Donnerstag, 25. August 2016

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Popstars des 19. Jahrhunderts

Die dunklen Seiten Richard Wagners, Ernst Haeckels und ihrer Fans

Wer mit einem Platz oder einer Straße geehrt wird, gilt als Vorbild für die Bevölkerung und stiftet einer Kommune Identität. Doch auch große Geister sind Menschen mit Fehlern, und wer für das Eine Respekt verdient, ist für das Andere eine Schande. Aber was wiegt schwerer?
Wie in vielen Städten befindet sich auch in Stahnsdorf ein Wagnersteg und im Teltower Musikerviertel, das laut Angaben des Heimatvereins nach 1910 entstand, eine Richard-Wagner-Straße. Sie durften damals nicht fehlen, denn der Meister des romantischen Musikdramas wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts vergöttert. Richard Wagner (1813–1883) gehörte zu den Vorreitern der modernen Musik, doch was kaum jemand weiß: Seine zahlreiche Anhängerschaft bereitete den Nationalsozialismus kulturell mit vor.

Das Genie selbst war von Ehrgeiz getrieben, der es vom Neid auf konkurrierende Komponisten zu einem starken Judenhass führte. Wagner verstand dabei unter Judentum nicht nur eine Religion, sondern ein „Volk“. In seiner programmatischen Schrift „Das Judenthum in der Musik“ (1850) wünschte er ihm den Untergang, und am Ende seines Werkes „Parsifal“ (1865–1882) soll Christus vom Jüdischsein erlöst werden. Mit seiner Idee eines germanischen Erlösers überschritt Wagner die Schwelle vom alten religiösen zum neuen völkischen Antisemitismus. 
Diesen konnte er unter Intellektuellen verbreiten. Dank seiner Ehefrau, Cosima Wagner, bildete sich in der Familienvilla Wahnfried der „Bayreuther Kreis“ aus Freunden und Verehrern. Künstler und Schriftsteller wie Julius Langbehn begeisterten sich nicht nur für Wagners Musik, sondern auch für die rassistischen Anspielungen darin. Rassentheoretiker wie Arthur de Gobineau und Houston Stewart Chamberlain, der Mann von Wagners Schwiegertochter Eva von Bülow, unterfütterten den Wahn der Antisemiten mit pseudowissenschaftlichen Spekulationen.

Überall in Deutschland gründeten sich nun Wagner-Vereine. Ging es anfangs darum, Juden aus dem Kulturbetrieb zu drängen, sollten bald alle Juden vertrieben werden, wie etwa der Agitator Bernhard Förster forderte. Das erkannte schon der Philosoph Friedrich Nietzsche, der sich vom großen Verehrer zum einsamen Feind Wagners und seiner Anhängerschaft wandelte. Sein Schwager Förster gehörte der antisemitischen „Berliner Bewegung“ um den kaiserlichen Hofprediger Adolf Stoecker an. Durch Stoecker und Philipp Graf von Eulenburg wurde auch der damalige Kronprinz und spätere Kaiser Wilhelm II. für Cosimas „Bayreuther Sache“ gewonnen. So weihte der junge Hohenzoller 1903 das nationale Wagner-Denkmal im Berliner Tiergarten ein ...

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