8. Milchforum in Berlin

Am 16. und 17. März tagte das 8. Milchforum in Berlin. Es ist der jährliche zentrale Anlaufpunkt für die Milchbranche. Viele Zahlen kamen zur Sprache.

Die EU hatte 1984 eine Quotenregelung eingeführt, um die Milchproduktion in den Mitgliedsländern zu beschränken. Im April 2015 lief die Garantiemengenreglung aus. Jeder Milcherzeuger konnte von da an Milchmengen erzeugen und auf den Markt bringen, wie er wollte. Seit dem Wegfall der Milchquote haben in Deutschland mehr als 5.600 Betriebe der Milchviehhaltung aufgegeben. Das sind rund 6 Prozent dieser Branche. Am Stärksten war der Rückgang der Betriebe im Freistaat Bayern zu verzeichnen. Hier gaben über 2.350 Milchviehhalter den Betrieb auf. Auf dem zweiten Platz folgte Baden-Württemberg, wo fast 1.000 Betriebe ihre Tätigkeit eingestellt haben.

Im Jahre 2016 lieferten die deutschen Milchviehhalter 31,3 Millionen Tonnen Milch an die deutschen Molkereien ab. Auf den Tagesdurchschnitt gerechnet waren das 0,8 Prozent weniger als 2015. Der Erzeugerpreis für Rohmilch ist seit dem Spätsommer 2016 auf ein Niveau von 30 bis 35 Cent pro Kilogramm gestiegen. Das sind 20 Prozent mehr als im März 2016.

Peter Stahl ist der Vorstandsvorsitzende der Hochland SE und zugleich Vorsitzender des Milchindustrie-Verbandes (MIV). Er sagte auf der Pressekonferenz: „Wir sind erfreut über diese Rekordbeteiligung beim 8. Berliner Milchforum, sowohl was die Zahl der Besucher als auch die der Medienvertreter angeht.“ Er sprach auch die Bio-Milch an. Da habe es eine regelrechte „Nullsummenrechnung“ gegeben. Die Produktion ist zwar gestiegen, aber erfreulicherweise ist auch die Nachfrage nach Bio-Milch.

Karsten Schmal ist der Präsident des Hessischen Bauernverbandes (HBV) und zugleich Milchbauernpräsident des Deutschen Bauernverbandes. Er wies auf der Pressekonferenz daraufhin: „Wir haben wohl das tiefste Tal durchschritten mit den damals gezahlten 20 Cent pro Kilogramm. Die jetzt gewährten 30 Cent oder dem knapp darüber liegenden Preis können uns nicht richtig glücklich machen. Es muss Verbesserungen geben. Mit dem jetzt gewährten Preis sind weiterhin keine Gewinne einzufahren! Für Investitionen bleibt kein Geld übrig.“ Er stellte auch die Frage auf, warum es in unserem Nachbarland Frankreich möglich sei, immer noch 3 Cent pro abgeliefertem Liter mehr Entgelt von den Molkereien zu erhalten als im Vergleich mit Deutschland. „Diese Antwort hat mir bisher noch niemand geben können. 32 Cent im deutschen Durchschnitt reichen einfach nicht aus.“ Er sprach auch den Lebensmittel-Einzelhandel an. „Der Handel wirbt mit Regionalität. Dann muss der Handel auch dafür sorgen, dass der Bauer leben kann.“ Was die Zukunftsaussichten der Milchviehhalter angeht, betonte der HBV-Präsident: „Wir blicken ein Stück vorsichtig optimistisch in die Zukunft. Allerdings reicht es noch lange nicht aus für Beifallsstürme.“

Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, sprach beim Empfang am 16. März noch ein ganz anderes Thema an. Er betonte: „Wir Landwirte haben immer offene Ohren für sachdienliche und konstruktive Kritik. Wenn Landwirte und deren Familien aber persönlich verunglimpft werden, ja man selbst vor Gewaltandrohungen gegen uns nicht zurückschreckt“, habe man das Band des friedlichen Dialoges und der Diskussion längst zerschnitten. Ein Landwirt, der auch Tierhalter ist, bemüht sich um seine ihm anvertrauten Tiere. Sie ernähren ihn und seine Familienangehörigen und Mitarbeiter. Daher sei es eine bösartige Unterstellung, jeden viehhaltenden Landwirt der Tierquälerei zu verdächtigen.

Eines machte das 8. Berliner Milchforum auch deutlich: Landwirte ernähren die gesamte Bevölkerung. Sollte die „Geiz ist geil-Mentalität“ weitergehen, müssen die Verbraucher in Kauf nehmen, dass immer mehr Landwirte notgedrungen das Handtuch werfen. Die Preise, die angeboten werden, bedeuten oft nur Stillstand und decken gerade die laufenden Kosten ab. Für Rücklagen bleibt kein finanzieller Spielraum. Sollte sich die Spirale weiterdrehen in diese Richtung, bleiben am Ende der wirtschaftlichen Kette nur wenige Betriebe übrig, die überleben können. Sollten dann verstärkt Einfuhren zum Tragen kommen, ist zu bedenken: Wie sicher sind die Lieferungen aus aller Welt? Was passiert, wenn diese Länder plötzlich an Preisschrauben drehen oder die Nachfrage bei ihnen so exorbitant steigen sollte, dass für Exporte gar kein Spielraum mehr bleibt?

Die gute Qualität der deutschen landwirtschaftlichen Produkte sollte bei allen Verbrauchern zu der Überlegung führen, dass gut und billig nicht ein Duett bilden können. Die gute Ernährung, zumal überwacht und zertifiziert, kann es nicht zum dauerhaften Schleuderpreis geben. Das machte das 8. Berliner Milchforum ebenfalls deutlich.

Ein Landwirt aus Niedersachen drückte es so im Gespräch aus: „Man kann nicht ein durchschnittliches Auto, das in Wolfsburg das Fließband verlassen hat, kaufen und meinen, man hat die Ausstattung und Fahrleistung und Wiederverkaufswert eines Autos aus Stuttgart mit dem berühmten Stern vor sich. Dann muss man auch bereit sein, für den Stern mehr Geld auszugeben oder sich nicht darüber beschweren, dass das Auto aus Wolfsburg im Vergleich zu dem Stuttgarter PKW dieses und jenes nicht hat. Überall gilt es: Qualität hat seinen angemessenen Preis. Wir Landwirte erwarten ja keine Traumbezahlung. Sie muss nur fair sein. Fairness darf man doch erwarten, oder?“ Die Antwort lautet: Recht hat dieser Bauer.

 

Bild: Aufsteller einer Milchkuh beim 8. Berliner Milchforum

 

Text/Foto: VTN