Freitag, 18. Mai 2012

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Abgehängt – wenn Kinder auf der Strecke bleiben

Kinderschutz in Land und Region: Theorie und Praxis, Schwächen und Chancen

„Pornodarstellerin klagt gegen Amt, weil sie ihren Sohn zurück will“  – „Betrunkene Mutter schiebt Kinderwagen durch die Nacht“ – „Polizei fahndet nach Exhibitionisten in Teltow“ – „Stark unterernährtes Baby; Mutter erhielt Haftbefehl“ – „Säugling aus dem Fenster geworfen“

Fünf erschüttende Meldungen aus Teltow und Berlin, die im November des vergangenen Jahres in Tageszeitungen und Polizeipressedienst zu lesen waren. Zurück bleiben Gefühle wie Hilflosigkeit, aber auch Wut. Und viele Fragen. Die traurigste: Warum musste es soweit kommen, warum musste dieser neugeborene Junge sterben?

3,5 Todesfälle in der Woche

Zum Glück kommen grausame Todesfälle wie dieser vom 20. November aus Berlin-Charlottenburg selten vor. Zumindest vermutet man das. Dennoch steht diese Zahl  im Raum: 183. Wie UNICEF in seinem Report 2011 „Kinder vor Gewalt schützen“ veröffentlichte, gab es allein in Deutschland im Jahr 2010 eben jene 183 Kinder, die Opfer von Totschlag oder Körperverletzung mit Todesfolge wurden oder starben, weil die Aufsichtspflicht grob vernachlässigt wurde. Das sind im Schnitt 3,5 Todesfälle in der Woche! Es fällt angesichts solcher Zahlen immer schwerer, von seltenen Ausnahmen zu sprechen. Weiter ist aus dem UNICEF-Report zu erfahren, dass im Jahr 2009 in Deutschland nach Angaben des statistischen Bundesamtes 33700 Kinder von den Jugendämtern in Obhut genommen wurden. Im Vergleich zu 2004 kam es zu einer Steigerung von 30 Prozent. Desweiteren habe 2009 die polizeiliche Kriminalstatistik 11319 angezeigte Straftaten gegen sexuelle Selbstbestimmung und sexuellen Missbrauch bei Kindern und Jugendlichen verzeichnet.

Zuflucht Kinderdorf

Ganz bei uns in der Nähe, im ruhigen Stahnsdorfer Ortsteil Kienwerder, gibt es ein Kinderdorf. 1995 fing alles mit einigen Kindern an, die die ehemalige Schulleiterin Inge Rahmel in ihre eigene Familie aufnahm. Es entstand die Idee, diese Form der Betreuung auszuweiten. Mit dem Sozial- und Heilpädagogen Hans-Hermann Borreck hatte Inge Rahmel einen professionellen Partner gefunden. Gemeinsam bauten sie in Form einer privaten und freien Trägerschaft ein ganzes Kinderdorf auf. In Kienwerder leben heute 35 Kinder und Jugendliche verteilt auf acht Häuser in Familienwohngruppen oder in Gruppen mit innewohnendem Erzieher. Für die Älteren gibt es betreutes Einzelwohnen. Außerhalb des Kinderdorfes wurden an mehreren Orten, darunter auch in Teltow, ebenfalls familienorientierte Wohngruppen mit knapp 40 Plätzen geschaffen. Mit ihrer engagierten Arbeit tragen die Mitarbeiter jeden Tag ein Stück dazu bei, dass „ihre“ Kinder in ein normales Leben zurück finden.

Die Kinder in Kienwerder kommen aus allen sozialen Schichten, meist aus Berlin, Potsdam und dem Landkreis Potsdam-Mittelmark. Der Bedarf ist groß. Es gibt Wartelisten. Manchmal sind die Kinder nur ein Jahr da, in der Regel zwei bis drei Jahre, wieder andere bleiben bis zum Ende der Ausbildung. Die Mitarbeiter versuchen im Rahmen ihrer Möglichkeiten, den Kindern ein gesichertes und liebevolles Lebensumfeld zu geben. Ob die Kinder glücklich werden, ist eine andere Sache. „Sicherlich werden wir für einen Großteil der Kinder zur Ersatzfamilie, sie fühlen sich wohl hier und wollen keinesfalls zurück in die Ursprungsfamilie,“ erzählt Hans-Hermann Borreck, „aber es gibt auch Kinder, die würden sofort wieder zurück nach Hause gehen.“ …

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des lokal.reports oder hier online.

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