Zahnarztangst: Was hilft, wenn der Gang zum Zahnarzt schwerfällt?

Etwa jeder zweite Bundesbürger kennt die Angst vor dem Zahnarzt. Woher diese Angst kommt und wie stark sie ausgeprägt ist, ist individuell verschieden. Häufig sind es traumatische Erfahrungen oder negative Erinnerungen aus der Kindheit, die bei Erwachsenen Angst vor dem Zahnarzt auslösen. Bei vielen Patienten führt auch die Angst vor starken Zahnschmerzen oder das Gefühl, dem Arzt während der Behandlung hilflos ausgeliefert zu sein, regelrecht zu einer Zahnarztphobie. Je nach Fall können die Folgen dramatisch sein. Sie reichen von Zahnschmerzen über Zahnverlust bis hin zu Folgeerkrankungen durch bakterielle Infektionen. Umso wichtiger ist es, frühzeitig mit geeigneten Methoden der Zahnarztangst entgegenzuwirken, um Angstfreiheit zu erreichen, bevor es zu gefährlichen Folgen für die (Zahn-)Gesundheit kommt.

Was ist Zahnarztphobie?

Die Zahnarztangst oder genauer gesagt Zahnbehandlungsangst bezeichnet ein mehr oder weniger stark ausgeprägtes Gefühl der Bedrohung, das Personen im Zusammenhang mit einer Zahnbehandlung empfinden. Ist das Ausmaß der Angst so groß, dass die Personen sogar notwendige Zahnbehandlungen vermeiden, kann es sich bereits um eine Zahnarztphobie (genauer: Zahnbehandlungsphobie oder Dentalphobie) handeln. Der Übergang zwischen Unwohlsein, Angst und Phobie kann fließend sein und von dem Betroffenen und seiner Umgebung unbemerkt vonstattengehen.

Wer ist betroffen?

Kaum jemand geht wirklich gerne zum Zahnarzt. Doch während die meisten Personen den Zahnarztbesuch "nur" mit einem unangenehmen Gefühl oder Befürchtungen assoziieren, entwickeln manche Menschen eine ausgeprägte Angst vor dem Zahnarzt. Meistens haben diese Menschen in ihrer Vergangenheit (vielleicht sogar schon in der Kindheit) sehr schlechte Erfahrungen bei einer Zahnbehandlung gemacht. Solche Negativerfahrungen sind zum Beispiel extreme Schmerzen. Auch das Gefühl der Ohnmacht gegenüber dem Zahnarzt, der die Situation kontrolliert und auch gegen den Willen der Patienten eine Behandlung fortsetzen kann, kann eine negative oder traumatische Erfahrung darstellen.

Welche Folgen hat die Angst vor dem Zahnarzt?

Aus einer Angst vor dem Zahnarzt kann sich eine Phobie entwickeln, wenn die Person versucht, die angstauslösende Situation (den Zahnarztbesuch) zu vermeiden. Damit nimmt sie sich nämlich die Chance, positive Erfahrungen zu machen und zu merken, dass ihre Angst womöglich unbegründet ist. Ohne solche Erfahrungen bleibt das negative Erlebnis stets im Gedächtnis präsent und die Bewältigung der Situation erscheint subjektiv immer schwieriger. Ein Teufelskreis entsteht, aus dem sich eine Dentalphobie entwickelt. Diese geht einher mit körperlichen Symptomen wie Herzrasen, Zittern, Schwitzen, Durchfall und andere unangenehme Körperreaktionen. Um diese Reaktionen zu verhindern, versuchen die Patienten, die angstauslösende Situation zu vermeiden. Manche Patienten gehen jahrelang nicht zum Zahnarzt und leiden früher oder später unter Zahnschmerzen, unbehandeltem Zahnstein, Mundgeruch oder Karies, der bis zum Zahnverlust oder gefährlichen Erkrankungen führen kann. Viele Angstpatienten flüchten sich aus Scham in die soziale Isolation, werden depressiv oder abhängig von Schmerzmitteln oder anderen Medikamenten.

Wie lässt sich Angst vor dem Zahnarzt überwinden?

Offenheit ist bei Patienten mit Zahnarztangst sehr wichtig. Zahnärzte kennen das Problem und helfen den Patienten gerne dabei, soweit es in ihrer Macht steht, ihre Angst zu überwinden. Immer mehr Zahnärzte sind auf Angstpatienten spezialisiert und bieten zum Beispiel an, während der Behandlung per Kopfhörer Musik hören zu können, um von unangenehmen Bohrgeräuschen abzulenken. Außerdem lassen sie die Patienten nicht lange warten, nehmen ihre Ängste ernst, zeigen Mitgefühl und erklären jeden ihrer Behandlungsschritte. Das gibt den Patienten Sicherheit. Vor allem bei Patienten, denen das Gefühl des Ausgeliefertseins großes Unbehagen bereitet, kann es zudem hilfreich sein, ein Handzeichen als Stopp-Signal zu vereinbaren. Zeigt der Patient dieses Handzeichen, unterbricht der Zahnarzt die Behandlung und legt eine kleine Pause ein.

Bei einer ausgeprägten Angst vor dem Zahnarzt oder gar einer Dentalphobie empfiehlt sich die Inanspruchnahme professioneller Hilfe in Form einer Psychotherapie. Dort lernen die Patienten verschiedene Angstbewältigungsstrategien wie zum Beispiel den richtigen Umgang mit Angstgedanken und Atem- oder Entspannungstechniken wie Autogenes Training oder Progressive Muskelrelaxation. Neben einem theoretischen Teil gibt es auch einen praktischen Teil, in dem die Patienten das Erlernte in einer angstauslösenden Situation anwenden und einüben können. Manche Therapeuten bieten alternativ eine Hypnose-Behandlung an, welche die Angst vor dem Zahnarzt lindern soll. Welche Methode die beste ist, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Deshalb sollten Betroffene mit Zahnarztangst nicht gleich aufgeben, wenn eine der Methoden bei ihnen nicht funktioniert.

Foto: pixabay
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