Kluckert: Schlosspark Theater ist kulturelles Highlight

Diplom-Psychologe Florian Kluckert (FDP) ist Sprecher seiner Fraktion für Gesundheits- und Kulturpolitik im Berliner Abgordnetenhaus. Mit dem Teltower Stadt-Blatt Verlag sprach er über die aktuelle Situation der Berliner Theaterlandschaft.

Teltower Stadt-Blatt Verlag:  Das Theater am Kurfürstendamm und die Komödie müssen schließen und ein neues Theater am alten Standort wird nun mit sehr viel öffentlichen Geldern gebaut? Hätte man die alten Theater nicht retten müssen, statt viel Geld in einen Neubau zu stecken?

Florian Kluckert, MdA: „Ich persönlich hätte es begrüßt, wenn man sowohl das Theater am Kurfürstendamm als auch die Komödie so hätte erhalten können, wie sie jetzt sind. Ich liebe diesen alten Charme der beiden Theater. Wer noch nie da war, muss das unbedingt noch machen. Leider haben in der Vergangenheit aber alle politischen Kräfte versagt, als es darum ging, denkmalschutzrechtlich die beiden Theater so zu sichern. Fakt ist, dass aufgrund dieser Versäumnisse das Theater schließen muss. Das ist schade aber politisch leider nicht mehr zu ändern. Durch die langfristige Zusage der Mietzahlungen des Senats kann jetzt zumindest an dem Standort weiter Theater aufgeführt werden. Ich möchte keinen Kudamm, der nachts menschenleer ist, weil Boutiquen und Billigketten geschlossen sind. Viele Bars und Restaurants profitieren vom Theaterstandort Kurfürstendamm und zahlen Steuern. Daher unterstützen meine Fraktion und ich die Erhöhung der Mittel. Das neue Theater wird ein Leuchtturm für die City-West und diese wurde politisch viele zu lange vernachlässigt.“

Teltower Stadt-Blatt Verlag: Ein Theater in der Nähe des Kurfürstendamms musste leider schließen, das Deutsch-Jüdische Theater. Hätte hier nicht der Senat auch retten können?

Florian Kluckert, MdA: „Ich glaube, Berlin braucht ein Theater wie das Deutsch-Jüdische Theater. Es ist schade, dass der Senat zu lange gezögert hat und der alte Standort des Theaters in der Meineckestraße somit nicht gehalten werden konnte. Ich hatte im Kulturausschuss rechtzeitig dies angeregt und auf die Problematik aufmerksam gemacht. Ich hoffe, dass über Projektfördergelder dem Theater dennoch irgendwie ein Neustart ermöglich wird.“

Teltower Stadt-Blatt Verlag: Gibt es weitere Theater, um die man sich Sorgen machen muss?

Florian Kluckert, MdA: „Im Moment sind wir zum Glück nicht in der Situation, das Theater schließen müssen. Im Gegenteil, die Theater bekommen endlich mehr Geld, um auch tarifliche Lohnanpassungen machen zu können. Das Schlossparktheater in Steglitz bereitet mir ein wenig Bauchschmerzen, da die Lottomittel in den kommenden Jahren auslaufen und der Senat das Problem scheinbar noch nicht erkannt hat. Ich hoffe und werde mich dafür einsetzen, dass das Schlossparktheater eine Zukunft hat.“

Teltower Stadt-Blatt Verlag: Was ist aus Ihrer Sicht das besondere am Schlossparktheater?

Florian Kluckert, MdA: „Das Schlossparktheater wurde liebevoll von Dieter Hallervorden renoviert und wird erfolgreich von ihm betrieben. Es ist fester Bestandteil und kulturelles Highlight in Steglitz. Die Stücke die dort aufgeführt werden sind eine fantastische Mischung aus Unterhaltungsstücken sowie anspruchsvollen Stücken, die einen zum Nachdenklich anregen. Eine Mischung, die es so in Berlin nur dort gibt. Ich selbst gehe sehr gerne dort hin.“

Teltower Stadt-Blatt Verlag: Eine Veränderung spaltet die Kulturschaffenden, nämlich die Ablösung von Frank Castorf durch Chris Dercon an der Volksbühne? War diese Entscheidung, die ja noch vom alten Senat unter Michael Müller getroffen wurde, richtig?

Florian Kluckert, MdA: „Ob diese Entscheidung richtig war, wird die Zukunft zeigen. Wie allerdings im Vorfeld mit Chris Dercon umgegangen wird, finde ich unwürdig und ein solcher Umgang trägt auch nicht dazu bei, das Kunst- und Kulturschaffende gerne nach Berlin kommen. Alle sollten jetzt erstmal abwarten und Christ Dercon eine Chance geben. Der Start auf dem Tempelhofer Feld war zumindest schon einmal recht erfolgreich.“

Das Gespräch führte Volkert Neef, Fotos: VTN