Donnerstag, 09. Februar 2012

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Bezirk nimmt Vorreiterrolle ein: Bereits 150 Notinseln für Kinder in Steglitz-Zehlendorf

Eine Schürfwunde durch einen Sturz, den Schlüssel oder das Handy verloren, Angst in der Dunkelheit oder eine Prügelei unter Schülern – das sind Probleme, mit denen Kinder auf dem Weg zur Schule gelegentlich konfrontiert werden können. Um sie vor solchen Situationen zu schützen und ihnen eine Anlaufstelle zu bieten, wurde das Projekt „Notinsel“ ins Leben gerufen. Das Fahrradgeschäft Kuczka am Teltower Damm ist die 150. Notinsel in Steglitz-Zehlendorf.

Ein markanter, bunter Aufkleber an der Eingangstür mit drei skizzierten Kindern und der Aufschrift Notinsel signalisiert den Hilfesuchenden: Hier kannst Du Dich sicher fühlen! „Ich war von dem Projekt sofort überzeugt, denn ich bin kinderlieb und habe selbst einen Sohn“, sagt Marcel Mosolf. Seit sieben Jahren arbeitet der Teltower in dem Fahrradgeschäft in Zehlendorf und seit Anfang des Jahres ist er der Inhaber und Geschäftsführer.

Weil sich unweit die John-F.-Kennedy-Schule befindet, kommen täglich viele Schüler an dem Laden vorbei. „Wenn ein Kind in Not ist, würde ich immer helfen“, so Mosolf weiter. Sein Sohn sei vor einigen Tagen auch mit einem blauen Auge nach Hause gekommen. Eine „Notinsel“ hätte der Neunjährige in der Situation gern genutzt, wie er seinem Vater erzählte. Allerdings wisse er nicht, ob es auf seinem Schulweg eine solche Anlaufstelle überhaupt gebe. In Steglitz-Zehlendorf läuft das Projekt seit Sommer 2011. Einzelhandelsgeschäfte, Apotheken, Schulen, Vereine und Institutionen beteiligen sich. „Dieser Bezirk hier ist ein Paradebeispiel dafür, wie ein Projekt umgesetzt werden kann, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen“, sagt Bodo Pfalzgraf, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft im DBB, die das Notinsel-Projekt in Berlin betreut. Die Schirmherrschaft für Steglitz-Zehlendorf hat der Bezirksbürgermeister Norbert Kopp übernommen.

Denn der Bezirk im Südwesten der Hauptstadt nimmt berlinweit eine Vorreiterrolle ein. In keinem anderen Kiez gibt es inzwischen so viele Notinseln, teilt die Polizeigewerkschaft mit. In der ganzen Stadt sind es derzeit insgesamt fast 500 Notinseln. Ziel sei es, langfristig ein flächendeckendes Angebot für Kinder in Notsituationen zu schaffen, besonders entlang der Schulwege.

Die Idee zu dem Projekt stammt ursprünglich von der Stiftung „Hänsel+Gretel“ und wurde 2002 ins Leben gerufen. Die Teilnehmer unterschreiben jeweils eine Selbstverpflichtung und bekommen den Aufkleber, der an einer prägnanten Stelle angebracht werden sollte. „Für den Notfall gibt es eine Art Checkliste, in der steht, was zu tun ist“, erklärt Pfalzgraf. Dort sind zum Beispiel auch jeweils die regionalen Notrufnummern vermerkt. Wichtig sei es in jedem Fall, das hilfesuchene Kind zunächst zu beruhigen und ihm ein Gefühl von Sicherheit zu geben. 

Text/Foto: Anett Kirchner

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