Vergangenheit lebendig halten
Informationstafel am „Historischen Winkel“ von Zehlendorf enthüllt
Es ist das letzte erhaltene Zeugnis des historischen Ortskerns von Zehlendorf. Hier an der großen Kreuzung Clayallee Ecke Berliner Straße wechselten einst die Kurfürsten ihre Pferde, wenn sie vom Berliner Stadtschloss nach Sanssouci ritten. Von dem früheren Bauerndorf blieb jedoch nur ein Dreier-Ensemble erhalten, das ehemalige Schulhaus, die alte Dorfkirche und eine Friedenseiche. Um die Vergangenheit lebendig zu halten, wurde hier am Dienstag eine Informationstafel enthüllt.
„Historischer Winkel“ wird dieser geschichtsträchtige Ort bezeichnet. Das ehemalige Schulhaus, erbaut im Jahr 1828, beherbergt heute das Heimatmuseum mit dem historischen Archiv von Zehlendorf. „Im Erdgeschoss gab es damals ein großes Klassenzimmer und eine Wohnung für den jeweiligen Schulmeister“, erzählt Klaus-Peter Laschinsky, Vorsitzender des Heimatvereins.
Im Dachgeschoss habe der Lehrer einst Seidenraupen gezüchtet. Denn zu jener Zeit sei die Seide aus dem Ausland derart teuer gewesen, dass der Kurfürst vor Ort die Seide produzieren ließ. Und weil sich Seidenraupen von den Blättern der Maulbeerbäume ernähren, wurden die Bäume in den benachbarten Friedhofsgarten gleich mit gepflanzt. Bis heute stehen dort drei Maulbeerbäume.
Der Kirchhof mit der alten Dorfkirche aus dem Jahr 1768 gehört ebenfalls zum „Historischen Winkel“. Weil der preußische König Friedrich II. auf seinen Kutschfahrten von Berlin nach Potsdam auch jeweils im Ortskern von Zehlendorf einen Zwischenstopp einlegte, habe ihn die marode, mittelalterliche Vorgängerkirche gestört. Er gab einen schöneren, repräsentativen Neubau in Auftrag und stiftete dafür 6000 Taler. „Allerdings verschwand der Baumeister mit der Hälfte des Geldes und deshalb konnte nur eine schlichte, relativ kleine Kirche ohne Turm gebaut werden“, sagt Laschinsky.
Um den „Historischen Winkel“ komplett zu machen, fehlt noch die Friedenseiche vor dem heutigen Heimatmuseum, ein gewaltiger Baum, dessen Äste wie ein schützender Schirm den besonderen Ort überspannen. Die Stiel-Eiche wurde 1871 gepflanzt und soll an den Friedensschluss nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870 bis 1871 erinnern. Heute hat die Eiche einen Stammumfang von rund vier Metern. „Damit die Wurzeln nicht absterben, wurde sogar eine Belüftung in den Fußweg eingebaut“, erklärt der Zehlendorfer Heimatforscher.
Dank der neuen Informationstafel an der Mauer des Kirchhofs können nun die Passanten das Wichtigste über den historischen Ort erfahren. Wer mehr wissen möchte, sollte ins Heimatmuseum gehen. Die Informationstafel wurde vom Heimatverein Zehlendorf initiiert und vom Landesdenkmalamt umgesetzt. Die Tafel entspricht in Größe, Form und inhaltlicher Gestaltung den vom Landesdenkmalamt auch an anderen Orten aufgestellten Schildern. Die Kosten von insgesamt 8000 Euro haben zur Hälfte der Fachbereich Gartendenkmalpflege beim Landeskonservator getragen, den Rest teilten sich der Förderverein Alte Dorfkirche und der Heimatverein.

