„Es sind die Starken, die man leben lässt“
Es sind Geschichten, wie die vom wilden Jägersmann aus dem „Struwwelpeter“, welche uns von Kindesbeinen an ein fabulöses Bild vom flintenbewehrten Grünrock verschaffen – irgendwo zwischen edlem Weidwerk und mordlustigem Jagdtrieb. Eine klare herbstliche Mondnacht soll Licht in das bisweilen diffuse Klischee vom Diana-Jünger bringen.
Peter Braun ist Jagdpächter für die Gemarkungen Kleinmachnow und Stahnsdorf. Sein Geländewagen rumpelt auf holprigen Waldwegen durch den dunklen Mischwald westlich des Stahnsdorfer Südwestkirchhofes. Und ja, er trägt ein grasgrün Röcklein nebst Filzhut mit zünftigem Gamsbart und doppelläufiger Bockbüchsflinte. Statt der Brille auf der Nas´ ein Fernglas auf der Brust, selbst das aber passt noch prima in eine schablonenhaft-kindliche Vorstellung. Doch dann räumt Peter Braun, in seinem Leben neben der Jagd leitender Beamter beim Bundeskriminalamt, auch schon auf mit der wildromantischen Kinderfantasie: „Wir machen gelegentlich sogar Exkursionen mit Kindergärten, erklären Spuren und Ähnliches.“
Gegen ein Bild vom Getier des Waldes mordenden Freischütz verwehrt er sich vehement. Natürlich ist der Tod des Jägers Geschäft. Doch es geht um mehr. Es geht um eine gesunde Balance zwischen Mensch und Natur an der quasi-urbanen Grenze zwischen Hauptstadtmetropole und einem „wilden“ Brandenburger Umland. Es ist die Mischung aus naturbegeistertem Ausgleich zum Berufsstress, Naturschutz, Aufklärung und ja, wohl auch einem gewissen archaischen Jagdtrieb. „Wir achten darauf, dass der Wildbestand nicht über ein erträgliches Maß hinauswächst.“ Dass selbst der Mensch in den Speckgürtelvororten der großen Stadt meist nur in Ausnahmefällen ein natürlicher Feind von Reineke Fuchs, Meister Lampe oder Kollege Schwarzrock ist, das haben viele Teltower, Kleinmachnower und Stahnsdorfer bereits in ihren Vorgärten erfahren. Etwa 8 000 Wildschweine bevölkern Berlin und das dicht besiedelte Umland. Der Fuchs beispielsweise sei ein Kulturfolger, so Braun. Kein Wunder also, dass man ihn auch auf dem Campus der Technischen Universität mitten in Berlin antrifft.
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