Wochenende im Grünen: Führung auf dem Südwestkirchhof am 05. Mai

Der Wiener Zentralfriedhof, die Toteninsel in Venedig und natürlich Père Lachaise in Paris – ein Besuch der international bekannten Begräbnisstätten gehört für Touristen fast schon zum Pflichtprogramm. Ein weiterer eindrucksvoller Ruheort befindet sich jedoch ganz in der Nähe: Der Südwestkirchhof in Stahnsdorf bietet als größter und bedeutendster Friedhof Deutschlands so einige Superlative.

Promi-Gräber und Kultur

„Ein Stück märkischen Waldes, parkartig behandelt, die Gräberplätze weit auseinander, herrlich, schön, friedlich.“ – So beschrieb der Schriftsteller Victor Klemperer den einzigartigen, romantischen Charakter des Südwestkirchhofs. Die Ruhestätte lockt bereits seit 1909 wegen ihrer einzigartigen Gestaltung viele Besucher. Spaziergänger bestaunen die verwitterten Mausoleen, genießen die stille Natur oder schlendern zwischen den Promi-Gräbern umher.

Hier findet man in einem ausgedehnten Waldareal nicht nur die Gräber von prominenten Persönlichkeiten wie Werner von Siemens, Engelbert Humperdinck oder Heinrich Zille, sondern auch eine nach dem Vorbild norwegischer Stabkirchen errichtete hölzerne Kapelle, in der regelmäßig Konzerte, Lesungen und andere kulturelle Veranstaltungen stattfinden. Auch prächtige Mausoleen, wie der Industriellenfamilie Caspry prägen die Friedhofslandschaft.

Herrlich, schön, friedlich: Architekten iund Bildhauer helfen bei der Gestaltung

Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz ist Eigentümerin des Südwestkirchhofs, der ursprünglich dazu diente, das Problem der begrenzten Berliner Beisetzungsflächen zu lösen. Dafür wurde sogar eigens eine Friedhofsbahn gebaut, die ab dem Eröffnungsjahr 1913 bis zu ihrer Stilllegung im Jahre 1961 den Standort Stahnsdorf mit den zwei Berliner Bahnhöfen verband. Es war das erste Mal in der Geschichte, dass die Idee eines landschaftlich gestalteten Zentralfriedhofs umgesetzt wurde, kunstgeschichtlich bedeutsam durch die Arbeiten von herausragenden Architekten und Bildhauern.

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden viele Berliner Gräber nach Stahnsdorf verlegt, um Platz für die von Albert Speer geplante 'Reichshauptstadt Germania' zu machen. Während der DDR-Zeit wurde der Friedhof zwar weiter betrieben, doch blieb er für viele Besucher aus Berlin unerreichbar, zumal der Bahnverkehr nach dem Mauerbau eingestellt wurde. Nach der Wende wurde mit der Sanierung und  Restaurierung von Gräbern, Kunstwerken und Friedhofsanlagen begonnen, die jedoch angesichts der umfangreichen Schäden bei Weitem nicht ausreichten. Um die Erhaltung dieser kultur- und kunsthistorisch bedeutsamen Friedhofsanlage kümmert sich deshalb der Förderverein Südwestkirchhof Stahnsdorf e.V.

Paten gesucht

Dieser sucht überdies Paten, welche die Instandsetzung von Grabdenkmälern als Sponsoren fördern. Eine aktuell geplante Änderung des Brandenburger Bestattungsgesetzes soll erreichen, dass mehr Investitionen getätigt werden. Wer in denkmalwerte Grabmale investiert, kann sich dann auch nach dem Vorbild der alten Ägypter in den Gruften sanierter Mausoleen oder vor monumentalen Grabwänden bestatten lassen. Und wem dies noch nicht außergewöhnlich genug ist, der kann sich wie Schauspieler Manfred Krug auch direkt unter einem Baum bestatten lassen.

Das insgesamt 206 Hektar große Areal kann im Rahmen einer Führung oder auf eigene Faust erkundet werden. Die Führungen finden an jedem ersten Samstag im Monat statt.

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Die nächste Führung mit kunst- und kulturhistorischem Hintergrund findet am 05. Mai von 11 bis 14 Uhr statt.

Anmeldung bitte per Telefon: 0179-3793503

Weitere Infos finden Sie unter südwestkirchhof.de

 

Text: O.Ihlefeldt, Fotos: TSB
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