10315 Tage ohne Mauer – Berlin feiert den Zirkeltag

Die Mauer teilte Berlin genau 10315 Tage lang. Seit dem 5. Februar steht sie ebenso viele Tage nicht mehr. Zum Zirkeltag der Berliner Mauer fand der Regierende Bürgermeister Michael Müller folgende Worte.

„Seit 28 Jahren sind wir wieder eine freie Stadt Berlin ohne Mauer. Einige können sich noch an den Bau erinnern, viele an die darauffolgende Zeit der unerfüllten Sehnsucht und nicht endenden Hoffnung, nicht wissend, wann und ob dieses Mauer jemals durchbrochen werden wird. Es ist dem großen Mut und historischen Einsatz der ostdeutschen Bevölkerung zu verdanken, dass mit der Friedlichen Revolution unsere gemeinsame Hoffnung schließlich erfüllt wurde.

Wie groß diese Sehnsucht nach Freiheit tatsächlich war, erlebte ich nicht nur am Abend des 9. Novembers 1989, sondern auch in der Zeit des Aufbruchs danach. Berlin wurde zu einem Magnet für Kreativschaffende mit neu gewonnenen Freiräumen, die nirgendwo anders möglich waren und immer noch die Besonderheit unserer Stadt ausmachen.

Wir mussten in den vergangenen 28 Jahren aber auch vieles aufholen. Freiheit und Einheit bedeutete auch, schwere Entscheidungen zu treffen. Das Zusammenwachsen von zwei Städten, von Millionen von Menschen, von zwei unterschiedlichen politischen Systemen erforderte eine neue Stadtplanung und machte Berlin in den 1990er Jahren zur größten Baustelle Deutschlands. Dem Zusammenbrechen der Produktionsstrukturen folgte Leerstand, hohe Arbeitslosigkeit und ein strikter Sparzwang.

Ich bin sehr stolz und überaus glücklich, dass die Berlinerinnen und Berliner nicht nur die Mauer, sondern auch diese Hürden und Durststrecken überwunden haben. Berlin ist heute eine Stadt im Aufschwung. Unsere Wirtschaft wächst stärker als im Bundesdurchschnitt. Wir sind Start-Up-Hauptstadt und einer der führenden Forschungs- und Wissenschaftsstandorte Europas. Die ehemalige Insel im Kalten Krieg ist heute ein Sehnsuchtsort mit steigenden Touristenzahlen und jährlich mehr als 40.000 neuen Berlinerinnen und Berlinern.

Ich bin zuversichtlich, dass auch die kommenden 28 Jahre von den Menschen Berlins, ihrem großen Drang nach Freiheit, ihrer Offenheit und ihrem Wunsch nach Zusammenhalt geprägt sein werden.

Gleichzeitig wird und muss die Erinnerung an die Mauer auch eine Mahnung an uns alle bleiben. Wir sind verpflichtet, uns weiterhin denjenigen entgegenzustellen, die Hass und Vorurteile schüren, die unsere gemeinsamen Wertevorstellungen und unsere Einheit gefährden. Sie dürfen keine neuen Mauern zwischen uns bauen.“

Text: Presse- und Informationsamt des Landes Berlin/ Foto: VTN