Denkmal des Monats: Mittelalterliche Glocke in Niebendorf

Im Glockenturm an der Kirche ­Niebendorf hängt eine Bronzeglocke aus dem späten 13. Jahrhundert. Es ist ein kleines Wunder, dass dieses mittelalterliche Kleinod weder im Ersten noch im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen wurde. Sie wurde 1924 von der benachbarten Kirchgemeinde ­Heinsdorf abgekauft. Nach der Restaurierung im Jahr 2013 präsentiert sich die alte Glocke von ­Niebendorf im neuen Glanz und lohnt wie die Feldsteinkirche in ­Niebendorf einen Besuch. Sie ist das das Denkmal des Monats Dezember im Landkreis Teltow-Fläming.

Die Glocke ist 94 Zentimeter hoch und 62 Zentimeter breit und weist eine Umschrift und mehrere Zeichen auf. Die Umschrift besteht ausschließlich aus Großbuchstaben. In der richtigen Position erschließt sie sich schnell: AVE MARIA GRACIA PLENA (zu Deutsch: „Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade“). Dabei handelt es sich um den Anfang eines katholischen Gebets.

Außer dem Spruch gibt es insgesamt fünf bildliche Darstellungen: ein rundes erhabenes Medaillon mit glatter Oberfläche, ein rundes Medaillon mit einem Blumenmotiv, die Darstellung eines Rades mit sechs Speichen, ein Malteserkreuz und einen Kreis mit einer dreifigürigen Kreuzigungsgruppe darin. Beim letzteren Zeichen handelt es sich wahrscheinlich um den Abguss eines Pilgerzeichens.

Pilgerzeichen auf mittelalterlichen Glocken sind keine Seltenheit. Sie sind der Beweis für eine erfolgreich vorgenommene Pilgerfahrt, von der man das lokal hergestellte Pilgerzeichen mitbrachte. Das Eingießen in eine Glocke wurde bewerkstelligt, indem man das Pilgerzeichen in den noch weichen Ton der Gussform eindrückte. Beim Glockenguss ergab sich das erhabene Motiv auf der ansonsten glatten Oberfläche. Früher nahm man an, dass sich mit dem Klang der Glocke die heilsbringende Wirkung des Pilgerzeichens in die Umgebung ausbreitete.

Neben der Inschrift befindet sich auf der Niebendorfer Glocke zwischen zwei Medaillons ein singulärer Buchstabe – ein „C“. Aufgrund fehlender Parallelen muss vorerst offen bleiben, ob es sich dabei um das Zeichen des Glockengießers oder des Stifters der Glocke handelt.

Die Umschrift in Form von Majuskeln verweist auf das späte Mittelalter, denn im 14. Jahrhundert vollzog sich der Wechsel von Majuskeln zu Minuskeln, also von Groß- zu Kleinbuchstaben.

Text: und Foto: PM Landkreis Teltow-Fläming