Zwischen Fantasie und Handwerk: Maskenbildner Frank May

Eigentlich hatte Frank May nicht nur einen, sondern gleich fünf Jobs. Neben dem einfachen Haareschneiden am Filmset, wenn die Frisur mal wieder herausgewachsen war, wurde täglich geschminkt, die Perücke passend gemacht, Wunden modelliert – und immer wieder zugehört. Denn als Maskenbildner sei man genauso Künstler wie Psychologe, erzählt May. Für einen Tag am Filmset kann das enorm entscheidend sein: „Wenn es in der Maske schiefgeht, geht der ganze Drehtag schief“.

Jemand wie Frank May muss es wissen. Schließlich war er von 1958 an bis zu ihrem Ende der dienstälteste Maskenbildner bei der Deutschen Film AG (DEFA) und auch bis zu seiner Rente in den  frühen 2000ern noch im Filmgeschäft tätig. Dass er das kreative Handwerk ergreifen wollte, wusste er bereits mit 13 Jahren. Sein Vater war Requisiteur am Theater und nahm ihn eines Tages mit an seinem Arbeitsplatz. „Von da an war alles klar“, erinnert sich May.

Frank May aus Stahnsdorf

Um die Ausbildung zum Maskenbildner beginnen zu können, musste er jedoch zuerst das Friseurhandwerk lernen – allerdings mit einigem Zähneknirschen. „Haare verbiegen habe ich eher ungern gemacht, das war mir viel zu langweilig.“ Das eigentliche Ziel rückte jedoch mit jedem Ausbildungstag näher. Als er dann in Babelsberg die Ausbildung zum Maskenbildner-Assistenten erhielt, konnte er richtig aufblühen.

Denn in kaum einem Beruf berühren sich Fantasie und Handwerk so sehr wie beim Film. Dabei habe er sich so richtig austoben können, erzählt der gebürtige Potsdamer Frank May, der inzwischen in Stahnsdorf lebt.. Nicht nur durfte er Drachen und andere Geschöpfe in allen Formen und Farben erschaffen, sondern konnte zusammen mit deutschen Filmgrößen wie Rolf Hoppe oder Manfred Krug deren Erscheinungsbild für ihre Rollen entwickeln. Dabei ging es auch mal heiß her, schildert der ruhige Mann mit einem verschmitzten Lächeln. „Manchmal hatten wir uns so gestritten, dass wir uns nicht mehr angucken mochten – das ist ziemlich schwierig, wenn man nur ein paar Zentimeter voneinander entfernt arbeitet und außerdem überall Spiegel hängen.“

Wir haben alles von Hand gemacht

Eher zufällig wurde aus May dabei ein Experte für historische Stoffe. Seine Bandbreite reichte hier von Luther über Liebknecht bis hin zu Goethe und Freud. Auch konnte er mit etwas Geschick selbst in der Mangelwirtschaft der DDR noch das Nötige beschaffen. So wurde ein winziges Stück Vorhangstoff aus der Berliner Staatsoper so umfunktioniert, dass May damit die Haaransätze unter den historischen Perücken unsichtbar machen konnte. „Wir haben alles von Hand gemacht und uns gegenseitig geholfen, bis wieder Budget für die notwendigen Materialien da war“, blickt May zurück.

Als schließlich die Mauer fiel und die DEFA aufgelöst wurde, war May als letzter von einstmals 70 Mitarbeitern im Studio Babelsberg angestellt. In Zusammenarbeit mit dem Filmpark probierte er sich auch auf anderen Gebieten aus. So konnten Unternehmen beispielsweise als teamstärkende Maßnahme ihre schauspielerischen Fähigkeiten erproben und kleine, fantasievolle Szenen drehen. Auch May stellte dafür seine handwerklichen Fähigkeiten bereit. „Solche Aktionen waren ziemlich spaßig“, resümiert er.

Frank Mays eigene Arbeit ist mittlerweile auch zu einem historischen Sammlerstück geworden. So hatte ihm seine Frau zum vergangenen Weihnachtsfest eine DVD mit Doku-Aufnahmen aus dem historischen Potsdam geschenkt – nicht ahnend, dass hier auch ein Lehrfilm über das Filmemachen auftaucht, den ihr Mann einst selbst erstellt hatte.

Und nicht nur das verbindet Vergangenheit und Zukunft im Hause May: Das Paar lernte sich bei Filmarbeiten in Babelsberg kennen und geht bis heute gern ins Kino und ins Theater. Allerdings muss Frank May sich hier immer mal von seiner Ehefrau bremsen lassen, erzählt er: „Ich schaue immer noch sehr genau hin, wie die Schauspieler aufgemacht sind und ob das Licht und die Schminke stimmt“. Gelernt ist eben gelernt.

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Text: aj/ Foto: privat

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