Neues musikalisches Highlight in Kleinmachnow

Nach der gelungenen und fulminanten Premiere des Projekts „Fantastic Opera“ konnte das kulturinteressierte Publikum Anfang Juni miterleben, wie in den Neuen Kammerspielen ein weiteres Highlight aus der Taufe gehoben wurde: das neu gegründete „Four Seasons Orchestra“. Aber wer vermutet, der Orchestername hätte etwas mit Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ zu tun, der irrt: Der Name kommt daher, dass man viermal pro Jahr in Kleinmachnow auftreten möchte. Ein guter Vorsatz, denn ein professionelles Kammerorchester in unserer Region fehlte bisher.

Die meisten Mitglieder dieses Orchesters sind Berufsmusiker aus dem Ensemble der Deutschen Oper Berlin oder der Dresdner Philharmoniker, manche studieren noch. Fast alle Geiger sind ehemalige Schülerinnen und Schüler von Tomasz Tomaszewski, Konzertmeister der Deutschen Oper, Professor an der UdK Berlin und Leiter des neuen Ensembles. „Für ein Sechstel des Orchesters ist Nicola Kussmaul verantwortlich“, bemerkte er humorvoll, denn zwei Söhne und eine Tochter der bekannten Kleinmachnower Geigerin – genauso wie sie selbst – spielen im Orchester mit.

Für das erste Konzert hatte man Stücke ausgewählt, die alle Orchestermitglieder schon einmal gespielt hatten, und laut Tomaszewski sollte sich damit die Spannung entwickeln „wie in einem Hitchcock-Film“. So spannte sich denn auch der musikalische Bogen von Mozarts Divertimento D-Dur über Bachs Konzert für zwei Violinen und Griegs Suite „Aus Holbergs Zeiten“ bis zu einem Stück des erfolgreichen polnischen Filmmusikkomponisten Wojciech Kilar. Schon bei dem schwungvoll und lebendig gespielten Stück zu Beginn zeigte sich das souveräne Zusammenspiel (so, als ob die Musiker schon ewig zusammen spielten), und der homogene Klang des Ensembles konnte sich trotz recht trockener Saalakustik gut behaupten.

In Bachs Violinkonzert mit Franzisca und Jan Paul Kussmaul als Solisten kam das „musikalische Ping-pong“ zwischen ihnen und dem Orchester gut zur Geltung. Trotz eher romantischem Klangideal überzeugte die Interpretation durch gut abgestimmte Phrasierungen und einen schönen, warmen Geigenklang. Griegs Suite erwies sich als ideales Stück fürs Ensemble, konnte es doch in dieser abwechslungsreichen Folge von Charakterstücken viel klangliche Variabilität und ideenreiche Gestaltungsvielfalt zeigen. Einen Dirigenten vermisste man hier – wie schon bei den anderen Stücken – überhaupt nicht, zumal Tomasz Tomaszewski das Orchester mit lebhaften Impulsen zusammenhielt.

Besonders interessant war die Begegnung mit „Orawa“, einem Werk des 2013 verstorbenen Komponisten Wojciech Kilar, in dem er eine polnische Landschaft beschreibt. Das klingt zunächst wie Musik von Bartók, dann meint man, Minimal Music von Philip Glass zu hören, aber bald ist man von dieser endlos mäandernden, motorisch repetitiven Musik so gefesselt wie von einer spannenden Szene in „Psycho“ – und da haben wir auch schon den Bezug zum Kino, denn Kilar schuf unter anderem auch die Musik zu Filmen „Der Pianist“ und „Bram Stoker‘s Dracula“ und erzeugte die satanische Atmosphäre in „Die neun Pforten“.

Da kommt natürlich der Wunsch auf, noch mehr vom „Four Seasons Orchestra“ live gespielte Filmmusik (auch mit bewegten Bildern) in den Kammerspielen zu hören. Sehr naheliegend, zumal das Konzerterlebnis in Kleinmachnow viel angenehmer als in der Berliner Philharmonie war: Kein Verkehrsstress, keine mühsame Parkplatzsuche, keine unbezahlbaren Eintrittspreise – und keine störenden Huster. Aber auch gemeinsame Projekte mit „Fantastic Opera“ und natürlich weitere schöne Klassik-Konzerte wünscht man sich, womit sich die Neuen Kammerspiele zu einem hochkarätigen Zentrum anspruchsvoller Musik in unserer Region entwickeln könnten – wir sind gespannt.

Text: KP/ Foto: MK

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