Arbeiten 4.0: Technologie und Gesellschaft im Wandel

Die Friedrich-Naumann-Stiftung Für die Freiheit lud am 7. Oktober nach Berlin-Adlershof ein. Das Motto der Veranstaltung lautete: „ Rething Work-Wie die Angst vor digitale Massenarbeitslosigkeit  uns von wesentlichen Fragen abhält.“ Die Tagung begann mit einem Erkundungsgang im Technologiepark Adlershof. Die Themen „Wirtschaft & Wissenschaft als Wachstumsmotor, Wirtschaftsförderung am Beispiel des Technologieparks Adlershof“ standen im Vordergrund. Danach ging es zur Adlershofer Firma „InSystems Automation GmbH.“ Der Geschäftsführer des Unternehmens, Henry Stubert, begleitet seit 1999 Unternehmen bei der Umstellung auf Industrie 4.0. Er kennt die Herausforderungen und Ängste, die solche Wandlungsprozesse hervorrufen können. Henry Stubert begrüßte Prof. Dr. Holger Schlingloff. Er ist Professor für Softwaretechnik mit den Schwerpunkten Spezifikation, Verifikation und Testtheorie an der Berliner Humboldt-Universität. Aus den Reihen der Politik nahm Florian Swyter an der Veranstaltung teil. Der FDP-Politiker gehört dem Berliner Abgeordnetenhaus an und ist wirtschaftspolitischer Sprecher seiner Fraktion. Das Motto in den Räumen von „InSytems Automation GmbH“ lautete: „Impuls „Arbeiten 4.0-Technologie & Gesellschaft, die Chance im Wandel.“ Prof. Schlingloff wies daraufhin: „Vor 100 Jahren waren 40 Prozent der deutschen Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig. Die Bevölkerung gab zu jener Zeit 50 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel aus. Heute sind noch gerade einmal 2 Prozent der deutschen Arbeitnehmer Landwirte von Beruf. Durchschnittlich 15 Prozent unseres Einkommens verwenden wir für den Kauf von Lebensmitteln. Hungern muss heute niemand in Deutschland.“ Er wies ferner darauf hin: „Wir verlagern immer mehr Intelligenz in die Maschinen. Das liegt zum Teil auch daran, dass selbst der Informatiker Überlegungen anstellt: Wie kann ich mich überflüssig machen? Als ich Student war in den 80er Jahren, war das nur eine Vision. Heute ist es Wirklichkeit: Der Roboter bringt den Kaffee oder den Mocca oder den Cappuccino. Meine Studenten arbeiten daran.“ Er forderte auch dazu auf, Zusammenhänge zu erkennen und zu hinterfragen. „Als Schüler haben wir im Geschichtsunterricht gelernt, wann wo wer gegen wen Krieg geführt hatte. Im Erdkundeunterricht haben wir gelernt, wo welche Bodenschätze sich befinden. Niemand hat gewagt, die Frage zu stellen: Gibt es vielleicht einen Zusammenhang zwischen Bodenschätzen und Kriegen?“ Seine Forderung ist: „Wir müssen noch viel mehr in Bildung investieren! Digitalisierung der Bildung bedeutet nicht, weniger Lehrer.“ Der FDP-Parlamentarier Florian Swyter betonte: „Der Fortschritt ist nicht aufzuhalten. Die in den 50er Jahren mal angesprochene Maschinensteuer kam nie zum Zuge. Die Vorteile der Digitalisierung liegen doch klar auf der Hand. Da reden wir doch von einem enormen Zeitgewinn. Ein digitales Bürgeramt ist doch eine Erleichterung für den Bürger.“ Man muss keine Öffnungszeiten beachten, man macht sich keine Gedanken, mit welcher Buslinie man dahinkommt oder wo man einen Parkplatz findet. Der Abgeordnete erinnerte auch daran, dass früher die Tätigkeit „in der Landwirtschaft ein regelrechter Knochenjob war. Es hatte seine Gründe, dass man bei so schwerer körperlicher Arbeit nicht sehr alt geworden ist.“ Eine „Angst vor Massenarbeitslosigkeit ist unbegründet. Es wird zu Verlagerungen von Berufsbildern und Tätigkeiten kommen.“ So kann neben dem klassischen Einzelhandelskaufmann, der im Supermarkt oder im Warenhaus tätig ist, sich schon bald ein Kollege aufstellen, der Einkäufe der Kunden am PC betreut und am Telefon für Auskünfte und Ratschläge zur Verfügung steht. Alles und jedes wird „man nie digitalisieren können und wollen. Ein bettlägeriger Mensch in einem Seniorenheim möchte nicht den Kaffee von einem Roboter serviert bekommen. Der ältere Mitbürger möchte sich mit seinem Pfleger und seiner Pflegerin auch austauschen, unterhalten. Da, wo Empathie vorhanden sein muss, stößt Digitalisierung an Grenzen.“ Henry Stubert sprach das große Problem des Fachkräftemangels an. „Die Blue Card ist ein gutes Instrument zur leichten Behebung des Fachkräftemangels. Speziell Menschen aus dem arabischen Raum und dem Mittleren Osten kann man damit ansprechen. Die Blue Card kann aber keine Dauerlösung sein.“ Der Staat könne hier hilfreich eingreifen. „Fairerweise muss doch betont werden, wenn ein Unternehmen heute jemanden einstellt, kommt der Gewinn erst nach rund 12 Monaten zustande. Es können doch staatliche Eingliederungszuschüsse fließen, speziell für ältere Kollegen. Ich denke dabei konkret an die Solarindustrie. Dort sind viele, darunter auch ältere Kollegen, freigesetzt worden.“ Auch die Realität darf man nie aus den Augen verlieren, so Henry Stubert. Mit der „Blue Card können Weltkonzerne hierzulande ganz anders umgehen als der Mittelstand. Wir hier sind gerade einmal 60 Mitarbeiter im Unternehmen. Wir können nicht das Geld zahlen, das man bei einem Weltkonzern erhält.“ Dr. Andre Schmiljun ist bei dem Adlershofer Unternehmen „InSystems Automation GmbH“ für den Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Er sagte: „Ich sehe die Digitalisierung positiv und halte nicht viel, bei diesem Thema Ängste zu schüren. Es ist wichtig, sich gesellschaftlich über die Rahmenbedingungen des Wandels zu verständigen.“

 

Foto: Florian Swyter

 

Text/Foto: VTN

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