grundlagen bis heute nachwirkende Steuerreform schuf, im August 1921 Opfer eines Mordanschlages einer nationalistisch-antisemitischen Terrororganisation wurde. Otto Wels, SPD-Vorsitzender seit 1919, habe am 23. März 1933, dem Tag des Ermächtigungsgesetzes, als einziger seine Stimme gegen die Auslieferung der Demokratie an ihre Feinde erhoben und damit ein Signal gesetzt, dass Widerstand möglich und nötig gewesen sei.

Lammert zeigte sich erfreut, dass der Ältestenrat seinem Vorschlag gefolgt sei, Gebäude und Säle des Bundestages nach bedeutenden Parlamentariern zu benennen. Man sei sich einig, möglichst bald auch eine herausragende Frau des deutschen Parlamentarismus zu würdigen.

Hintergrund: Das künftige „Matthias-Erzberger-Haus“ Unter den Linden 71 wurde 1971 als Sitz des damaligen Ministeriums für Volksbildung der DDR errichtet. Das Gebäude Unter den Linden 50, das künftig den Namen „Otto-Wels-Haus“ tragen wird, wurde 1965 fertiggestellt. Vor der Wiedervereinigung 1990 war dort das Ministerium für Außenhandel der DDR untergebracht. Zu dieser Benennung befragten wir im Deutschen Bundestag den CDU-Parlamentarier Gero Storjohann aus Bad Segeberg. Seit 2002 gehört er dem Hohen Haus an. Gero Storjohann ist seit 2005 stellvertretender Vorsitzender des Petitionsausschusses. Der Parlamentarier erklärte, er begrüße die von Nobert Lammert verkündete Benennung der beiden Abgeordnetenhäuser in „Matthias-Erzberger-Haus und „Otto-Wels-Haus“. Von November 2002 bis November 2011 hatte der Abgeordnete Storjohann selbst sein Abgeordnetenbüro im Gebäude Unter den Linden 71, welches jetzt zum Matthias-Herzberger-Haus geworden ist Der Volksvertreter Storjohann sagte: ,,Da musste ich erst ausziehen, damit das Abgeordnetenhaus einen Namen bekommt. Mein jetziges Dienstgebäude, die Wilhelmstraße 65, ist auch noch ohne Namen. Ich hoffe, dass auch dieses Gebäude bald benannt wird!“ Das bemerkte der Abgeordnete Gero Storjohann mit einem Schmunzeln.

Text/Foto: VTN